Die St. Clemens Kirche im Jahr ihrer Einweihung 1871 von Süden her aufgenommen. © Kirchenarchive
150 Jahre St. Clemens

Ein Gotteshaus feiert Geburtstag – und macht die Stadtteilgeschichte lebendig

Wenn es um die 150-jährige Geschichte von St. Clemens geht, geht es auch um die Geschichte eines Stadtteils und seiner Industrialisierung. Eigentlich ist es der Dampfmaschine zu verdanken, dass es die Kirche gibt.

Es geht um die 150-jährige Geschichte einer Kirche – der St. Clemens Kirche an der Deutsch-Luxemburger-Straße. Vor allem geht es darum. Aber auch um die Geschichte eines Stadtteils und seiner Industrialisierung.

Nachzulesen ist das alles in einem Buch, das Maria Kohle unter Mitarbeit von Monika Lahrkamp herausgebracht hat. Titel: „Von der katholischen Missionsstation zur Pfarrkirche St. Clemens in Barop-Hombruch“. 68 Seiten voller Stadtteilgeschichte.

Maria Kohle ist die Verfasserin der Jubiläumsschrift. Pfarrer Christian Conrad feiert mit seiner Gemeinde am 26. September 2021 das Kirchweihhochamt – wegen Corona in einem bescheidenen Rahmen.
Maria Kohle ist die Verfasserin der Jubiläumsschrift. Pfarrer Christian Conrad feiert mit seiner Gemeinde am 26. September 2021 das Kirchweihhochamt – wegen Corona in einem bescheidenen Rahmen.Maria Kohle ist die Verfasserin der Jubiläumsschrift. Pfarrer Christian Conrad feiert mit seiner Gemeinde am 26. September 2021 das Kirchweihhochamt – wegen Corona in einem bescheidenen Rahmen. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

„Ein paar 100 Stunden“ waren es wohl, die Kohle und Lahrkamp damit verbracht haben, das alles zusammenzutragen. Dabei wissen die beiden durchaus, die alten Unterlagen zu durchforsten. Lahrkamp hat Geschichte und Französisch studiert, Kohle katholische Theologie und Latein.

Die beiden kennen sich seit ihrer Schulzeit auf dem Werner Christophorus-Gymnasium und sind seitdem befreundet. Wohl auch deshalb haben sie die „paar hundert Stunden“ für das Projekt gemeinsam gestemmt.

Historische Unterlagen werden teils zum ersten Mal sichtbar

Gesucht haben die beiden Frauen im Pfarrarchiv von St. Clemens und im Archiv des Generalvikariats in Paderborn. Aus diesen Akten werden in dem Buch nun teils zum ersten Mal tagesaktuelle Beschreibungen, Korrespondenzen, Urkunden, Planskizzen, Grund- und Aufrisse der Kirche veröffentlicht, erläutert und in den größeren Zusammenhang gestellt. Im Mittelpunkt stehen die Initiativen des Wohltäters Clemens von Romberg und des Ortspfarrers Wilhelm Vogt.

Eigentlich fängt die Geschichte der Hombrucher St. Clemens Kirche mit der Dampfmaschine an, besser gesagt, mit deren Erfindung. Denn damit, so erzählt es Buchautorin Maria Kohle, wurde der Abbau der Steinkohle möglich: auf den Zechen Louise Tiefbau, Glückauf Tiefbau, Kaiser Friedrich und Gottessegen. Es war die Zeit, als die Brüder Wilhelm und Gottlieb Hammacher aus Warstein das Grundstück vom Bauern Lenhoff in Barop kauften und die Produktion ihrer Eisenwarenfabrik von Warstein hierher verlegten. Das war 1858.

Wunsch der Arbeiter nach katholischer Schule und Kirche

Mit dem Abbau kamen die Arbeiter. So viele Menschen lebten seinerzeit nicht im Dortmunder Süden, als dass die den Bedarf an Arbeitskräften hätten decken können. Die Menschen, die kamen, kamen oft aus katholischen Gegenden nach Dortmund, in eine katholische Diaspora. Und sie kamen nur mit der Zusage, dass es eine katholische Schule und eine katholische Kirche geben werde, berichtet Maria Kohle.

