Dramatisch sieht der Wasserstand aus am Hengsteysee. Aber was ist los mit dem Gewässer? © Dieter Menne
Wassermangel

Wasserstand dramatisch gesunken: Was ist los mit dem Hengsteysee?

Der Hengsteysee im Süden von Dortmund bietet zurzeit ein Bild des Jammers. Trotz anhaltender Regenfälle ist der Wasserspiegel dramatisch gesunken. Eigenartige „Inseln“ kommen zum Vorschein.

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man glauben, dass eine große Dürre gekommen sei. Der Hengsteysee am Fuße der Hohensyburg scheint leerzulaufen – als ob jemand den Stöpsel gezogen hätte.

Während es am steileren Nordufer noch nicht ganz so auffällig ist, ist der Rückgang des Wassers an der Südseite schon enorm. Hier kann man schon einige Meter auf dem Seeboden laufen.

Sogar Inseln tauchen plötzlich mitten auf dem See auf

Matsch, Steine und eigenartige Inseln tauchen aus den Fluten auf. Und das trotz anhaltender Regenfälle und einem nimmermüden Zulauf durch Lenne und Ruhr. Aber was ist mit dem See passiert? Warum sinkt der Wasserspiegel so rapide?

Wo sonst alles mit Wasser bedeckt war, tauchen jetzt plötzlich eigenartige Inseln auf.
Wo sonst alles mit Wasser bedeckt war, tauchen jetzt plötzlich eigenartige Inseln auf. © Dieter Menne © Dieter Menne

Schuld daran ist das Wehr, das das Ende des Hengsteysees darstellt. Selbiges liegt in Herdecke und hat schon etliche Jahrzehnte auf dem Buckel. 90 Betriebsjahre, um genau zu sein. Und da der Zahn der Zeit, beziehungsweise der Wellengang des Sees, an den Betonsockeln genagt hat, wurde es nun Zeit für eine Sanierung.

Denn das Wehr ist nicht nur dafür da, den Wasserstand im Hengsteysee zu regulieren, es ist auch ein von der RWE betriebenes Laufwasserkraftwerk, das Strom erzeugt.

Betonpfeiler sind fast 100 Jahre alt

„Der See ist ganz bewusst abgelassen worden“, erklärt ein Sprecher des Ruhrverbandes, der für die Unterhaltung des Wehres zuständig ist. Um an die teilweise maroden und fast 100 Jahre alten Betonpfeiler heranzukommen, musste das Wasser weichen.

Dass das Wehr saniert wird, liegt auch an den Arbeiten, die zurzeit am Koepchenwerk laufen. Hier wird im Moment eine Kontrolle der Anlage durchgeführt. Das Koepchenwerk pumpt normalerweise Wasser aus dem See in ein auf dem Berg liegendes Becken. Das Wasser wird von dort wieder in den See gelassen und produziert dabei Strom.

„Das Koepchenwerk liegt nun gerade auch still“, es sei also kein Wassertransport nötig, sagt der Ruhrverbandsprecher. „Also haben wir die Zeit genutzt den See um circa 45 Zentimeter weiter abzusenken, um die Arbeiten am Wehr durchführen zu können.“

Hengsteysee ist ein Flachwasser-See

Aber warum kommt es einem dann so vor, als würde der See fast trocken liegen? Das komme daher, da der Hengsteysee ein Flachwasser-See sei. Die Wassertiefe liege bei 2,50 Meter bis 3 Meter. „Unter diesen Umständen wirkt dann alles noch viel dramatischer“, sagt der Sprecher.

Die Spaziergänger und Radfahrer müssen im Übrigen noch eine ganze Zeit mit dem Anblick klarkommen. Denn die Arbeiten werden sich bis Ende 2021 hinziehen. Erst dann wird der Hengsteysee wieder seinen alten Wasserstand bekommen.

„Die Maßnahme ist mit der Bezirksregierung und den zuständigen Naturschutzbehörden abgestimmt und wird zur Einhaltung von Artenschutzaspekten von Biologen begleitet. Für die Vogelwelt werden Ersatznistplätze geschaffen“, verspricht der Ruhverbandssprecher.

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Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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