Die Schlanke Mathilde wird wohl ihren Namen behalten. Aber eine andere Straße soll umbenannt werden – vielleicht auch eine Schule oder ein Platz. © Oskar Neubauer
BV-Antrag

Nazi-Jäger als Namensgeber: Straße, Platz oder Schule soll umbenannt werden

Der „Unsere-Omma-ihr-Platz“-Antrag war eher satirisch gemeint. In der Bezirksvertretung Hörde gab es nun jedoch einen ernst gemeinten Antrag auf eine Namensänderung oder -gebung.

Eine Straße, Schule oder einen Platz nach einer realen Person zu benennen, kommt in Deutschland einer kleinen Ehrung gleich. Die Bezirksvertretung (BV) in Hörde hat nun beschlossen, diese Ehre Fritz Bauer zukommen zu lassen.

Einen konkreten Ort im Stadtbezirk gibt es dafür noch nicht – doch die Bezirksvertreter waren sich einig, bei der nächsten Möglichkeit eine dieser drei Instanzen für Fritz Bauer gewissermaßen zu „reservieren“.

Auch Büste oder Erinnerungstafel möglich

Fritz Bauer war ein deutscher Jurist und lebte von 1903 bis 1968. Er wurde vor allem als Generalstaatsanwalt für die Auschwitzprozesse bekannt, in denen er sich dafür einsetzte, dass die Verantwortlichen der Konzentrationslager verurteilt werden. Fritz Bauer wird daher heute noch in vielen Medien als „Nazi-Jäger“ betitelt.

In mehreren Städten gibt es diese Art von Ehrungen gegenüber dem jüdischen Juristen bereits. In Ratingen beispielsweise durch eine – relativ neue – „Fritz-Bauer-Straße“. Sehr viel länger schon existiert in Sankt Augustin die Fritz-Bauer-Gesamtschule.

So argumentiert auch der Antrag der SDP-Fraktion in Hörde. „In vielen deutschen Städten, Ministerien oder Gebäuden erfährt der namhafte Jurist eine angemessene Würdigung. In Dortmund gibt es dagegen nach unserer Kenntnis weder eine Straße noch ein öffentliches Gebäude mit einer entsprechenden Namensgebung“, so steht es im Antrag.

Der Vorschlag beschränkt sich dabei nicht nur auf die drei Instanzen Straße, Schule und Platz. „Aufgrund seiner Tätigkeit kommt auch eine Würdigung durch eine Büste oder Erinnerungstafel in einem Dortmunder Gerichtsgebäude in Frage. Hierzu wäre der Rat der Stadt zu beteiligen“, sagt die Fraktion.

In der vergangenen Sitzung der BV wurde dieser Vorschlag von fast allen Fraktionen gelobt. Dr. Thomas Goll (CDU) schlug dabei vor, auch den Rat von den entsprechenden Fachbereichen einzuholen: „Wir sollten auch die Augen offen halten, ob es eine Straße gibt, bei der eine Umbenennung sinnvoll wäre“, sagte Thomas Goll.

Antrag wird einstimmig beschlossen

Etwas uneins waren sich die Fraktionsmitglieder darüber, ob sich die Straße, der Platz oder die Schule auch zwingend im Bezirk Hörde befinden sollte – oder ob auch beispielsweise eine Straße in Hombruch in Betracht käme. Genannt wurde dabei in der Sitzung die Reichenberger Straße.

Antragsteller Werner Sauerländer (SPD) betonte in der Sitzung, dass der Antrag Zeit habe. „Es sollte damit eine Diskussion angestoßen werden, in der eruiert wird, ob es eine Möglichkeit gibt“, sagt er. „Die Benennung kann ja auch erst in drei Jahren geschehen.“

Ulrich Spangenberg, Geschäftsführer der Bezirksvertretung Hörde, resümierte: „Untergehen wird der Antrag so oder so nicht.“

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