Also musste etwas getan werden. Die nächsten katholischen Kirchen gab es in Dortmund-Hörde, Herdecke und Witten. Keine Alternativen in einer Zeit, in der mal nicht mal eben ins Auto seigen konnte. Die Idee: eine Missionsstation im aufstrebenden Stadtteil.

„Missionsstation“ deshalb, weil diese Kirche in der Diaspora liegen würde, im katholisch dominierten Dortmund. Ohne den rührigen und hartnäckigen Pfarrer Wilhelm Vogt wäre vieles wohl anders verlaufen, sagt Kohle.

Pfarrer Vogt: Ohne seine
Pfarrer Vogt: Ohne seine „ungeheure Einsatzbereitschaft“ wäre vieles nicht möglich gewesen, sagt Maria Kohle. © Kirchenarchive © Kirchenarchive

500 Taler berechnete man damals für eine solche Investition. Geld, das die Arbeiter allein nicht aufbringen konnten. Hammacher investierte auch hier:
Er wollte und brauchte diese Arbeiter – und es sollten zufriedene Arbeiter sein, die ordentlich arbeiteten. Der Mann gewährte Zuschüsse.

Der Grundstein der Kirche von 1870. Geweiht wurde das Gotteshaus erst ein Jahr später.
Der Grundstein der Kirche von 1870. Geweiht wurde das Gotteshaus erst ein Jahr später. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

Schließlich entstand an der heutigen Stockumer Straße in Höhe der Hausnummer 222 eine Art Notkirche. Aber die Gemeinde wuchs weiter rasant, es musste eine andere Lösung her. In der Geschichte, die Kohle und Lahrkamp detailliert aufgeschrieben haben, tauchen auch so bekannte Namen wie Friedrich Harkort und Freiherr Clemens von Romberg auf. Romberg stellte Land zur Verfügung für den Bau einer Kirche.

Ein Ausschnitt aus der ersten Seite des Schenkungsvertrages von Clemens von Romberg für den kirchenlichen Bauplatz aus dem Jahr 1866.
Ein Ausschnitt aus der ersten Seite des Schenkungsvertrages von Clemens von Romberg für den kirchenlichen Bauplatz aus dem Jahr 1866. © Kirchenarchive © Kirchenarchive

So schnell konnte man damals gar nicht planen, wie die Gemeinde wuchs. Die ersten Baupläne wurden schnell wieder über den Haufen geworfen: alles viel zu klein. Und man baute so, dass man sich die Option offenhielt, das Gotteshaus später zu erweitern – was auch geschah (1895/96).

Den Kirchenbau selbst zog man in nur eineinviertel Jahren hoch. 1870 wurde die Kirche schließlich fertig, und 1871 geweiht. Trotz aller Bedenken zunächst, man könne wegen der zahlreichen Flöze hier keine Kirche bauen.

Jahre später machte sich der löchrige Untergrund unter der Kirche doch bemerkbar: Es wurden dünne Streben eingezogen.
Jahre später machte sich der löchrige Untergrund unter der Kirche doch bemerkbar: Es wurden dünne Streben eingezogen. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

Damals wie heute hat die Gemeinde einen Bischof zu Gast: Damals kam Bischof Konrad Martin nach Hombruch. Am Sonntag, 21. September 2021, wird es Weihbischof Hubert Berenbrinker sein, der zur Feier des Pontifikalamtes zur Deutsch-Luxemburger Straße kommt. Das Hochamt beginnt um 11.30 Uhr.

Nicht nur die Entstehungsgeschichte der Kirche ist eine spannende. Im Zweiten Weltkrieg traf eine Bombe am 10. März das Gotteshaus. Es war einer der letzten Angriffe, die auf Dortmund geflogen wurden. Drei Männer hatten in der Kirche Zuflucht gesucht, sie starben alle drei: erschlagen unter der Orgelbühne. Unter den Opfern war auch der Großvater der heute 65-jährigen Maria Kohle.

Die Schäden ließen später auch das Gewölbe des Mittelschiffes einstürzen. Die Wände des traditionsreichen Gotteshauses aber blieben stehen. Heute wartet die Kirche auf eine neue Orgel. Es ist nicht anders als damals: Es muss erst einmal genug Geld zusammen kommen. Gefeiert aber wird am 26. September trotzdem.

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