In diesem Mietshaus im Dortmunder Süden tauchten falsche Stadtwerker auf. © Jörg Bauerfeld

In Wohnung festgehalten: Falsche Stadtwerker überfallen 94-jährige Dortmunderin

Wenn drei ausgewachsene Männer eine 94-Jährige mit Rollator in ihre Mitte nehmen, geht das selten gut aus. Am Sonnenscheineck ist das geschehen. Doch das Ende ist überraschend.

Sie lungerten wohl vor dem Mehrfamilienhaus im Dortmunder Süden herum. Drei Männer, die sich ihr Opfer schon eine Weile ausgeguckt hatten – um dann zuzuschlagen. Diejenige, die es treffen sollte, ist eine 94-jährige Seniorin. Die ältere Dame, die auf einen Rollator angewiesen ist, kam gerade von Einkaufen, als einer der Männer sie ansprach und sich als ein Mitarbeiter der Stadtwerke ausgab.

So beschreiben Zeugen aus dem Mietshaus am Sonnenscheineck in Aplerbeck die Szene, die sich am Montag (10. Mai) um die Mittagszeit abspielte.

Mit einem Vorwand Zugang zur Wohnung beschafft

Unter dem Vorwand, im Namen der Stadtwerke eine Überprüfung vornehmen zu müssen, verschafften sich die Männer Zutritt zur Wohnung der älteren Frau: Man müsse sich die Anschlüsse in ihrer Wohnung ansehen und würde sie auch in das Haus begleiten. Das Haus am Sonnenscheineck verfügt insgesamt über sieben Etagen. 32 Mieteinheiten sind darin untergebracht, so auch die Wohnung der 94-jährigen Seniorin.

Eine Etage darunter wohnt eine Familie, die einen Teil des Überfalls mitbekommen hatte, die Polizei alarmierte und wichtige Zeugenaussagen machen konnte.

Aus Angst davor, dass die Täter noch einmal in Aplerbeck auftauchen, möchten sie ihren Namen (der Redaktion bekannt) nicht veröffentlichen. „Mein Mann und ich haben am Montag gegen 12.30 Uhr laute Geräusche im Treppenhaus gehört. Ich habe sofort durch den Türspion geschaut und habe drei Männer rechts schnell die Treppe runterlaufen sehen“, erzählt die Nachbarin der Geschädigten.

Die Täter versuchten einen kleinen Wandsafe zu öffnen

Kurz darauf habe auch schon die ältere Dame angerufen und gesagt, sie sei überfallen worden. Aber was war passiert? Die drei „falschen Stadtwerker“ hatten sich mit in die Wohnung der 94-Jährigen begeben, diese abgelenkt und versucht, einen kleinen Wandsafe zu öffnen. Als diese das mitbekam, wurde sie immer lauter und machte so auf sich aufmerksam. Die Täter flüchteten ohne Beute.

„Wir ermitteln in diesem Fall jetzt wegen versuchten Diebstahls“, sagt Kristina Purschke von der Pressestelle der Polizei Dortmund, die den Tathergang noch einmal bestätigte. „Wir warnen davor, niemals Handwerker in eine Wohnung zu lassen, die sich nicht schriftlich und mit Termin angekündigt haben“, sagt Kristina Purschke.

Die Polizei rät sich Hilfe zu holen

Ältere Leute hätten auch immer das Problem, dass sie meinen, es sei schlechtes Benehmen, die Leute nicht hereinzulassen. Aber das sei überhaupt nicht der Fall, so Kristina Purschke. Falls man doch einmal in so eine Lage käme, solle man sich Hilfe bei den Nachbarn holen. Und sofort die Polizei verständigen. In diesem Fall ist alles noch einmal gut gegangen. Keiner wurde verletzt und die Täter mussten ohne Beute flüchten.

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Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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