Die Gemeinde St. Benno: Hier hing eine große Regenbogenfahne, die jemand mit Gewalt vom Mast gerissen hat, der links im Hintergrund des Hinweisschildes direkt vor den Bäumen zu erkennen ist. © Britta Linnhoff
Mit Gewalt

Regenbogenfahne heruntergerissen: „Verzweiflungstat eines Super-Katholiken?“

Vor vielen Kirchen des Pastoralverbundes am Phoenix-See hängen seit Kurzem Regenbogenfahnen als sichtbares Votum im Streit um die Segnung homosexueller Paare. Eine wurde mit Gewalt entfernt.

Nach dem „Nein“ aus Rom zur Segnung homosexueller Paare fand der Pfarrgemeinderat des Pastoralverbundes am Phönix-See im März 2021 klare Worte.

Wenig später wurden in vielen Gemeinden vor den Gotteshäusern Regenbogenfahnen gehisst: Ein weithin sichtbares Zeichen, wie man hier die Sache sieht. Auch vor St. Benno direkt an der Benninghofer Straße hing ein solches Exemplar. Bis zum 12. Mai. Dann war sie plötzlich weg – ganz offensichtlich mit Gewalt entfernt.

Pastor Martin Blume war am Tag, als er das Fehlen der Fahne bemerkte wütend und schrieb in den sozialen Medien: „Da hat wohl jemand nicht gewusst, was er mit seiner Zeit anfangen soll. An St. Benno wurde mit Gewalt die Fahne entfernt. War es die Verzweiflungstat eines Super-Katholiken? Dem sei gesagt: Gegenstände kann man entfernen, aber dadurch ändert sich nicht unsere Überzeugung! Ach ja! Und im übrigen: Diebstahl ist eine Sünde!“

„Habe erst gedacht, der Hausmeister hätte die Fahne abgenommen“

Inzwischen hat sich bei Martin Blume der spontane Unmut gelegt. Aber die Enttäuschung bleibt. „Wir haben es erst später beim Rasenmähen an der Kirche gemerkt“, berichtet er. „Der Hausmeister hat gedacht, ich hätte die Fahne eingezogen, ich habe gedacht, er war‘s.“

Die Masten an der Kirche sind leer.
Die Masten an der Kirche sind leer. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

Erst bei genauerem Hinsehen fiel auf, dass die mittleren Befestigungen der Fahne durch Kabelbinder mit Gewalt herausgerissen wurden. „Und einen Sturm hat es zu dieser Zeit nicht gegeben“, sagt Pastor Martin Blume.

Es gab viele positive Reaktionen

Gut zwei Wochen lang hing die riesige Fahne dort. Und es habe sehr viele positive Reaktionen gegeben, so Martin Blume. Beispielsweise von einem Nachbarn, der seit 15 Jahre hier wohne und nach eigenem Bekunden „mit Kirche nichts zu tun hat“. Aber er sehe nun, dass es in „seiner Nachbarschaft eine Gemeinde gibt, die mit der Zeit geht“.

Wie, wann und ob es in der Gemeinde St. Benno mit einer Fahne weitergeht, „das haben wir noch nicht besprochen“, berichtet Martin Blume. Er könne sich aber persönlich vorstellen, dass es zu besonderen Anlässen durchaus wieder so sein können.

Der Pfarrer hatte bereits in seiner Predigt direkt nach dem Beschluss der römischen Glaubenskongregation kritische Worte zu der Entscheidung der Glaubenskongregation gefunden. Es gehe doch schließlich um „Menschen, die vor einem stehen, die sich lieben und sich gegenseitig stärken“.

Gegnern der Liberalisierung, die Bibelstellen zu deren Legitimation heranziehen, entgegnet er: „Man kann das doch nicht alles eins zu eins wörtlich nehmen, sondern muss das immer im zeitlichen Kontext sehen.“

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