Mit vielen Einsatzkräften war die Feuerwehr am Phoenix-See vertreten, um die gekenterte Jolle zum Anleger zurückzubringen. © Markus Wüllner
Feuerwehreinsatz

„Totaler Anfänger“: Segelverein zu gekentertem Boot am Phoenix-See

Kurioser Einsatz: Die Feuerwehr musste am Phoenix-See ein gekentertes Boot zum Anleger bringen. Für alle, die jetzt davor Angst haben, auf dem See zu segeln, gibt’s aber eine gute Nachricht.

Der Phoenix-See gehört seit seinem Bau zu den beliebtesten Ausflugszielen der Dortmunder. Und als solches bot er in den vergangenen neun Jahren auch immer wieder genug Stoff für kuriose Anekdoten.

Seit Sonntag (26.7.) ist der See um eine weitere Geschichte reicher: Gegen 14 Uhr rückte die Dortmunder Feuerwehr aus, um zwei Menschen zu retten, die mit einem Segelboot gekentert waren. Ein Einsatz, den es laut Feuerwehrsprecher Andreas Pisarski so noch nicht gegeben habe.

„Da wir beim Eingang des Notrufs davon ausgegangen waren, dass hier zwei Menschen in Lebensgefahr waren, haben wir zunächst alle verfügbaren Kräfte mobilisiert, die für so einen Rettungseinsatz zu Wasser zur Verfügung standen“, sagt Andreas Pisarski.

35 Rettungskräfte im Einsatz

35 Einsatzkräfte der Wachen 1 (Mitte), 2 (Eving), 4 (Hörde) und des Löschzuges 13 (Berghofen) waren im Einsatz. Neben Blauröcken, die ein Boot zur Rettung in den See ließen, war zudem ein Feuerwehrtaucher mit dabei.

„Da wir nicht wussten, ob und wie schwer die Bootsinsassen verletzt worden waren, wurde auch ein Rettungshubschrauber geschickt, der die Verunglückten im Ernstfall direkt in eine Klinik hätte bringen sollen“, erklärt der Feuerwehrsprecher.

Zum Einsatz kam der Hubschrauber aber dann letztlich nicht, denn als die Feuerwehr vor Ort eintraf, fanden die Einsatzkräfte die zu rettenden Personen unverletzt vor.

Beide Personen warteten auf dem Rumpf des Segelbootes, das umgedreht in der Seemitte schwamm. Der Halter des Bootes habe die Einsatzkräfte dann darum gebeten, ihm dabei zu helfen, das Segelboot zurück zum Anleger zu bringen.

Zahlreiche Schaulustige

Rund zwei Stunden war die Wehr vor Ort, der Einsatz selbst wurde von einer großen Menge Schaulustiger vom Ufer aus beobachtet. Laut Feuerwehr war die Ursache des Kenterns eine starke Windböe gewesen, die das Boot umgeschlagen habe.

Eine Vielzahl von Schaulustigen beobachtete den ungewöhnlichen Einsatz am See. © Markus Wüllner © Markus Wüllner

„Das Ganze ist eine völlig kuriose Sache, die so eigentlich gar nicht vorkommen kann“, beurteilt Manfred Franke das Geschehen.

Der langjährige Sportwart des Yachtclubs Dortmund kann die Geschichte nur mit Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen. „Da muss ein totaler Anfänger im Boot gesessen haben, anders kann ich mir das nicht erklären. Für gewöhnlich setzt man in so einem Fall auch keinen Notruf bei der Feuerwehr ab.“

Unverständnis über Notruf

Franke habe sich erst einmal bei seinen Vereinskollegen erkundigt, ob die wüssten, ob es sich bei dem verunfallten Boot um eines aus dem Vereinsbestand handle.

„Aber da wusste niemand, um wessen Segelboot es sich gehandelt haben könnte. Es wäre peinlich gewesen und hätte ein schlechtes Licht auf unsere Segelausbildung geworfen, wenn das unser Boot gewesen wäre“, sagt Franke.

Hajo Runge, Vorstandsvorsitzender der Segelfreunde Phoenix-See Dortmund, teilt diese Einschätzung: „In der Theorie, wie auch in der Praxis der Segelbootausbildung, spielt das richtige Verhalten beim Kentern des Boots eine wichtige Rolle. Es kann immer mal vorkommen, dass so etwas passiert.“

Kein Boot eines Vereins

Im Fall der Fälle wäre jeder ausgebildete Segler in der Lage, eine Jolle wieder aufzurichten. Bei dem gekenterten Boot handle es sich laut Hajo Runge um eine Jolle der Bootsklasse „Pirat“.

„Keiner der Segelvereine mit Stützpunkt Phoenix-See hat so eine Jolle, daher gehe ich davon aus, dass es sich um eines der Boote handeln könnte, die von Privatleuten hier am Anleger liegen“, sagt Runge.

Halter soll Segelerfahrung haben

Die Vermutung bestätigt der Journalist Markus Wüllner, der während des Feuerwehreinsatzes am See vor Ort war.

Seines Wissens nach soll es sich bei den beiden Personen, die von der Wehr aus dem Wasser geholt wurden, um einen Vater mit seinem Sohn gehandelt haben. Laut Wüllners Informationen soll das Boot erst seit vier Wochen am Phoenix-See sein.

Sein Halter aber wäre nach eigener Angabe nicht unerfahren, was den Segelsport angehe. Wüllner gegenüber habe der Mann davon berichtet, in anderen Regionen bereits länger mit dem Segelboot unterwegs zu sein.

Einsatzkosten werden nicht berechnet

Ein kostenintensives Nachspiel des sonntäglichen Rettungseinsatzes müsse der Bootshalter nun aber nicht befürchten, wie Wehrsprecher Pisarski erklärt: „Lebensrettungseinsätze werden nur dann in Rechnung gestellt, wenn eine schwerwiegende Fahrlässigkeit der Zurettenden nachgewiesen werden kann.“

Alles in allem blieben die Geschehnisse am frühen Sonntagnachmittag aber eine kuriose Geschichte, die den Hördern wohl ebenso lange im Gedächtnis bleiben wird wie jene vom Schwimmverbot aufgrund einer mutmaßlichen Piranha-Population im Phoenix-See.

Wir erinnern uns: 60 dieser Fische sollen 2014 in den See ausgewildert worden sein. Ein weiteres Kuriosum in der bisher kurzen Geschichte des Phoenix-Sees, die auch nach kurzer Aufregung keine weiteren großen Wellen mehr schlug.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Fabian Paffendorf, Jahrgang 1978, kam 2003 zum Journalismus. Ursprünglich als Berichterstatter im Bereich Film und Fernsehen unterwegs, drehte er kleinere Dokumentationen und Making-Of-Berichte für DVD-Firmen. In diesem Zusammenhang erschienen seine Kritiken, Interviews und Berichte in verschiedenen Fachmagazinen und bei Online-Filmseiten. Seit 2004 ist der gebürtige Sauerländer im Lokaljournalismus unterwegs. Für die Ruhr Nachrichten schreibt er seit Herbst 2013.
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