Die meisten Passanten in der Hörder Fußgängerzone halten sich an die Maskenpflicht. © Susanne Riese
Corona-Regeln in Hörde

Masken-Ermahnung: „Angst, eine Bierflasche auf den Kopf zu bekommen“

In der Hörder Fußgängerzone und rund um das Hafenbecken am Phoenix-See gilt Maskenpflicht. Die meisten Passanten halten sich daran. Unter denen ohne Maske gibt es zwei Gruppen.

Der überwiegende Teil der Menschen, die an diesem Dienstag (27. Oktober) durch den Fußgängerbereich der Hermannstraße in Hörde laufen, trägt vorschriftsmäßig eine Maske über Mund und Nase. Acht von zehn sind es, wie eine kleine Stichprobe in der Mittagszeit ergab.

Die 20 Prozent, die ohne Maske unterwegs sind, lassen sich in zwei Lager unterteilen: Die einen sind erstaunt, wenn man sie anspricht – oder sie geben es zumindest vor.

Dass sie nun auch im Freien einen Mund-Nasen-Schutz aufsetzen sollen, hätten sie nicht mitbekommen. Die anderen sind von der „Verpiss-dich“-Fraktion: Sie schimpfen los, wenn sie auf die Maskenpflicht angesprochen werden.

Diese Erfahrung machen auch Eddy und Sarah. Sie verkaufen Schmuck an einem Marktstand in der Hermannstraße. Eddy wird nicht müde, die Leute, die ohne Maske vorbeischlendern, anzusprechen. Die meisten tun so, als hätten sie nichts gehört.

Einige entgegnen etwas Unflätiges. Wenn Eddy dann lauter wird, greift Kollegin Sarah ein. „Man muss aufpassen, dass man keine Bierflasche über den Kopf bekommt.“

Masken-Befreiung sei auch ein Spießrutenlauf

Sarah selbst muss keine Maske tragen. Ihre Befreiung hat sie sorgfältig laminiert immer griffbereit. „Trotzdem ist das ein Spießrutenlauf“, sagt sie mit deutlich angegriffener Stimme; COPD und Asthma – ein Stück Stoff vor Mund und Nase wäre sicherlich das kleinere Übel.

Und trotzdem zieht Sarah ihre OP-Maske hoch, wenn sie eine Kundin am Stand berät. „Hier draußen geht das eben nicht mit Plexiglas.“ Kontrollen des Ordnungsamts haben die beiden noch nicht beobachtet, aber der Marktchef achte sehr genau darauf, dass sich die Händler an die Vorschriften halten.

Annette Dost bietet auf dem Markt in Hörde nicht nur Mund-Nasen-Masken an, sie ist auch überzeugt von der Regel.
Annette Dost bietet auf dem Markt in Hörde nicht nur Mund-Nasen-Masken an, sie ist auch überzeugt von der Regel. © Susanne Riese © Susanne Riese

Das erzählt auch Annette Dost, die zwei Mal in der Woche ihren Stand an der Schlanken Mathilde aufbaut. „Ab 7.30 Uhr haben alle Händler hier ihre Maske auf“, sagt sie. Sonst drohe der Verweis. Annette Dost findet das richtig. „Es geht eben nicht anders.“

So sieht es auch ein Herr, der auf der Hafenpromenade auf der Suche nach einem Orthopäden unterwegs ist. „Die Epidemie wird nicht besser, sondern schlimmer. Es wird höchste Zeit, dass sich die Leute zurücknehmen. Viele sind zu leichtsinnig.“

Auch am See sind etliche Menschen unterwegs, die die blau-weißen Hinweisschilder auf die Maskenpflicht ignorieren. Es ist Mittagszeit. Ein ganzer Pulk junger Menschen strömt aus Richtung Sparkassen-Akademie in Richtung Gastronomie am See. Vor Bäckerei, Fischladen und Salat-Bar wird dann die Maske aus der Tasche gekramt. So sollte es nicht sein.

Am Phoenix-See gilt im gesamten Hafenbereich Maskenpflicht.
Am Phoenix-See gilt im gesamten Hafenbereich Maskenpflicht. © Susanne Riese © Susanne Riese

Bei den Marktfrauen bleibt die Maske auf der Nase, auch wenn es lästig ist, sie den halben Tag lang nicht absetzen zu können. Irgendwann müsse man ja auch mal frühstücken, sagt Eddy vom Schmuckstand. „Wir sind dafür um die Ecke gegangen.“

Wunde Stelle vom Masketragen

Auf ihrer Nase hat sie schon eine wunde Stelle vom Metallbügel der Maske. „Aber man muss doch mit gutem Beispiel vorangehen“, meint Eddy und ruft einem Raucher zu: „Hey, wo ist deine Maske?“ Er geht einfach weiter, als hätte er nichts gehört.

Das könnte für ihn teuer werden. Denn wenn er bei einer Kontrolle des Ordnungsamts auffällt, wird ein Bußgeld fällig: 50 Euro kostet der Verstoß gegen die Maskenpflicht, in Bus und Bahn sogar 150 Euro.

Laut Stadtsprecher Christian Schön soll das Ordnungsamt die Kontrollen mit Augenmaß durchführen. Die Einsatzkräfte seien aber angehalten, strenge Maßstäbe anzulegen.

Das Ordnungsamt weist zudem darauf hin, dass mit Blick auf die stark steigenden Infektionszahlen jeder aufgerufen sei, durch das eigene Verhalten dazu beizutragen, eine weitere Ausbreitung der Pandemie zu stoppen.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Seit 2001 in der Redaktion Dortmund, mit Interesse für Menschen und ihre Geschichten und einem Faible für Kultur und Wissenschaft. Hat einen Magister in Kunstgeschichte und Germanistik und lebt in Dortmund.
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Susanne Riese

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