Die Türkische Fahne wurde vom Mast gerissen und auf den Boden geschmissen. © privat
Ausländerfeindliche Tat

Unbekannte bedrohen Kleingärtner und reißen türkische Fahne herunter

Die Kleingartenanlage im Dortmunder Süden ist wie Tausende andere im Ruhrgebiet. Viele Nationen, bunte Fahnen. Doch jetzt ist ein Kleingärtner bedroht worden. Es ist nicht der erste Vorfall.

Nein, seinen Namen möchte er nicht nennen. Er habe doch ein wenig Angst. Angst um seine Kinder. Herr G. (der Name ist der Redaktion bekannt) hat seit Ende 2017 einen Kleingarten in der Gartenanlage „Fröhliche Morgensonne“ an der Abteistraße in Aplerbeck.

Eigentlich fühle man sich hier wohl. Aber das sei jetzt vorbei. Der Grund ist ein Drohbrief, den der türkischstämmige Herr G. an der Tür seiner Laube vorfand. Daneben lag die türkische Fahne, die schon seit langer Zeit am Fahnenmast auf der Parzelle wehte.

Dieser Drohbrief hing an der Laube. Wer sind M und K?
Dieser Drohbrief hing an der Laube. Wer sind M und K? © privat © privat

So wie die aus Polen, aus Argentinien, aus Deutschland und die zahlreichen von Borussia Dortmund. Die türkische Fahne weht nun nicht mehr. Unbekannte haben sie vom Mast gerissen und den Kleingartenpächter direkt bedroht.

Der Drohbrief, der an der Laube hing

„Lieber Gartenbesitzer, wir bitten Sie freundlich, die Erdoan-Fahne in unsem demokratischen Deutschland nicht zu hissen – es könnte gefährlich sein. Grüße M&K“

Jetzt ist davon auszugehen, dass die Drohbriefschreiber, trotz Schreibfehler, den Türkischen Präsidenten Erdogan meinen. Die Vermutung liegt daher nahe, dass die Schreiberlinge aus der rechten Szene kommen. Wären sie türkischer oder kurdischer Abstammung, hätten sie wohl den Namen des türkischen Präsidenten nicht falsch geschrieben – aber das sind erst einmal alles nur Vermutungen.

Jürgen Beckmann, erster Vorsitzender der „Fröhlichen Morgensonne“, will die Täter finden. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Herr G. selber hat keine Ahnung, von wem die Drohungen kommen könnten. Er hat Anzeige bei der Polizei gestellt, und auch der Vorstand des Kleingartenvereins ist informiert.

Schon im Sommer 2020 einen Vorfall

Für die „Fröhliche Morgensonne“ ist der Vorfall alles andere als schön. Schon im Sommer 2020 gab es Ärger wegen rechter Gesinnung. Da wehte in der Anlage auf einem eine Reichskriegsfahne am Mast.

Jürgen Beckmann, Vorsitzender des Kleingartenvereins, hat jetzt so langsam auch den Kaffee auf. „Wenn wir herausbekommen, dass den Brief einer von unseren Mitgliedern geschrieben hat, wird derjenige sofort rausgeschmissen“.

Schriften sollen verglichen werden, so der Vorstand

Er gehe jetzt die Unterlagen durch, vergleiche die Schrift, und dann werde man weiter sehen. „Wie verwehren uns gegen jegliche Art dieser Diskriminierung gegen andere Nationalitäten“, sagt Beckmann. „Wenn hier nur das Kleinste noch einmal vorkommt, hat das den sofortigen Rausschmiss aus dem Gartenverein zur Folge“, sagt Beckmann.

Herr G., der den Zettel an seiner Laube gefunden hat, kann noch nicht sagen, ob er den Kleingarten in Aplerbeck behält. Das Wohlfühl-Gefühl ist abhanden gekommen – trotz der Zusage des Vorstandes, ihm in der Sache beizustehen.

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Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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