Dr. Samuel Okae verfolgt momentan noch in seinem Zuhause in Hörde, wie der Krankenhausbau voranschreitet. Im nächsten Jahr ziehen er und seine Familie vielleicht schon komplett nach Ghana. © Alexandra Wachelau
Arzt baut Klinik

Ghana statt Dortmund: Dr. Samuel Okae hat sein Ziel vor Augen

Dr. Samuel Okae ist Familienvater, arbeitet als Oberarzt in der Paracelsus-Klinik Hemer und baut seit über zehn Jahren ein Krankenhaus in seiner Heimatstadt. Jetzt ist der Bau fast fertig.

Container beladen, Praxen ausräumen, Fliesen verschiffen: Dr. Samuel Okae steht hinter diesen und noch vielen weiteren Aktionen, die in den letzten Jahren in und um Dortmund herum gestartet sind. Er hat das Projekt „Krankenhaus Ghana“ erst ins Leben gerufen. Mit gerade einmal 24 Jahren fing er an, dafür zu sparen. Jetzt ist er 40 – und das Krankenhaus in Ghana steht.

„Corona hat uns schon sehr ausgebremst“, sagt Samuel Okae. Eigentlich hätte er den November in Ghana verbracht, zusammen mit Fliesenlegern, Elektrikern und anderen Handwerkern aus Deutschland. Schon seit 20 Jahren lebt der 40-Jährige in Deutschland, hat hier seine Frau geheiratet und eine Familie gegründet.

Aufgewachsen ist er jedoch in Ghana. Obwohl er im Jahr 2000 für sein Medizinstudium nach Deutschland gezogen ist, kehrte er wenige Jahre später für ein Praktikum zurück nach Afrika. Die Erfahrungen, die er in den Krankenhäusern des Entwicklungslandes sammelte, schockierten ihn.

Infos zum Projekt

  • Das Krankenhaus wird ausschließlich von Spenden finanziert. Wer das Bauprojekt unterstützen möchte, kann an folgendes Konto überweisen: Hilfe für Krankenhausbau in Ghana e.V., BIC: COBADEFFXXX, IBAN: DE41440400370322221300. Institut ist die Commerzbank.
  • Auch Sachspenden werden weiterhin benötigt: OP-Tische, Lampen, Narkosegeräte und andere Einrichtungen für OP-Säle. Auch Solargeräte möchte der Verein anbringen. Infos und Kontakt unter pgriewel@gmail.com oder unter Tel. 0176 62511434.
  • Auf der Internetseite wird laufend über den neuesten Stand des Krankenhauses berichtet: www.krankenhaus-ghana.com.

Schon mit 24 fing er an zu sparen

„Viele der Kinder sterben an Krankheiten, die sehr einfach zu behandeln wären. Aber selbst, wenn es nur fünf Euro sind: Viele Familien können sich dort eine Behandlung nicht leisten“, sagt der Oberarzt. Dazu gehören laut Okae vor allem Malaria, Unterernährung oder Bronchial- und Lungenkrankheiten.

Schnell fasste der damals noch 24-Jährige den Entschluss, ein Krankenhaus in Ghana zu bauen – ein gutes Krankenhaus, mit westlichen Standards. „Ich wollte schon immer etwas bewegen“, sagt er. Mit dem so genannten Solidaritätsprinzip soll dabei sogar die Behandlung für Kinder unter fünf Jahren kostenlos sein.

Jetzt, nach über zehn Jahren sparen, Spenden sammeln und letztendlich auch dem Bau des Gebäudes, räumt er ein: „Ich hätte mir am Anfang nicht denken können, wie teuer das wird. Ich hatte nur das Ziel vor Augen“, sagt Okae.

Das Krankenhaus von Dr. Samuel Okae in Accra (Ghana) wächst und wächst. Ermöglicht wird das durch unzählige Spenden aus Lünen.
Das Krankenhaus von Dr. Samuel Okae in Accra (Ghana) wächst und wächst. Ermöglicht wird das durch unzählige Spenden aus Lünen. © privat © privat

Vielleicht verbringt er 2021 das erste Mal wieder Weihnachten in Ghana

Von vielen sei er für „ein bisschen verrückt“ gehalten worden, wie der Arzt sagt. Andere haben ihn unterstützt, an das Projekt geglaubt und den Krankenhaus-Bau – ab 2017 schließlich mit dem Projekteigenen Verein – erst richtig ins Rollen gebracht. „All diesen Menschen möchte ich von ganzen Herzen danken“, betont Okae.

Er und seine Familie verbringen dieses Jahr vielleicht das letzte Mal Weihnachten in Deutschland.

Nächstes Jahr, wenn der Innenausbau fertig ist, wird er mit seiner Frau und seinen fünf Kindern nach Ghana ziehen. Obwohl die Familie bei dem Projekt hinter ihm steht und auch schon oft in Ghana war, werde er seine jetzige Heimatstadt nicht vergessen: „Natürlich werde ich Dortmund vermissen! Ich werde auch noch oft zu Besuch kommen“, verspricht er.

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