Am Golfplatz in Syburg gibt es Probleme, die Interessen der Golfer in Sachen Wildschutz und die der Spaziergänger unter einen Hut zu bringen. © Janis Büse
Golfplatz Syburg

Streit um Spazierweg am Golfplatz: Ist Überqueren lebensgefährlich?

Nach dem Wildschweinangriff auf einen Hund hat die Diskussion um den Zaun am Golfplatz in Syburg wieder Fahrt aufgenommen. Wildschutz muss offenbar sein – doch wo bleiben die Spaziergänger?

Golfspieler, Spaziergänger und Wildschweine – diese Kombination hat in den vergangenen Monaten für Unruhe in der idyllischen Reichsmark und am Wannebachtal in Dortmund-Syburg gesorgt. Denn der Dortmunder Golfclub hat einen großen Teil der 18-Loch-Anlage mit einem Elektrozaun sichern lassen, nachdem Wildschweine mehrfach den Platz bis zur Unbespielbarkeit umgepflügt hatten.

Der unter Spannung stehende Drahtzaun wiederum missfällt Hundehaltern und Spaziergängern, die nicht länger den Golfplatz überqueren können, wie es jahrzehntelang üblich war. Einige erinnern sich an ein historisches Wegerecht, was den Durchgang vom Wannebachtal aus über das Grün bis hoch zur Wittbräucker Straße garantiert.

Nicht das gesamte Areal ist umzäunt.
Nicht das gesamte Areal ist umzäunt. © Susanne Riese © Susanne Riese

Ob dieses Wegerecht Bestand hat und ob der Golfclub als Pächter des Geländes daran gebunden ist, lässt sich nur schwer überprüfen. Die Stadt Dortmund teilte auf Anfrage mit: „Es handelt sich nicht um ein dinglich gesichertes Wegerecht, sondern um eine pachtvertragliche Regelung, bei der auf die Wegeverbindung eingegangen wird.“

Wegerecht kann schwer nachgewiesen werden

Ob eine wie auch immer geartete Regelung auch heute den Durchgang für Nicht-Golfer garantiert, scheint fraglich. Zumal Andrea Marx, Präsidentin des Dortmunder Golfclubs, eine andere Auskunft zum Wegerecht bekam. Das Liegenschaftsamt als Verpächter sagte ihr, so einen Anspruch gebe es nicht. Die untere Jagdbehörde wiederum habe sich gegenteilig geäußert: Sie wüssten von der historischen Vereinbarung.

Werner Sauerländer, SPD-Fraktionsvorsitzender in der Hörder Bezirksvertretung, erhielt vom städtischen Liegenschaftsamt die Auskunft, es existiere weder ein grundbuchlich gesichertes noch vertraglich geregeltes Wegerecht auf dem Gelände. Für Sauerländer, der sich für eine gütliche Lösung einsetzt, ist das aber gar nicht der springende Punkt. Er hält die Überquerung der Spielbahnen an den fraglichen Strecken für „lebensgefährlich und unverantwortlich“.

Der Golfclub hat den Zaun etwa einen Meter nach innen versetzt, um neben dem Wassergraben Platz für Spaziergänger zu schaffen.
Der Golfclub hat den Zaun etwa einen Meter nach innen versetzt, um neben dem Wassergraben Platz für Spaziergänger zu schaffen. © Ulli Beckmann © Ulli Beckmann

An den Bahnen 13 und 14, wo der ehemaligen Fußweg den Golfplatz quert, ist das Gelände hügelig und schwer einsehbar. Deshalb stehen dort seit Langem Warnschilder – „schon allein aus versicherungstechnischen Gründen“. Die Präsidentin betont, dem Club sei an einem friedlichen Nebeneinander gelegen. „Wir wollen niemanden ausschließen. Für mich ist die Frage: Wie kann man sich entgegenkommen?“

Golfer zeigen guten Willen

Guten Willen haben die Golfer bereits bewiesen. Nach der öffentlichen Kritik hat der Golfclub den Zaun im südwestlichen Bereich um etwa einen Meter nach innen versetzt, damit Spaziergänger an der Außenseite entlanggehen können. Werner Sauerländer findet diese Lösung akzeptabel: „Dieser Weg ist etwas länger als der angebliche Weg über den Platz; eine Nutzung durch Bewohner des Wannebachtals in Richtung Wittbräucker Straße beziehungsweise umgekehrt wäre aber möglich.“

Wünschenswert wäre aus seiner Sicht, den Umgehungsweg an einigen Stellen zu verbreitern, etwa durch Rückschnitt von Grün oder eine weitere Versetzung des Zauns. Außerdem sollten Schilder auf die Umgehung aufmerksam machen.

