Sieglinde Faehnrich am Eingang ihres Hauses, in dem sie Ferienwohnungen vermietet. © Britta Linnhoff
Ferienwohnungen

Die Welt zu Gast in Kirchhörde – von Handwerkern bis zum Fernsehteam aus Uruguay

Manchmal entsteht aus einer schlechten Erfahrung etwas Gutes: So war das auch bei Sieglinde Faehnrich. Sie machte nicht so gute Erfahrungen mit ihren Mietern - und kam so auf eine Idee.

Gut 20 Jahre ist es her, da kaufte sich Sieglinde Faehnrich ein Haus in Kirchhörde, am Notweg 20a. Die Quadratmeter, die sich nicht selbst benötigte, vermietete sie. Aber mit den Mietern lief es nicht so gut, erinnert sie Sieglinde Faehnrich. „Ich habe gleich am Anfang schlechte Erfahrungen gemacht“, erzählt sie heute.

Die schlechten Erfahrungen führten zu einer guten Idee. Denn seitdem vermietet die heute 77-Jährige nicht mehr auf Dauer, sondern an alle, die in Dortmund vorübergehend eine Unterkunft suchen: an Feriengäste, an Messebesucher, an Mitarbeiter von Firmen, die in Dortmund über Tage, Wochen und manchmal sogar Monate eine Wohnung brauchen.

Im Vorgarten steht ein kleines Hinweisschild auf die Wohnungen, die laut Faehnrich auf viel Interesse stoßen.
Im Vorgarten steht ein kleines Hinweisschild auf die Wohnungen, die laut Faehnrich auf viel Interesse stoßen. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

Inzwischen sind es vor allem Firmen-Mitarbeiter, die dort wohnen

„Ferienwohnung Faehnrich“, ein Schild mit dieser Aufschrift steckt Boden des gepflegten Vorgartens mit seinem blühenden Rosenbusch. Wirklich Ferien machen hier inzwischen die wenigsten. Es seien vor allem Firmen, die für ihre Mitarbeiter hier buchen.

Daran habe auch die Corona-Pandemie nichts geändert, sagt Sieglinde Faehnrich. Ausgeblieben sind die Besucher der BVB-Spiele und der großen Veranstaltungen in den Westfalenhalle: Es gab nur Fußball ohne Zuschauer und keine Messen in den Hallen. Aber auch so, sagt Sieglinde Faehnrich, sei sie für die nächste Zeit ausgebucht. Die Vermietung sei zum Selbstläufer geworden.

Die Küche ist mit allem ausgestattet, was man im Alltag so braucht.
Die Küche ist mit allem ausgestattet, was man im Alltag so braucht. © Faehnrich © Faehnrich

„Vor 20 Jahren lief alles nur langsam an“

Vor 20 Jahren, als hier alles anfing in der Nähe der Weißen Taube, da sei es nicht so einfach gewesen. Es sei alles nur langsam angelaufen, erinnert sich Sieglinde Faehnrich.

Aber sie, die sich mit 26 in der Modebranche selbstständig machte, wusste sich zu helfen: Sie suchte den Kontakt mit dem Tourismuszentrum der Stadt, meldete sich beim Theater, das immer eine Unterkunft für auswärtige Darsteller suchte.

Blick in die Wohnung im Dachgeschoss.
Blick in die Wohnung im Dachgeschoss. © Faehnrich © Faehnrich

Fernsehteam aus Uruguay und Fußballfans aus Russland

Und so lernte die 77-Jährige Gäste aus aller Welt kennen, die bei ihr zu Gast waren: Aussteller aus Namibia, ein Fernsehteam aus Uruguay, das zur Fußball-WM angereist war oder Fußballfans aus Russland, Schweden oder England.

Besonders lustig sei der Aufenthalt mit dem südamerikanischen Fernsehteam gewesen: Nur einer habe ein paar Brocken Englisch gekonnt, sonst nur Spanisch, was aber Sieglinde Faehnrich nicht beherrscht. Sie haben sich damals trotzdem auch so prima verstanden, „ganz charmante Menschen“, erinnert sich Sieglinde Faehnrich.

Derzeit beherbergt sie ein Ehepaar, dessen Wohnung kürzlich durch einen Wasserschaden unbewohnbar wurde. Die Ferienwohnung sei durch eine Wohnungsgesellschaft angemietet worden. Sieglinde Faehnrich kann gut nachvollziehen, wie sich das Paar gerade fühlt. Vor vielen Jahren habe sie einmal Wasser in ihrer Wohnung in Barop gehabt, so die gebürtige Hombrucherin.

Blick in eine Ferienwohnung.
Blick in eine Ferienwohnung. © Faehnrich © Faehnrich

Aber zumeist beherbergt sie Arbeiter und Handwerker. Manche bleiben Monate. Für Sieglinde Faehnrich ist das eine gute Sache: „Wissen Sie, Gäste machen Arbeit.“ Und wenn sie länger bleiben, dann bedeutet das für Vermieterin Faehnrich weniger Arbeit.

Aber vor allem: Das Vermieten an immer wieder andere Menschen macht ihr Spaß, sagt die Kirchhörderin. „Ich war immer jemand, der gerne mit Leuten redet.“ Und wenn’s sein muss eben auch mit Händen und Füßen wie bei dem Fernsehteam aus Uruguay.

Inzwischen hat sich die 77-Jährige auch längst mit dem Computer arrangiert: „Ich will damit klarkommen“, sagt sie entschieden. Und sie kommt klar, die 77-Jährige, die deutlich jünger rüberkommt. „Gute Gene“ und „wer rastet, der rostet“, sagt sie dazu nur. Und rasten, das könne sie nun mal nicht so gut. Zum Glück für alle, die vorübergehend eine Bleibe suchen.

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Britta Linnhoff

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