Hoffen darauf, den Stahl-Bungalow in den kommenden Jahren ans Hoesch-Museum holen zu können: Isolde Parussel (Leiterin des Hoesch-Museums), Wolfgang E. Weick und Dr. Karl Lauschke (Vorstand der Freunde des Hoesch-Museums). © Gorecki /Dortmund Agentur
Dortmunder Geschichte

Dortmunder Haus aus Stahl wandert wohl ins Hoesch-Museum

Gewöhnlich werden Häuser aus Stein erbaut. In einer Siedlung ist das anders: Wer ein Bild an die Wand hängen will, braucht Magnet statt Nagel. Ein Haus erlebt jetzt ein besonderes Schicksal.

Man sieht es den meisten nicht mehr auf Anhieb an, aber es sind ungewöhnliche Bauten im Stadtteil Kleinholthausen: Ihre Mauern sind nicht traditionell aus Stein, sondern aus Stahl.

Der Stahl-Bungalow L 141 von außen (Foto Roland Gorecki, Dortmund Agentur) © Gorecki / Dortmund Agentur © Gorecki / Dortmund Agentur

Die Geschichte der Stahlhäuser in Kleinholthausen begann 1963/64. Damals errichtete die Firma Hoesch in Kleinholthausen eine Siedlung mit 261 Wohneinheiten für höhere Konzernangestellte. Viele Eigentümer haben die Häuser im Laufe der Jahre an ihre Bedürfnisse angepasst. Die Gebäude bekamen Holzverkleidung, Wintergarten oder Satteldach dazu. Aber eines, das „L 141“, sieht noch fast aus wie das Original – und diesem Haus soll jetzt ein ganz besonderes Schicksal zuteil werden.

Blick in einen Wohnraum im Inneren des Stahl-Bungalows. © Gerecki / Dortmund Agentur © Gerecki / Dortmund Agentur

Prototyp L 141 ist Jahrgang 1966. Das L steht für den winkelförmigen Grundriss des Hauses und 141 wiederum für die Quadratmeteranzahl. Dieses Modell verfügt über eine verbesserte Wärmedämmung und Fugenausbildung. Geschätzt hat dieser Haustyp mindestens 123.000 DM gekostet.

L 141 aber wird wohl auch künftigen Generationen erhalten bleiben, und weiter die große Stahlzeit Dortmunds dokumentieren: Aber nicht mehr in Kleinholthausen, sondern in der Nordstadt. Das Haus soll umziehen: ins Hoesch-Museum zur Eberhardstraße an der Westfalenhütte. Hier ist das Hoesch-Museum untergebracht im historischen Portierhaus der Hütte.

Die Häuser aus der alten Hoeschsiedlung.
Die Häuser aus der alten Hoeschsiedlung. © Philipp Robien © Philipp Robien

Das L 141 soll abgebaut und originalgetreu wieder aufgebaut, werden. Auf dem Gelände neben dem Hoesch-Museum könnte der Stahlbungalow dann als zusätzliche Ausstellungsfläche im nächsten Jahr zur Verfügung stehen. Die Verhandlungen mit den Eigentümern der Immobilie und Thyssen Krupp Steel sollen bis Ostern abgeschlossen sein. Die Leiterin des Hoesch Museums, Isolde Parussel, ist zuversichtlich und begeistert: „Die Idee ist fabelhaft. Die Vorstellung, dass ich das begleiten darf, ist der Hammer.“

In den Häusern wohnten damals leitende Angestellte

Hoesch wollte durch den Bau eigener Fertighäuser vor allem den Absatz des gerade entwickelten Leichtprofils – eines mit PVC beschichteten Stahlbleches – sichern. Leitende Angestellte der Firma bewohnten die Stahlhäuser in der Siedlung, eine Werbemaßnahme der ungewöhnlichen Art.

Ausschnitt aus einem Hoesch-Werbeplakat aus den 1960er-Jahren.
Ausschnitt aus einem Hoesch-Werbeplakat aus den 1960er-Jahren. © Philipp Robien © Philipp Robien

Die Stahlfertighäuser wurden alle in den 1960er-Jahren hergestellt – unter anderem als Test-Bungalow auf Mallorca. Im Dezember 1965 bewilligte die Stadt Dortmund einen Bauantrag der Hoesch AG: Das Stahlhaus „L 141“ durfte in der „Hoesch-Siedlung“ an der Lütgenholthauser Straße aufgestellt werden. Der Vertrieb wurde jedoch relativ schnell wieder eingestellt, weil die Nachfrage nicht so groß wie erwartet war.

das Hoesch-Museum von außen bei Nacht (Foto Hoesch-Museum), © Gorecki /Dortmund Agentur © Gorecki /Dortmund Agentur

Die Leiterin des Hoesch Museums, die sich mit der Historie der Häuser ausführlich beschäftigt hat, nennt als Gründe für den wirtschaftlichen Flop vor allem den verhältnismäßig hohen Preis sowie die gestiegenen Stahl- und Energiepreise in den 60er-Jahren.

Das Haus „L 141“ war fast 50 Jahre lang Heimat der siebenköpfigen Familie des Hoesch-Ingenieurs Hoff. Das Ehepaar Hoff war familiär verbunden mit Stahl-Fachleuten aus Essen, Rheinhausen, Aachen und Luxemburg und steht somit auch stellvertretend für eine eng vernetzte technische Elite.

Sowohl Haus- wie Familiengeschichte wird das Hoesch-Museum in den kommenden Jahren präsentieren: im besten Falle im Stahlhaus am neuen Standort an der Westfalenhütte.

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Britta Linnhoff

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