Das stattliche Haus Husen in Syburg und die zugehörigen Wirtschaftsgebäude sind derzeit eine Baustelle. © Susanne Riese
Haus Husen

Märchenhafter Adelssitz im Dortmunder Süden hat neue Besitzer

Haus Husen – der Name klingt zunächst wenig spektakulär. Das Herrenhaus in Syburg gehört aber zu den alten Dortmunder Adelssitzen. Seit Monaten laufen dort aufwendige Sanierungsarbeiten.

Unterhalb der Hohensyburg liegt die märchenhafte Hofanlage von Haus Husen am Waldesrand, umrahmt von einer hohen Natursteinmauer und mit dem auffälligen klassizistischen Herrenhaus in leuchtendem Gelb im Zentrum. Davor steht ein Blumenrondell mit einer Sonnenuhr.

Zur Anlage gehören das klassizistische Herrenhaus, ein Gärtnerhaus aus Fachwerk, das Försterhaus sowie die ehemaligen Wagenremise, die in den 60er-Jahren zu einer Garage umgebaut wurde. Alle Gebäude, mit Ausnahme der Garage, stehen unter Denkmalschutz.

2017 erwarb ein Dortmunder Unternehmer das Herrenhaus und die Nebengebäude mitsamt einem angrenzenden Waldstück. Das etwas oberhalb gelegene Seminargebäude, ehemals Mädchenheim Haus Husen, wurde bereits zuvor von der Evangelischen Kirche übernommen. Die Stadt Dortmund hatte die Seminargebäude vorübergehend als Unterkunft für jugendliche Flüchtlinge genutzt.

Pfadfinder behalten die Burg Husen

Die rund 160 Meter entfernt liegende mittelalterliche Burg Husen allerdings bleibt im Besitz der Christlichen Pfadfinder. Der Verband hat den Wohnturm 1984 erstanden und nutzt ihn als Landesbüro und für Ferienfreizeiten.

Aus der Luft sind die verschiedenen Gebäude des ehemaligen Adelssitzes gut zu erkennen. Eine Natursteinmauer umgibt die gesamte Hofanlage.
Aus der Luft sind die verschiedenen Gebäude des ehemaligen Adelssitzes gut zu erkennen. Eine Natursteinmauer umgibt die gesamte Hofanlage. © Schaper (A) © Schaper (A)

Die jetzigen Besitzer, die nicht namentlich genannt werden wollen, bauen das gesamte Gebäudeensemble zu ihrem privaten Wohnsitz um. Lediglich die Bildungsstätte Haus Husen, das ehemalige Mädchenheim, soll gewerblich genutzt werden – für Management-Schulungen und als Verwaltungsbereich.

Ihren Einzug plant die fünfköpfige Familie für das kommende Jahr, wobei Sanierung und Umbau sehr viel aufwendiger ausfallen, als ursprünglich gedacht.

Bereits Ende 2018 wurde ein Schwerter Architekt und Fachplaner für Sanierung und Denkmalpflege mit der Planung von Umbau- und Sanierungsmaßnahmen der historischen Hofanlage beauftragt. Ingenieurbüros für Tragwerkplanung und ein Bochumer Landschaftsarchitekt sind ebenfalls an der Planung und Ausführung beteiligt.

„Die Maßnahmen werden in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde, dem Bauordnungs- und Umweltamt der Stadt Dortmund sowie dem Forstbetriebsbezirk Dortmund, Wald und Holz NRW, geplant und umgesetzt“, teilen die Bauherren mit.

Auch Gärtner- und Försterhaus werden für eine private Nutzung umgebaut.
Auch Gärtner- und Försterhaus werden für eine private Nutzung umgebaut. © Susanne Riese © Susanne Riese

Bereits Ende 2018 begann die behutsame Entkernung der Gebäude. Im Jahr 2019 wurden ergänzend Boden- und Holzuntersuchungen durchgeführt und dazu Gutachten erstellt. Ein Bauforschungsbüro führte eine dendrochronologische Untersuchung durch, mit der das Alter der verwendeten Holzteile bestimmt werden konnte.

