Der Herdecker Elias Sturm legt auf dem Gelände des Koepchenwerks zwischen den beiden großen Druckrohrleitungen einen Weinberg an. Erste Reben sind schon gepflanzt. © Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur
„Project:vino“

Weinberg entsteht über dem Hengsteysee: Biowein vom Koepchenwerk

Der Weinanbau rückt immer weiter nach Norden vor. Nach Dortmund-Holzen und Phoenix-See werden nun auch an den Hängen des Hengsteysees Reben angepflanzt. Ein Student baut dort Biowein an.

Am Koepchenwerk hoch über dem Hengsteysee in Herdecke soll ein Weinberg entstehen: Der Herdecker Elias Sturm will zusammen mit Freunden auf dem 3300 Quadratmeter großen Gelände des Industriedenkmals Reben pflanzen. Die ersten 15 Exemplare sind auf einer Probefläche bereits gesetzt. Eigentümerin der Brachfläche ist die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur.

Sechs Monate lang hatte der Architekturstudent ein Praktikum bei einem Biowinzer in Italien absolviert, einen Monat arbeitete er bei einem Winzer im Rheingau. In Herdecke hat er sich bereits auf Familiengrund ausprobiert. Doch nun will er zusammen mit Herdecker Freunden ein größeres Projekt in Angriff nehmen.

„Ich habe nach Flächen in Herdecke gesucht und bin dann am Koepchenwerk fündig geworden“, sagt er. Über den Verein Arbeitsgemeinschaft Koepchenwerk, der sich mit viel Herzblut für das Herdecker Denkmal engagiert, wurde der Kontakt zur Industriedenkmalstiftung als Eigentümerin hergestellt.

Mit dem Koepchenwerk verbindet ihn Familiengeschichte. Sein Urgroßvater Wilhelm (Willi) Kranz leitete in der Vergangenheit das Koepchenwerk von 1945 bis 1962.

Elias Sturm und Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, stoßen am  Hang des Koepchenwerks auf das project:vino an.
Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, und Elias Sturm stoßen am Hang des Koepchenwerks auf das Projekt an. © Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur © Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur

Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, wird das Projekt konstruktiv begleiteten. Die denkmalgeschützten Standorte inspirierten zu neuen Nutzungen, so Ursula Mehrfeld. „Das macht den Reiz aus.“

Die Idee, Weinanbau in dieser industriell geprägten Landschaft zu betreiben, sei nicht nur originell, sondern zeige auch einen starken Antrieb. „Das passt sehr gut zu diesem Ort, zum Geist der Gründerväter des innovativen Pumpspeicherkraftwerks.“ Es passe auch zu dem Stiftungsauftrag, das Denkmal angemessen zu nutzen und für eine neue Generation zu erschließen.

Alle behördlichen Hürden wurden genommen

Die Stiftung stimmte das Vorhaben mit der Unteren Denkmalbehörde, der Unteren Naturschutzbehörde, dem Regionalforstamt, dem Naturschutzbeirat der Stadt Herdecke und dem RWE ab. Nun gab es grünes Licht für das „project:vino“.

Der Herdecker Wein soll biodynamisch hergestellt werden. Er wird aus Trauben gekeltert, die besonders widerstandsfähig gegen Pilze und Läuse sind, sodass kaum gespritzt werden muss.

300 Stufen sind jedes Mal zu bewältigen, um in den Berg einzusteigen. Ein Sportprogramm, denn es geht in einer Steigung von 45 Grad in die Höhe. Momentan warten danach noch 3300 Quadratmeter Brache aus Brennnesseln, Heckenrosen, Brombeergestrüpp, Schilf und Farn im unteren Bereich. Doch der Blick in die Ferne entschädigt für die Mühe.

Mit seinen Freunden Lennart Hecker, Luca Schmidt und Joshua Kleine hat Elias Sturm erste kleinere Flächen freigeschnitten und mit der Hacke von Unkraut befreit. Nach schon 40 Zentimetern stößt man auf Felsen. 15 Reben haben sie sorgfältig gesetzt, quasi als Probe, bevor es in größere Dimensionen geht. Die ersten Pflanzen treiben bereits aus. Der Jungwinzer ist zufrieden. „Das sieht gut aus.“

Vorbereitungssaat soll ein biologisches Gleichgewicht herstellen

Etwa 17 Reihen geplant. Eine Vorbereitungssaat aus verschiedenen Kräutern, Gräsern und Blumen soll ein natürliches Gleichgewicht aus Schädlingen und Nützlingen herstellen. Biodynamisch eben. Die Bewässerung wird schwierig, doch das schreckt den jungen Winzer nicht ab.

Nach fünf Jahren rechnet er mit dem ersten vollen Ertrag. Rund 3000 Liter Wein pro Lese sind das Ziel. Den Tropfen will Elias Sturm „Willi und Arthur“ nennen – nach seinem Urgroßvater Wilhelm und Arthur Koepchen, dem Ideengeber des Werks.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Seit 2001 in der Redaktion Dortmund, mit Interesse für Menschen und ihre Geschichten und einem Faible für Kultur und Wissenschaft. Hat einen Magister in Kunstgeschichte und Germanistik und lebt in Dortmund.
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Susanne Riese

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