Ulli Beckmann weist auf den historischen Weg hin, der über Jahrzehnte quer über den Platz führte.
Ulli Beckmann weist auf den historischen Weg hin, der über Jahrzehnte quer über den Platz führte. © Ulli Beckmann © Ulli Beckmann

Spaziergänger wie Ulli Beckmann aus Berghofen finden die Lösung allerdings unzureichend und verlangen einen „echten Übergang“. Sie fürchten auch, das Wegerecht durch längere Nicht-Nutzung zu verlieren. Schon jetzt sei der alte Weg zugewuchert und kaum noch erkennbar.

Die blutige Auseinandersetzung zwischen einem Wildschwein und einem Golden Retriever im Niederhofener Wald hat der Diskussion neue Dynamik verliehen. Denn der Vorfall wird als Argument für den E-Zaun gewertet. Das werde den Belangen der Spaziergänger aber nicht gerecht, beschweren sich manche.

„Die Notwendigkeit des Zaunes wird nämlich überhaupt nicht infrage gestellt“, erklärt Ulli Beckmann. „Kritisiert wird nur der nicht kooperative Umgang des Clubs mit den Folgewirkungen auf die Fußgänger. Bei einer solchen Kooperation könnte der Wildschweinschutz unverändert bleiben.“

Als Alternative zu aufwendigen Toren könnte eine einfache Treppenlösung über den Zaun dienen, wie Ulli Beckmann sie in Holland entdeckt hat.
Als Alternative zu aufwendigen Toren könnte eine einfache Treppenlösung über den Zaun dienen, wie Ulli Beckmann sie in Holland entdeckt hat. © Ulli Beckmann © Ulli Beckmann

Einige Beobachter vertreten allerdings extremere Positionen. „Aus meiner Sicht sollten die erweiterten Nutzungs- und Erholungsmöglichkeiten dieses einmaligen Juwels erhalten bleiben und nicht durch ein paar Wildschweine zu einer Privilegierten-Enklave werden“, schreibt ein Leser, der von unschönen und beleidigenden Diskussionen zwischen Golfern und Spaziergängern berichtet („So dumm wie Sie kann man gar nicht sein“).

Es gab keinerlei Konflikte

Vor der Einzäunung sei das anders gewesen, sagt er und erzählt von Spaziergängen, Langlauf- und Schlittentouren am Golfplatz. „Ich kann mich an keinen einzigen Konflikt mit Golfern erinnern. Im Gegenteil: Wir grüßten uns freundlich und respektvoll und einigten uns gestisch über die ,Vorfahrt‘.“

Es sei auch „eine Frage der Ästhetik, ob man in der Natur an einem Zaun entlang schleicht oder die Weite und Größe dieses Areals genießen kann“. Deshalb meint der Betroffene: „Der ,Sonnenweg des Südens‘ sollte in jedem Fall geöffnet und rekultiviert werden.“

Der Golfclub hat laut Andrea Marx bereits rund 30.000 Euro für den Wildzaun ausgegeben. Im Bereich der Irminsulstraße soll die Absperrung demnächst noch erweitert werden. „Das betrifft aber die Spaziergänger nicht.“

Spaß machten diese hohen Ausgaben dem Verein nicht, aber nach gescheiterten Jagdversuchen auf die Wildschwein-Rotten habe es keinen anderen Ausweg gegeben. „Wir brauchen den Zaun, das ist unstrittig“, sagt Andrea Marx. „Aber wir möchten niemanden ausgrenzen.“

Nach den Sommerferien wollen Mitglieder der Bezirksvertretung Hörde und Vertreter des Golfclubs das Thema noch einmal besprechen.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Seit 2001 in der Redaktion Dortmund, mit Interesse für Menschen und ihre Geschichten und einem Faible für Kultur und Wissenschaft. Hat einen Magister in Kunstgeschichte und Germanistik und lebt in Dortmund.
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Susanne Riese

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