Auf vielen Wegen weist die Stadt Dortmund auf die einzelnen Bauabschnitte des Faßstraßen-Umbaus hin. © Alexandra Wachelau
Faßstraße

Halbzeit bei Faßstraßen-Baustelle: Chance oder Verlustgeschäft?

Händler, Anwohner, Fußgänger – fast alle in Hörde sind genervt von der Baustelle an der Faßstraße. Die Hälfte der Bauzeit ist nun um. Eine Halbzeit-Bilanz aus unterschiedlichen Perspektiven.

Der Umbau der Faßstraße begann im Oktober 2019. Laut Informationen der Stadt Dortmund soll der Bau rund anderthalb Jahre dauern – momentan ist also Halbzeit.

Für viele Hörder ist das kein Grund zur Freude: Die Baustelle ist in aller Munde, und das meistens negativ. Händler haben weniger Kunden, Fußgänger kommen nicht mehr gut durch die City und Autofahrer umfahren die Straße nach Möglichkeit großräumig.

Wenige Verbindungsmöglichkeiten

Ein Besuch vor Ort zeigt: Die Fußgängerampel zwischen der Kumpstraße und dem Wallrabenhof wurde abgebaut. Die Faßstraße kann fußläufig nur noch an der Willem-van-Vloten-Straße und an der Hermannstraße überquert werden.

Die Hauptverkehrsader fließt langsam und trennt Phoenix-See und City. Fahrradfahrer und Fußgänger bewegen sich häufig im Slalom über Schutt und zwischen Bauzäune.

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Faßstraßen-Baustelle: Die Hälfte ist geschafft

„Man hüpft zwischen den Autos herum“, sagt Willi Garth. Der Bezirkshistoriker findet es nicht in Ordnung, dass die Hauptverkehrsader von Hörde in diesem Ausmaß aufgerissen wurde. „Es ist die einzige Nord-Süd-Verbindung in Hörde“, sagt er. Für die Händler vor Ort sei dies ein reines Verlustgeschäft.

Auch markiere die Straße markant die Trennung, die schon lange zwischen den Besuchern des Phoenix-Sees und denen der Hörder City beobachtet wird. Dabei soll genau das durch den Umbau verhindert werden: „Querungsmöglichkeiten von der City zum See und umgekehrt“ sollen durch die Baustelle „erheblich verbessert“ werden, so zu lesen auf der Seite der Stadt Dortmund.

„Es wird schöner aussehen, aber schneller vorankommen wird man nicht“, prophezeit Garth. Ihm wäre ein anderer Plan lieber gewesen: Dieser sah vor, die Faßstraße unter der Hermannstraße durchzuführen. Aus Kostengründen wurde dieser Plan verworfen, so Garth.

Baustelle birgt Chancen für die Gestaltung der City

Auch Michael Gündel, erster Vorsitzender des Aktivkreises Hörde, hätte sich eine Fußgängerbrücke über die Faßstraße gewünscht. Doch er konzentriert sich auf die Chancen, die die Baustelle mit sich bringt: „Je mehr Übergänge wir bekommen, desto besser“, sagt er.

Die Stadt Dortmund sieht vor, in Zukunft sechs Übergänge zum See zu schaffen – vor der Baustelle gab es vier. Auch breitere Fahrradwege sind geplant. Laut Gündel machen solche Umbauten Hörde nur attraktiver.

Zudem könne man auch nicht mehr differenzieren, ob die Einzelhändler nun unter der Faßstraße oder an den Corona-Auswirkungen leiden. Auch die Konkurrenz mit dem Online-Handel sei ein Problem, auf das „man sich noch in Zukunft konzentrieren muss“, so Gündel.

Auch der Tunnel zur Benninghofer Straße ist inzwischen gesperrt.
Auch der Tunnel zur Benninghofer Straße ist inzwischen gesperrt. © Alexandra Wachelau © Alexandra Wachelau

Doch die Händler vor Ort erfahren laut Gündel im Moment eine große Unterstützung der Bevölkerung. „Es ist ein Bewusstsein dafür entstanden, welchen Wert lokale Geschäfte haben“, sagt er. In Zukunft werde die Ost-West-Achse besser nutzbar sein, auch das Stiftsforum mache ihm für seinen Verein Hoffnungen für die Zukunft.

Voraussichtlich bis April 2021 bleibt die Baustelle bestehen

„Momentan ist die Baustelle halt im vollen Gang“, räumt der erste Vorsitzende ein. Noch mindestens neun weitere Monate ist vor Ort mit langsamem Verkehr und Baulärm zu rechnen.

„Die Leitungen hätten so oder so verlegt werden müssen. Wenn gleichzeitig etwas für die Stadtentwicklung getan wird: umso besser“, sagt Michael Gündel. „Zumindest von der südlichen Seite sind wir weiterhin sehr bequem zu erreichen, auch an Parkplätzen mangelt es nicht.“

Das sieht Willi Garth anders. Zusammen mit dem Heimatverein hilft er jedes Jahr bei der Ernte für das Projekt „Wein am Phoenix-See“ mit – und jedes Jahr gestalte sich die Parkplatzsuche schwieriger.

Auch an anderen Stellen in Hörde seien Parkplätze rar verteilt. Durch den Umbau sollen laut Informationen der Stadt Dortmund 31 Stellplätze entstehen.

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