Als Peter Rohde den Vogel abgeschossen hatte, war die Schützenwelt in Lichtendorf-Geisecke noch in Ordnung. Doch nach Unstimmigkeiten gab der König die Amtskette zurück und trat aus dem Verein aus. © Bernd Paulitschke (A)
Schützen Lichtendorf-Geisecke

Nach Knatsch im Schützenverein: Der König ist weg

Ohne König sind die Schützen Lichtendorf-Geisecke. Nach einer turbulenten Versammlung sind Peter I. und Katja I. (Rohde) aus dem Verein ausgetreten. Für den Königsball gibt es jetzt Plan B.

Er hat eine lange Tradition, ein schickes Vereinsheim am Bahnwäldchen und erfolgreiche Schießsport-Abteilungen. Doch so etwas hat der Bürgerschützenverein Lichtendorf-Geisecke seit seiner Gründung im Jahre 1838 noch nie erlebt: Der König ist weg. Nach einer offenbar turbulenten Mitgliederversammlung hat Peter I. Rohde die Amtskette zurückgegeben – genauso wie das Diadem, das seine Ehefrau zur Königin Katja I. Rohde gekrönt hatte.

Ex-Königin: „Es war kein Miteinander spürbar“

Den Rücktritt habe sie mit ihrem Mann nach der Sitzung noch lange überlegt, berichtet Katja Rohde: „Wir haben noch ein paar Nächte drüber geschlafen.“ Doch Freizeit solle Spaß machen. Anders als das, was sie auf der Mitgliederversammlung im Februar erlebt hatte, wo ein neuer Vorstand gewählt wurde. Schmutzige Wäsche waschen möchte die Ex-Königin absolut nicht, keine inhaltlichen Vorwürfe. „Es geht ums Wie“, betont sie: „Wir fanden es ganz schlimm, wie die Mitglieder untereinander geredet haben.“ Da sei kein Miteinander spürbar gewesen.

Das Bogensport-Angebot trug mit dazu bei, dass der Bürgerschützenverein Lichtendorf-Geisecke in diesem Jahr bereits fast 30 neue Mitglieder aufnehmen konnte - und damit die Austrittswelle fast kompensierte.
Das Bogensport-Angebot trug mit dazu bei, dass der Bürgerschützenverein Lichtendorf-Geisecke in diesem Jahr bereits fast 30 neue Mitglieder aufnehmen konnte – und damit die Austrittswelle fast kompensierte. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Nicht nur das Königspaar kehrte den Schützen den Rücken. Insgesamt 38 Austritte bestätigt Vorsitzender Axel Schneider nach der Versammlung vom Februar, auf der es „ein paar Meinungsverschiedenheiten“ gegeben habe. Doch das sei inzwischen nahezu ausgeglichen durch fast 30 Neu-Mitglieder, die unter anderem durch den Bogensport an den Verein gebunden werden konnten. Erfolgreich sei man auch in den Abteilungen Luftpistole und Gewehr.

Vorsitzender: „Der Verein steht auf guten Füßen“

„Uns geht es gut“, sagt Axel Schneider. Man habe rund 140 Mitglieder und eine abgezahlte Immobilie: „Der Verein steht auf guten Füßen.“ Deshalb habe er auch keine Corona-Zuschüsse bekommen, obwohl die Einnahmen für die Vermietung der Schützenhalle komplett weggebrochen waren. Auch das sonst große Oktoberfest werde „mit Sicherheit“ ausfallen müssen, weil die Auflagen nicht umsetzbar seien.

Seit 1838 gibt es den Bürgerschützenverein Lichtendorf-Geisecke. Ohne König war er noch nie.
Seit 1838 gibt es den Bürgerschützenverein Lichtendorf-Geisecke. Ohne König war er noch nie. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Doch der Vorsitzende blickt zuversichtlich nach vorn. „Beim nächsten Schützenfest sind wir wieder dabei mit unserer Fahne“, betont er. Und auch der Königsball muss mangels König nicht ausfallen. Stattdessen wird – wohl erstmals in Schwerte – ein Kronprinzenball gefeiert, zu dem Frank Blum einlädt, weil er beim Schützenfest die Krone des Holzvogels abgeschossen hatte. Laut Tradition trete dieser Fall ein, wenn ein König ausfällt.

Aktuelle und Ex-Mitglieder grüßen sich im Supermarkt immer noch

Spinnefeind geworden sind sich die aktuellen und die ausgetretenen Mitglieder des Schützenvereins übrigens nicht. „Wir grüßen uns noch und sprechen miteinander“, sagt Ex-Königin Katja Rohde. Und mit den Ehemaligen treffe man sich nach wie vor zum Stammtisch.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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