Jessica Martinez Y Schmidt vor dem Haus an der Albinger Straße 10: Dort quellen die Müllcontainer über. © Britta Linnhoff
Albinger Straße

Junge Familie will nur noch weg: Traumwohnung wird zum Alptraum

Hätte sie gewusst, was sie erwartet, wäre sie nie in dieses Haus gezogen. Nun hofft Jessica Martinez Y Schmidt, dass sie und ihre Familie bald umziehen können – und warnt andere Mieter.

Im September 2019 zog die Familie Martinez Y Schmidt von Lanstrop nach Benninghofen und war glücklich: eine schöne Wohnung in einem schönen Stadtteil. Gut ein Jahr später ist die Familie fest entschlossen, nicht unbedingt den Stadtteil, aber definitiv diese Wohnung an der Albinger Straße 10 so schnell wie möglich wieder zu verlassen. Denn die sei in einem baulich katastrophalen Zustand, sagt Jessica Martinez Y Schmidt (34).

Mit dieser Feststellung reiht sie sich in die Liste weiterer Mieter ein, die sich in den vergangenen Jahren über die Zustände in dem mit öffentlich geförderten Mitteln gebauten Haus beschwert haben – und darüber, dass nichts getan werde, um diese Mängel zu beheben.

Schimmel breitet sich im Kinderzimmer aus

Seit Mitte August breite sich erneut Schimmel im Kinderzimmer aus – das zweite Mal an dieser Stelle, sagt Jessica Martinez Y Schmidt. Es sei zwar jemand von einer Firma da gewesen, der habe dann die Tapete abgemacht und einen Trockner in das Zimmer gestellt. „Den sollte ich Mitte Oktober abschalten.“ Seitdem passiere nichts. Ihr Sohn schlafe weiterhin im Wohnzimmer.

Doch das sei nur eines der zahlreichen Probleme. „Unser Laminat kommt hoch, weil es darunter feucht ist. Im Wohnzimmer ist die Leiste an der Terrassentür ständig nass, wenn es regnet“, erzählt die 34-Jährige. Und: Der ganze Keller sei verschimmelt.

Dieses Foto machte die Familie im Zimmer des Sohnes: Hinter der Tapete fand sich Schimmel.
Dieses Foto machte die Familie im Zimmer des Sohnes: Hinter der Tapete fand sich Schimmel. © Martinez Y Schmidt © Martinez Y Schmidt

Jessica Martinez Y Schmidt erinnert sich noch gut an die Tage nach dem Einzug: Sehr schnell seien andere Hausbewohner gekommen, und hätten von solchen Problemen erzählt, die sie jetzt am eigenen Leibe spüre.

„Damals“, sagt sie heute, „konnte ich das alles zunächst kaum glauben.“ Und ja, natürlich habe der Vermieter, das Unternehmen GOV Immobilien, ihrer Familie seinerzeit zugesichert, dass die Mängel behoben würden. Im September hatte der Eigentümer gegenüber unserer Redaktion betont, es seien „alle Mängel erkannt“ und bis März 2021 behoben.

Familie holt sich anwaltliche Hilfe

Daran glaubt Jessica Martinez Y Schmidt nicht mehr. Die Familie hat sich jetzt einen Anwalt genommen und will eigentlich nur noch eins: raus aus diesem Haus. Und vielleicht durch eine erneute Berichterstattung andere davor warnen, hier einzuziehen.

„Wir kannten das Haus halt nicht.“ Das Schlimmste sei, dass sie für diese Wohnung auch noch teuer bezahle: eine Warmmiete von 771 Euro für 75 Quadratmeter. Das sei doch für einen Sozialbau „sehr fragwürdig“, findet die 34-Jährige, was man ihr auch im Einwohnermeldeamt bestätigt habe.

Die Familie hat inzwischen eine andere Wohnung in Aussicht. Bis dahin, so sagt Jessica Martinez Y Schmidt, werde sich ihr Anwalt um alles kümmern. Sie selbst will indes wieder einmal zum Telefonhörer greifen, denn es gebe noch ein Problem: Seit drei Wochen würden die Mülltonnen nicht mehr geleert.

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