Die Hänge unterhalb des Denkmals sind mächtig steil. Den Weg sollte man hier nicht verlassen. © Jörg Bauerfeld
Spektakulärer Feuerwehreinsatz

Spektakulärer Sturz – Übermut oder Unfall?

Es war eine spektakuläre Rettungsaktion am Fuße des Kaiser-Wilhelm-Denkmals: Zwei Frauen waren an dem Hang in Richtung Hengsteysee 60 Meter in die Tiefe gerutscht.

Es ist mächtig steil unterhalb des Aussichtsplateaus, auf dem das Kaiser-Wilhelm-Denkmal steht. Die Ruhrsteilhänge am Syberg haben es in sich.

Der Hang, der überwiegend aus hartem Ruhrsandstein besteht, hat alpinen Charakter: Abseits der ausgeschilderten Wege, die mit Drahtseilen und Metallbögen gesichert sind, gibt es Abbruchkanten und Felsnasen.

Zahlreiche Wanderwege führen den steilen Weg vom Hengsteysee hinauf. Der ist mit Seilen und Bügeln gesichert. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Spaziergänger kommen gern her. Denn: Der Blick ist fantastisch – aber auch gefährlich. Der Boden ist rutschig, der Hang steil. Mit schlechtem Schuhwerk oder glatten Sohlen könnte ein Ausflug außerhalb der gekennzeichneten Wege der letzte gewesen ein.

Diese Redaktion hatte zuletzt im Oktober 2019 berichtet, dass es unterhalb des Denkmals nicht gesicherte Geländer gibt. Unbekannte beschädigen regelmäßig Sicherungen, die Halt geben sollen.

Bierflaschen und Kippen liegen abseits des Weges

Dass diese gefährlichen Punkte von Abenteurern heimgesucht werden, davon zeugen Bierflaschen und Zigarettenkippen am Rande des Abgrundes.

Nun mussten am Sonntag (12.7.) zwei Frauen von einem Team der Höhenrettung der Dortmunder Feuerwehr aus einer misslichen Lage gerettet werden. Die Frauen hatten die Wege verlassen, bestätigte nun die Polizei.

Der Ausblick auf den Hengsteysee ist verlockend. Laut der Dortmunder Feuerwehr kommt es hier allerdings immer wieder zu brenzlichen Situationen.
Der Ausblick auf den Hengsteysee ist verlockend. Laut der Dortmunder Feuerwehr kommt es hier allerdings immer wieder zu brenzlichen Situationen. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Dank dem schnellen Einsatz der Feuerwehr und der Sichtung der Hilflosen durch eine Polizei-Drohne, ging die Geschichte glimpflich aus. Die Frauen konnten nach zwei Stunden in Sicherheit gebracht werden – bis auf ein paar Schürfwunden blieben sie unverletzt.

„Es ist für uns kein alltäglicher Einsatz“, sagt Oliver Körner, Pressesprecher der Dortmunder Feuerwehr. „Ohne unsere Spezialeinheit wäre so ein Einsatz nicht möglich.“

Ein Schild des LWL rät unter anderem davon ab, die Wege zu verlassen – ein Rat, den auch erfahrene Wanderer nur ausdrücklich wiederholen können.
Ein Schild des LWL rät unter anderem davon ab, die Wege zu verlassen – ein Rat, den auch erfahrene Wanderer nur ausdrücklich wiederholen können. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Die Höhenretter sind in die Einheit der Feuerwache 4 in Hörde integriert. Rund 30 Einsatzkräfte sind bei der Dortmunder Feuerwehr für solche Einsätze ausgebildet. Diese Spezialkräfte sind unter anderem auch bei Notfällen im Märkischen Kreis oder im Sauerland im Einsatz.

Der Einsatz am Wochenende war selbst für die Feuerwehr außergewöhnlich.
Der Einsatz am Wochenende war selbst für die Feuerwehr außergewöhnlich. © Feuerwehr © Feuerwehr

Um die beiden Frauen an der Syburg zu bergen, mussten die Feuerwehrleute in dem unwegsamen Gelände eine spezielle Seilsicherung anbringen. Die beiden Frauen bekamen dann besondere Westen angezogen, mit denen sie an dem Seil hochgezogen wurden.

Die Gründe für den „Fast-Absturz“ sind nicht bekannt. Ob er aus Übermut geschah? Von der Feuerwehr gibt es dazu bisher keine Auskunft.

Dann gab es kurz Irritationen – Die Polizei ging einer Aussage einer der jungen Frauen nach, die meinte, man hätte sich verfolgt gefühlt und sei deshalb abgestürzt.

Diese Aussage sei aber schnell wieder zurückgenommen und relativiert worden, sagt Polizeisprecherin Kristina Purschke. Somit läge kein Ansatz einer strafrechtlichen Handlung vor.

Immer wieder gibt’s Einsätze

Für die Höhenretter der Feuerwehr war es nicht der erste Einsatz an dem Steilhang unterhalb des Denkmals. Immer wieder begeben sich dort unvorsichtige Menschen in gefährliche Situationen.

„Für Ernstfälle trainieren die Einsatzkräfte immer wieder. Auch an den Ruhrsteilhängen“, sagt Oliver Körner.

Die Frauen müssen keine Strafe zahlen – auch wenn sie die gesicherten Wege verlassen haben.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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Jörg Bauerfeld

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