Friseurmeisterin Susann Bell-Siepmann (l.) und ihre Mitarbeiterinnen Bianca Czezka und Susanne Bozek vor dem Geschäft an der Schüruferstraße. © Jörg Bauerfeld
Impf-Priorisierung

Friseure sind beim Impfen noch nicht an der Reihe: „Ohne Vitamin-B keine Chance“

Der Kontakt zum Kunden ist nah. Haare schneiden – das geht nicht auf Abstand. Und doch sind Friseure beim Impfen noch nicht an der Reihe. Einer Friseurin platzt jetzt der Kragen.

Die Impfmaschinerie gegen das Coronavirus nimmt Fahrt auf. Mittlerweile können sich schon Menschen der Priorisierungsgruppe drei impfen lassen. Wie beispielsweise Mitarbeiter in der Justiz und Rechtspflege oder auch Personen, die im Lebensmitteleinzelhandel tätig sind. Nur die Friseure, die such man vergeblich.

Aber warum ist das so? Hatte nicht Bayerns Ministerpräsident Markus Söder höchstpersönlich davon gesprochen, dass die Arbeit mit der Schere für die einen etwas mit Hygiene zu tun habe und für den anderen etwas mit Würde? Das war noch im Februar, als überlegt wurde, was überhaupt geöffnet werden dürfte in der Corona-Pandemie.

Von der Hochachtung nicht viel geblieben

Von der Hochachtung für das Handwerk scheint aber nichts mehr geblieben zu sein. Auch die Sache mit der Hygiene spielt da keine Rolle. Friseure haben trotz ihres Wertes für die Menschen und ihrer kundennahen Arbeit noch immer keinen Zugang zu einer Impfung. „Ich finde das eine Unverschämtheit von der Politik, das die Friseure in der aktuellen Impfgruppe fehlen“, sagt Friseurmeisterin Susann Bell-Siepmann.

Sie betreibt seit rund 12 Jahren einen Salon an der Schüruferstraße. „Bell Hair“ heißt dieser. Drei Mitarbeiterinnen hat Susann Bell-Siepmann. „Und wir sind natürlich sehr nah am Kunden.“ Gearbeitet wird nur mit Maske, die Hände werden andauernd desinfiziert und die Kunden müssen einen aktuellen Schnelltest vorlegen. Aber die Angst, sich dennoch mit Corona anzustecken, ist immer mit dabei.

Bei Besuchen in Pflegeheimen Impfung möglich

Wenn das Team beispielsweise in Alten- und Pflegeheimen tätig wäre, dann wären schon alle durchgeimpft. Aber so eben nicht. „Ich hatte schon mit unserer Innung gesprochen. Dort ist man auch erbost. Ich kann es nicht begreifen, dass wir noch nicht einmal in der Priorisierungsgruppe drei sind“, sagt die Friseurmeisterin.

Nein, es sei nicht der Impfneid, es gehe hier vielmehr um Fairness. „Wir stehen hier und schneiden den Menschen die Haare und sind nah am Kunden dran. Ich kann es nicht begreifen. Ich begreife es nicht“, sagt Susann Bell-Siepmann, die sogar einmal kurzzeitig daran gedacht hat, ihr Geschäft erst einmal zu schließen.

Vielleicht eine Chance im Juli?

Schon Anfang des Jahres gab es heftige Kritik aus der Friseurbranche, was die Impfreihenfolge angeht. Geändert hat sich aber nichts. „Ohne Vitamin-B geht im Moment nichts“, sagt Susann Bell-Siepmann. Auch bei den Hausärzten keine Chance. Menschen mit Vorerkrankungen gehen vor. Aber dafür habe sie vollstes Verständnis. Und wann glaubt sie endlich an der Reihe zu sein? „Im Juli vielleicht.“ Und da klingt schon ein wenig Wut mit.

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Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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