Bestand musste zunächst gesichert werden

Die Ergebnisse führten zu umfangreichen Sicherungsmaßnahmen. Unter anderem wurden die Dächer abgedeckt, um die Lasten zu reduzieren.

Feuchtigkeit hat in Verbindung mit dem lehmigen Boden und der Hanglage ihre zerstörerischen Spuren am Herrenhaus hinterlassen, das nur teilweise unterkellert ist und ohne Fundament gemauert wurde. Um die Standsicherheit des Herrenhauses langfristig zu gewährleisten, wird der Untergrund nach heutigen Maßstäben aufbereitet und die Statik der tragenden Gebäudeteile wieder hergestellt.

Im Försterhaus wurden nach dem Entkernen zunächst marode tragende Wände ausgetauscht und verstärkt sowie kleinere Grundrissänderungen vorgenommen. Mit der Erneuerung der Fenster aus den 60er-Jahren wurde das Gebäude energetisch saniert. Durch die neuen Sprossenfenster nähert sich die Gebäudeansicht wieder dem historischen Originalzustand an. Die Außenwände erhielten einen neuen Wärmedämmputz.

Die Nebengebäude werden rundum erneuert.
Die Nebengebäude werden rundum erneuert. © Susanne Riese © Susanne Riese

Eine Treppe aus Holz und Stahl führt nun zur Wohnung im Obergeschoss und zum ausgebauten Dachgeschoss. Die alte Holztreppe war beschädigt und auch zu steil.

Mit dem Umbau erhält das Försterhaus auch eine eigene Heizungsanlage. Zuvor wurde es über die zentrale Heizungsanlage im Herrenhaus versorgt, was durch die über den Hof verlaufenden schlecht gedämmten Leitungen eine energetische Katastrophe war. An die neue Anlage werden auch das Gärtnerhaus und die Garage angeschlossen.

Gärtnerhaus musste notgesichert werden

Das seit langem leerstehende Gärtnerhaus wurde wegen Einsturzgefahr zunächst notgesichert. Das Gebäude war nach einem abgelehnten Abbruch-Antrag in den 60er-Jahren nur notdürftig instandgehalten worden. Es hat weder eine Heizung noch funktionstüchtige Wasseranschlüsse und Stromleitungen.

Jetzt wird das Haus kernsaniert, wobei es möglichst originalgetreu erhalten bleiben soll, wie die Eigentümer sagen. Auch die angeschlossene ehemalige Scheune soll als Wohnbereich umgestaltet werden. Derzeit dient sie als Material- und Gerätelager für den aufwendigen Umbau.

Die alte Natursteinmauer wurde bereits hergerichet. Sie umgibt die gesamte Hofanlage.
Die alte Natursteinmauer wurde bereits hergerichtet. Sie umgibt die gesamte Hofanlage. © Susanne Riese © Susanne Riese

Im Außenbereich wurden nördlich des Herrenhauses einige hohe Bäume gefällt, um die Gebäude und die Natursteinmauer zu schützen.

Dafür wurde ein neuer Waldrand angelegt mit neuen Bäumen, Sträuchern und Gehölzen. Bereits 2019 wurden knapp 70 Bäume als Ersatz auf den Grundstücken Syburger Dorfstraße 116 und 120 neu gesetzt.

Die Natursteinmauer wurde bereits in großen Teilen saniert und mit Platten aus einem Herdecker Steinbruch neu abgedeckt.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Seit 2001 in der Redaktion Dortmund, mit Interesse für Menschen und ihre Geschichten und einem Faible für Kultur und Wissenschaft. Hat einen Magister in Kunstgeschichte und Germanistik und lebt in Dortmund.
Zur Autorenseite
Susanne Riese