Klaus Rimek und Tanzlehrerin Svetlana Serova warten darauf, dass sie wieder Tänzerinnen und Tänzer begrüßen dürfen. © Jörg Bauerfeld
Tanzschulen

Einzige Tanzschule im Dortmunder Süden ist verloren im Corona-Bürokratie-Chaos

Inzidenz-Werte fallen, Lockerungen folgen. Fast jeder weiß, wann er was wieder machen darf – nur die Tanzschulen nicht. Gehören sie zur Kultur oder fallen sie unter den Begriff Sport?

Das ganze Dilemma wird an einem einzigen Tag deutlich. Eine Anfrage an die Stadt Dortmund, worunter eine Tanzschule in Corona-Zeiten geführt wird, beantwortet Stadt-Pressesprecher Maximilian Löchter so: „Es gilt ab dem 27. Mai eine neue Corona-Schutzverordnung. Die besagt, dass eine Tanzschule nicht als Bildungsangebot zu werten ist, sondern als sportliches Angebot.“

Zwei verschiedene Antworten an einem Tag

„Darin steht, dass der Kontaktsport, zu dem auch das Tanzen gehört, im Moment nur draußen stattfinden darf“, erklärt Maximilian Löchter weiter. Klaus Rimek, Leiter der Tanzschule Rimek in Hombruch, hatte am selben Tag mit dem Gesundheitsamt telefoniert und dort zur Antwort bekommen, dass eine Tanzschule eben doch unter das Bildungsangebot falle.

Die hohen Räume sind bereit, die ersten Gäste zu empfangen. Erst muss aber die Inzidenz noch weiter runter.
Die hohen Räume sind bereit, die ersten Gäste zu empfangen. Erst muss aber die Inzidenz noch weiter runter. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Vermutlich wusste man beim Gesundheitsamt noch nichts von der neuen Verordnung – es zeigt aber, wie viel Unsicherheit zurzeit herrscht. Auch bei Klaus Rimek und seinem Team. Das konnte in den letzten sieben Monaten nur ein begrenztes Online-Angebot anbieten. Getanzt wurde in den Räumen an der Leostraße 20 in Hombruch seit November 2020 nicht mehr.

„Wir haben auf die staatlichen Hilfen erst einmal verzichtet, weil wir diese ja sowieso zurückzahlen müssen. Wir haben den Betrieb erst einmal total heruntergefahren“, sagt Klaus Rimek. „Ohne unseren tollen Vermieter, der mir einen Teil der Miete gestundet hat, wäre es aber nicht weitergegangen.“

Hinweisschilder und überall Hygienemittel: Die Tanzschule Rimek ist auf die ersten Kurse nach dem langen Lockdown vorbereitet.
Hinweisschilder und überall Hygienemittel: Die Tanzschule Rimek ist auf die ersten Kurse nach dem langen Lockdown vorbereitet. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Tanzschule war vorher in Hörde

Seit 2019 ist die Tanzschule Rimek nun in Hombruch. Der Umzug aus Hörde war aufgrund des Abrisses des Stiftforums notwendig geworden. Die Räume an der Leostraße sind komplett renoviert. Lüftungsanlagen mit neuestem Standard sind verbaut. Viel Geld ist hier reingeflossen. Jetzt muss auch wieder Geld hereinkommen. „Wir fahren jetzt wieder langsam hoch“, sagt Klaus Rimek. „Wir leben noch.“

Hoffnung machen die sinkenden Zahlen, aber bis sich wieder Menschen in den Räumen der Tanzschule zusammenfinden dürfen, muss die Inzidenz stabil unter 50 sein. Dann könnten zumindest 12 Tänzer in der Tanzschule ihrem Hobby nachgehen.

Ohne Kommentar: ein Wandtattoo in den Räumen der Tanzschule
Ohne Kommentar: ein Wandtattoo in den Räumen der Tanzschule © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Erst bei einer Inzidenz unter 35 ist wieder ein halbwegs normales Angebot in geschlossenen Räumen möglich. Dafür ist im Innenbereich der Tanzschule schon jetzt alles vorbereitet. Pfeile auf dem Boden zeigen den Ein- und Ausgang. Spender mit Hygienemittel stehen überall herum. Auch die Putzkolonne ist schon durch die Räume gegangen.

In Hombruch geht es auf alle Fälle weiter

Dazu kommt die neue Lüftungsanlage. „Wir hoffen, dass wir in zwei Wochen wieder unser Angebot richtig hochfahren können“, sagt Klaus Rimek in der letzten Mai-Woche.

Er wundert sich noch immer, dass die Tanzschule in diesem Lockdown unter Sport läuft. Aber es müsse ja weitergehen. „Und das wird es auch“, sagt der Tanzschulbesitzer.

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Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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