„Rettet das Lennhof-Biotop": Vor Beginn der Sitzung der Bezirksvertretung Hombruch demonstrierten die Gegner einer Bebauung. Sie fanden hier zwar Gehör. Der Rat aber enschied letztlich anders. © Britta Linnhoff
Neues Baugebiet

Klares „Nein“ aller Fraktionen zur geplanten Bebauung „Am Lennhofe“

So einmütig und eindeutig fällt ein politisches Votum selten aus: Mit deutlichen Worten lehnt die Bezirksvertretung den Bebauungsplan „Am Lennhofe“ ab. Es gibt nur ein Problem dabei.

Den Kampf gegen die Bebauung kämpfen Naturschützer und Bürgerinitiative seit Jahren. Sie sind strikt gegen eine Bebauung der Fläche am Rüpingsbach zwischen dem Hotel Lennhof und der Straße am Spörkel.

Dabei haben sie die Mitglieder der Hombrucher Bezirksvertretung mit ihren Argumenten offenbar auf ganzer Linie überzeugt: Einstimmig und mit sehr klaren Worten lehnten alle Mitglieder den Bebauungsplan Am Lennhofe ab.

Die Diskussion ist noch nicht zu Ende

Dieser Tagesordnungspunkt war ein Grund, warum die Bezirksvertretungsmitglieder im Gegensatz zu anderen Gremien trotz Corona überhaupt zusammen kamen an diesem Dienstag, 26. Januar: Es gab nichts zu vertagen, denn der zuständige Ratsausschuss für Klimaschutz, Umwelt und Stadtgestaltung entscheidet am 3. Februar. Das Votum der Bezirksvertretung ist lediglich eine Empfehlung an den Ausschuss, kein Beschluss. Die Diskussion ist also noch nicht zu Ende.

Vor der Sitzung hatte es am Tagungs-Ausweichquartier der Bezirksvertretung eine Corona-konforme, kleine Demonstration für den Erhalt der Freifläche gegeben. Drinnen waren später die Formulierungen der Parteien deutlich.

Fraktionsvorsitzender Markus Demtröder: „Schon aus unserem Kommunalwahlprogamm geht hervor, dass wir Brachflächen statt okölogisch wertvolle Flächen priorisieren. Die Bebauung in diesem Bereich ist nicht mit unserem Kommunalwahlpgramm vereinbar und auch ganz grundsätzlich nicht das, was wir wollen.“ Auch vom Konzept der Verkehrserschließung zeigte er sich nicht überzeugt: „Das Gutachten geht komplett fehl.“

Mit großem Abstand tagten die Bezirksvertreter am 26. Januar. Beim Tagesordnungspunkt
Mit großem Abstand tagten die Bezirksvertreter am 26. Januar. Beim Tagesordnungspunkt „Am Lennhofe“ rückten sie bildlich gesprochen zusammen: Die Ablehnung war einmütig. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

Grüne haben Ablehnung sogar im Wahlprogramm stehen

Susanne Lohse, Fraktionssprecherin von Bündnis 90/Die Grünen sagte: „Wir haben die Ablehnung der Lennhof-Pläne sogar in unserem Wahlprogramm stehen“. Für die CDU ergänzte Gudio Preuss: „Wir haben das zwar nicht im Wahlprogramm stehen, aber auch wir haben gesagt, wir wollen nicht in den Freiraum gehen.“ Auch er spricht den Verkehr an und spricht in dem Zusammenhang von einem Kollaps.

Als der einstimmige Beschluss gegen die geplante Bebauung fällt, gibt es spontanen Applaus von den Rängen, auf denen mit Abstand und FFP2-Masken Mitglieder der Bürgerinitiative und der Naturschützer Platz genommen hatten. Wohl der einzige, dem das missfallen muss, ist Wolfgang Behr. Er ist der Geschäftsführer des Investors, der Firma Projektteam – Gesellschaft für Grundstücksentwicklung in Schwerte.

Schlechter Stil?

Behr verfolgte die Debatte und wehrte sich noch in der Sitzung zu Wort, um sich gegen den Vorwurf zu wehren, vor einem Beschluss längst Fakten zu schaffen, indem viele Grundstücke bereits zugewiesen seien. So formulierte es Thomas Quittek, Sprecher des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Dortmund: Was sei das denn für ein demokratisches Verfahren?

Quittek ergänzte: „Ich halte das persönlich für einen schlechten Stil.“ Behr konterte, es handele sich keinesfalls um einen „Vorgriff auf die Verwaltungshoheit“. Etwaige Verträge seien vorbehaltlich aller Beschlüsse abgeschlossen worden.

Investor hat mit der geschlossenen Ablehnung so nicht gerechnet

Behr sagte nach der Sitzung der Bezirksvertretung, dass er mit der geschlossenen Ablehnung im Vorfeld so nicht gerechnet habe, sich dann aber doch an die Situation bei der Aufstellung des Bebauungsplans seinerzeit erinnert habe. Da sei es ähnlich gelaufen, „insofern war es dann doch nicht so überraschend“.

Enttäuscht zeigte sich der Geschäftsführer darüber, dass „objektive Tatbestände“, die Gutachter zusammen getragen hatten, einfach nicht wahrgenommen würden: „Bedenken sind gutachterlich abgearbeitet worden.“

Am 3. Februar muss der Ratsausschuss entscheiden

Für ihn und die Gegner des Projekts geht die Auseinandersetzung nun am Mittwoch, 3. Februar, im Kongresszentrum Westfalenhallen (Halle U 1) weiter. Hier beginnt um 15 Uhr die Sitzung des Ratsauschusses für Klimaschutz, Umwelt und Stadtgestaltung – und entscheidet.

Wolfang Behr nimmt die politische Debatte nach außen gelassen: „Bauleitplanung ist ein Hindernislauf, jetzt gerade sind wir an einer Hürde gestrauchelt.“ Es gebe jede Menge Interessenten für die Wohnungen, von denen 40 Prozent öffentlich gefördert würden.

Die Naturschutzverbände Bund, Nabu und LNU lehnen den Bebauungsplan „Hom 252 „Am Lennhofe“ schon lange als „unverhältnismäßig starken und vermeidbaren Eingriff“ entschieden ab. Die Verbände weisen besonders auf die Nähe zum renaturierten Rüpingsbach hin, der nicht nur durch die Bebauung selbst, sondern auch durch die geplante Brücke beeinträchtigt würde.

Die Naturschutzverbände lehnen die Bebauung der Fläche “Am Lennhofe” ab. © BUND Dortmund © BUND Dortmund

Das geplante Baugebiet sei „ein bedeutendes Element innerhalb eines vom Landesumweltamt ausgewiesenen Biotopverbundsystems und wichtiger Wanderungskorridor für bodenlebende Tierarten wie Amphibien: Der Vernetzungsbereich reicht vom Grotenbach über den Kirchhörder Bach bis zur Emscher in den Dortmunder Nordwesten“.

In kürzlich vom Rat verabschiedeten Landschaftsplan sei der Bereich als Verbindungselement zum Naturschutzgebiet „An der Panne“ dargestellt, dem eine hohe Bedeutung als Brut- und Rückzugsraum für Amphibien und Vögel zukommt.

Wenn es ein „Ja“ geben sollte, bremst Brutphase das Vorhaben

Sollt es letztlich ein „Ja“ zu den Bauplänen geben, dann wird sich wohl so schnell nichts tun. Wolfang Behr: „Wir müssten die Brutphase abwarten. Die endet am 30. September.“

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Britta Linnhoff

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