Sabine Nagel arbeitet als Radiologie-Assistentin und neuerdings auch als Mosaizistin. Im nächsten Jahr möchte sie sich selbstständig machen. © Schaper
Mosaikbild

Radiologie-Assistentin wird Mosaizistin – Sabine Nagels Wandlung im Corona-Jahr

Radiologie-Assistentin und Mosaizistin – passt das zusammen? Sabine Nagel vereint beides und hat dafür das Corona-Jahr 2020 genutzt. Mit ihrer Mosaik-Abschlussarbeit will sie Hoffnung schenken.

Sabine Nagel (53) ist Radiologie-Assistentin – und frisch gebackene Mosaizistin der Mosaikbauschule Dortmund. Die Entstehung ihrer Abschlussarbeit, ein Wandmosaik, hat sie viele Monate im Corona-Jahr 2020 begleitet. Im kommenden Jahr möchte sie sich mit der neu erlernten Fähigkeit selbstständig machen.

„Ich habe schon immer einen kreativen Ausgleich für die Arbeit gesucht“, sagt die 53-Jährige. Schon vor 20 Jahren habe sie bei Renovierungsarbeiten beim Fliesenlegen gemerkt, wie sehr ihr dieses Handwerk gefiel. „Ich habe damals bereits kleine Reliefs und Wandgestaltungen erstellt“, sagt sie.

Doch erst 2019 nahm sie dieses Interesse wieder auf. „Mir fiel ein Flyer der Mosaikbauschule Dortmund in die Hände“, erzählt die Radiologie-Assistentin. Kurz danach meldete sie sich für die Ausbildung an.

Für David Bowie hat Sabine Nagel Geschirrreste verwertet.
Für David Bowie hat Sabine Nagel Geschirrreste verwertet. © Schaper © Schaper

Studienfahrt nach Barcelona während des ersten Lockdowns

Die bunten Farben der Mosaiksteine gefielen ihr auf Anhieb. In der Ausbildung, die Sabine Nagel unter anderem bei Robert Kaller und Ruth Minola Scheibler absolvierte, lernte sie Werkstoffkunde, die Eigenschaften der Materialien, aber auch klassisches Mosaik – zum Beispiel auch für Kirchengestaltungen.

Das gesamte Jahr 2020 hat Sabine Nagel dieser Ausbildung angepasst. Dabei erlebte sie den Anfang der Corona-Pandemie in Barcelona, während einer Studienfahrt der Mosaikbauschule.

„Ich war die letzten Tage in Barcelona schon sehr unruhig“, sagt die 53-Jährige. Vom 12. bis zum 16. März erlebten sie und ihr Lebensgefährte den nach und nach eintretenden Lockdown in Spanien. „Zum Glück hatten wir einen Kühlschrank in unserem Hotelzimmer“, sagt Sabine Nagel und lacht. Sogar ein Spaziergang auf der Flaniermeile „La Rambla“ wurde schließlich von Ordnungskräften untersagt.

Auch ein Corona-Wappen - mit den Kronkorken des Corona-Biers - hat Nagel gestaltet.
Auch ein Corona-Wappen – mit den Kronkorken des Corona-Biers – hat Nagel gestaltet. © Schaper © Schaper

Künstlerische Arbeit als Ausgleich zum Berufsalltag im Klinikum Nord

Zurück in Deutschland widmete sich Sabine Nagel im Corona-Sommer ihrer Abschlussarbeit für die Ausbildung als Mosaizistin. Durch die Pandemie musste die Radiologie-Assistentin nicht häufiger arbeiten, im Gegenteil: „Wir hatten durch den Lockdown sogar viel weniger zu tun. Es gab weniger Unfälle im Verkehr, beim Sport oder durch Alkohol – es waren ja alle zuhause. Das war schon etwas gruselig“, sagt Sabine Nagel.

Doch in der Computertomographie sahen Sabine Nagel und ihre Kollegen auch das erste Mal das Röntgenbild eines Corona-Patienten. „Das hat einen schon sehr beschäftigt, diese strukturellen Veränderungen im Lungengewebe der Erkrankten zu sehen“, sagt sie.

Die künstlerische Arbeit habe ihr bei der Verarbeitung geholfen. „Das gleicht die Stressbelastung in der Klinik gut aus“, sagt Sabine Nagel. Den ganzen Sommer habe sie in die Garage ihres Lebenspartners mit dem Wandbild verbracht. „Mein Freund musste die extra ausräumen“, sagt sie und lacht. Trotz oder gerade unter dem Eindruck der ersten Corona-Welle sei das Bild des Baums mit den vier Jahreszeiten ein sehr positives geworden, wie die 53-Jährige findet.

Das Wandmosaik ist 40-50 Kilo schwer, schätzt Sabine Nagel. Den ganzen Sommer hat sie mit der Abschlussarbeit verbracht.
Das Wandmosaik ist 40-50 Kilo schwer, schätzt Sabine Nagel. Den ganzen Sommer hat sie mit der Abschlussarbeit verbracht. © Schaper © Schaper

Weihnachten zieht das Wandbild um

„Es hat auch etwas Beständiges in diesen Zeiten“, sagt Sabine Nagel. Viele der bunten Fliesen kommen aus Portugal, der Leiter des Hellweg-Baumarkts an der Zillestraße konnte die Fliesen mit der Holzstruktur beisteuern. Auch Fliesen und Natursteine wurden in dem Bild untergebracht – dafür sei Sabine Nagel auch in Baustoffcontainer geklettert, wie sie verrät.

Momentan hängt das Wandbild noch in der Bittermark an der Hauswand ihres Lebensgefährten, ein Maurer. „Mein Freund und die Nachbarn würden es auch gerne dort behalten“, sagt Nagel. Dennoch wird es Weihnachten umziehen: zu ihren Eltern in Niedersachsen.

„Die hätten eigentlich ihre Diamantene Hochzeit gefeiert“, sagt sie. Durch Corona fiel diese aus, ebenso wie viele der Besuche von Sabine Nagel. Das Bild soll daher auch ein wenig Trost spenden: „Vielleicht gibt der Baum Zuversicht auf bessere Jahreszeiten.“

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