Nicht auf dem Weihnachtsmarkt, sondern auf einem Supermarkt-Parkplatz verkauft Familie Mirke-Müller dieses Jahr ihre Mandeln. Es ist erst der zweite Standort in diesem Jahr für die Schausteller. © Manuela Mirke
Schausteller

Gebrannte Mandeln in Holzen: Familie Mirke-Müller kann endlich wieder verkaufen

Familie Mirke-Müller betreibt ihre Mandelbrennerei bereits in der fünften Generation. Statt auf dem Weihnachtsmarkt steht ihr Stand jedoch in diesem Jahr auf einem Supermarkt-Parkplatz.

In einem normalen Jahr würden Matthias, Maurice und Manuela Mirke jetzt auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt stehen: Zwischen Glühweinbüdchen, Dekoständen und Weihnachtsbäumen. Im Advent 2020 verkauft die Schausteller-Familie ihre Mandeln auf einem Supermarkt-Parkplatz auf dem Höchsten.

„Das Jahr ist wirklich in jeder Hinsicht schwierig“, sagt Manuela Mirke, die den Familienbetrieb zusammen mit ihrem Mann leitet. Schon ihr ganzes Leben arbeitet sie im Betrieb, verkauft im Sommer Crêpes, im Winter Mandeln. Am liebsten auf den kleineren Veranstaltungen: Schützenfeste im Sauerland, Kirmes zu Pfingsten, zur Ski-Saison in Winterberg. Und im Dezember auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt.

Dieses Jahr fallen all diese Veranstaltungen aus, und die Einnahmen weg. Die Familie lebt größtenteils von ihrem Ersparten. „Spätestens, als die Veranstaltungen um Pfingsten und die Schützenfeste ausfielen, haben wir gemerkt, wie dramatisch es ist“, sagt die Schaustellerin. Auch im Sommer fand die Familie keinen Stellplatz, um ihre Ware zu verkaufen. Von elf Monaten konnten sie dieses Jahr zwei arbeiten.

Imbiss statt Mandeln in Winterberg

Dabei wurden die Schausteller oft vertröstet, wie Mirke sagt. „Es wurden immer wieder Hoffnungen geschürt, auch durch die Lockerungen. Ab August habe ich dann auch gedacht: Es wird schon irgendwie“, sagt sie. Doch erst im Oktober findet die Familie eine Möglichkeit, wieder in den Verkauf einzusteigen. Ein Bekannter in Winterberg brauchte Unterstützung bei seinem Restaurant: „Es haben ja alle in Deutschland Urlaub gemacht, vor allem in den Herbstferien wurden solche Touristengebiete überrannt“, erinnert sich Manuela Mirke.

Da trotzdem die Restaurants nicht voll ausgebucht werden konnten – sonst wären die Abstandsregelungen nicht einzuhalten gewesen – mussten viele Gäste draußen warten. Diese wurden dann von der Familie versorgt: Allerdings nicht mit Mandeln, sondern mit herzhaftem Imbiss. „Das haben wir natürlich auch noch nie gemacht“, sagt Manuela Mirke.

Es mussten neue Arbeitsgeräte gekauft werden, der Stand wurde dafür modifiziert. „Man wurde ziemlich ins kalte Wasser geworfen“, sagt sie. Rentiert habe es sich trotzdem, zumindest in einem sehr kleinen Rahmen, wie Mirke sagt: „Das war okay, wir waren froh über die Arbeit, aber wir haben trotzdem noch alle Hoffnungen auf die Wintersaison gesetzt“.

Kein Weihnachtsmarkt – vielleicht auch keine Ski-Saison

Auch bezüglich des Weihnachtsmarktes wurde Familie Mirke-Müller lange im Dunkeln gelassen. Als die Nachricht kam, dass der diesjährige Weihnachtsmarkt in Dortmund definitiv ausfällt, war der Stand in Winterberg schon abgebaut. Erneut wusste die Familie nicht, wohin.

„Wir haben dann eine Wohnung in Winterberg gemietet, bis Februar. Das kommt zu unseren Nebenkosten noch obendrauf. Aber wir wollten im zweiten Lockdown auch keinem mehr die Kundschaft wegnehmen und haben den Standort schließlich verlassen“, sagt Manuela Mirke.

Matthias, Manuela und Maurice Mirke sind froh, ihre Mandeln auch ohne Weihnachtsmarkt auf dem Höchsten verkaufen zu können. Wo der Stand im nächsten Monat steht, ist noch ungewiss.
Matthias (50), Manuela (49) und Maurice Mirke (20) sind froh, ihre Mandeln auch ohne Weihnachtsmarkt auf dem Höchsten verkaufen zu können. Wo der Stand im nächsten Monat steht, ist noch ungewiss. © Alexandra Wachelau © Alexandra Wachelau

Vor Edeka Schmitt bleibt der Stand wahrscheinlich bis Ende Dezember, vielleicht auch länger – aber eigentlich hofft die Familie auf die Ski-Saison in Winterberg. Die soll am 10. Januar starten. „Aber da weiß ja auch noch keiner, ob das realistisch ist“, sagt Mirke.

Familienbetrieb seit 1870

Ihre Mutter betreibt den Mandelstand Müller-Stahlschmidt, der normalerweise jedes Jahr vor der Mayerschen auf dem Westenhellweg zu finden ist. Schon ihr Urgroßvater sei Schausteller gewesen, sagt Manuela Mirke: Er ist nach dem ersten Weltkrieg als Bänkelsänger aufgetreten. An sich besteht der Familienbetrieb schon seit 1870. Gestartet wurde mit einem Kinderkarussell und Zuckergebäck.

Auch bei Müller-Stahlschmidt ist der Verkauf in diesem Jahr weggefallen. Ihr Bruder, der einen Crépestand vor der Reinoldikirche betreibt, hatte mehr Glück. Sogar Manuela Mirkes Kinder konnten in diesem Jahr ihre Zukunftspläne nicht verwirklichen: Ein Auslandsjahr und eine Stelle für ein duales Studium sind in Corona-Zeiten schwer zu verwirklichen. „Es geht wirklich in alle Bereiche, selbst bei strukturierten Zukunftsplänen“, sagt sie.

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