„Elektrozaun - Vorsicht": Am neuen Elektrozaun des Golfplatzes warnen Schilder vor den spannungsgeladenen Drähten. © Janis Büse
Absperrung

Wildschwein-Abwehr durch Stromstöße: Golfer zäunen Platz im Süden ein

Hinweisschilder warnen in Syburg neuerdings vor einer stromgeladenen Absperrung rund um den Golfplatz. Der Elektrozaun soll ungebetene Gäste fernhalten. Wird hier in die Natur eingegriffen?

Spaziergänger im Dortmunder Süden wundern sich: Der zwischen Reichsmark und Hohensyburg gelegene Dortmunder Golfplatz war immer zu allen Seiten offen und ging nahtlos in das umliegende Naturschutzgebiet Fürstenbergholz und Wannebachtal über. Jetzt stehen die Menschen vor einem Drahtzaun, an dem Hinweisschilder vor Stromspannung warnen.

Für Menschen ist der Zaun jedoch nicht gedacht. Er zielt vielmehr auf Tiere, genauer gesagt Wildschweine ab, die dem Golfclub in letzter Zeit viel Ärger machen. Sie würden den feinen Rasen regelmäßig in einen grob zerfurchten Acker verwandeln.

Mehr als 500 Arbeitsstunden hätten bereits aufgewendet werden müssen, um die Schäden zu beheben, erzählt Platzwart Martin Ruße.

Das Betreten des Golfplatzes ist untersagt.
Das Betreten des Golfplatzes ist untersagt. © Janis Büse © Janis Büse

Schutz in Richtung Wannebachtal muss sein

Neuerdings schützt der elektrische Wildzaun die Fläche, zunächst insgesamt auf 2500 Metern an den hinteren Bahnen Richtung Wannebachtal. Der Verein sah sich zu der Maßnahme gezwungen, nachdem die ohnehin von Krähen und Dachsen malträtierten Fairwaybereiche und Grüns seit Januar in immer kürzeren Abständen von den Wildschweinen heimgesucht wurden. Bilder zeigen Spuren der Verwüstung.

Wildschweine hatten das gepflegte Grün des Golfplatzes in einen Kartoffelacker verwandelt.
Wildschweine hatten das gepflegte Grün des Golfplatzes in einen Kartoffelacker verwandelt. © Golfplatz © Golfplatz

„Anfangs waren es nur kleinere Spuren auf den Fairways der Bahnen 4, 7 und 9, die unsere Greenkeeper durch Zurücklegen der aufgerissenen Bereiche und Bewässern kurzfristig wieder reparieren konnten“, erklärt der Verein. Doch dann sei die Wildschweinrotte im zweitägigen Rhythmus gekommen. Die dadurch entstandenen Schäden seien nicht mehr kurzfristig zu reparieren gewesen.

Die Entscheidung für die Umzäunung hat sich der Verein dennoch nicht leicht gemacht. „Wir haben uns mit anderen Golfplätzen beraten“, erzählt Martin Ruße. Denn die Rückkehr der Wildschweine macht mittlerweile vielen Vereinen Probleme.

Wildschweine können einige Verwüstung anrichten.
Wildschweine können einige Verwüstung anrichten. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Absperrung soll dezent sein

Einen dichten Zaun, dafür ohne Spannung, lehnte die Stadt Dortmund ab, die das 55 Hektar große Gelände an den Golfclub verpachtet. Die Absperrung sollte das Landschaftsbild so wenig wie möglich beeinträchtigen. Deshalb seien die Pfosten extra unauffällig gewählt, so Ruße. Am ehesten fallen noch die obligatorischen gelben Warnschilder auf.

Die Einzäunung des Golfplatzes sei „umfänglich diskutiert“ und mit dem Umwelt- und Liegenschaftsamt abgestimmt worden, teilt Stadt-Sprecher Christian Schön auf Anfrage mit. Verlauf und Beschaffenheit wurden dabei genau festgelegt. Gefährdungen oder Nachteile für Tiere entstünden durch den Drahtzaun nicht, sagt er.

Thomas Quittek, Sprecher des BUND Dortmund, bestätigt das: „Aus Naturschutzsicht ist so ein Zaun nicht problematisch, wenn er keine unüberwindliche Barriere bildet für Kröten, Salamander, Igel und Kleinsäuger allgemein.“ Die Wanderungsbewegungen der bodenlebenden Tiere müsse in solchen Fällen gewährleistet sein, insbesondere für Amphibien, die nicht klettern können.

Zaun erfüllt die Bedingungen

All diese Bedingungen seien durch den leichten Drahtzaun erfüllt, der zum Boden hin mehr als eine Handbreit Platz lässt. Natürlich sollte möglichst wenig in die Natur eingegriffen werden, betont Thomas Quittek.

Vor allem zu den Waldbereichen ist die Absperrung wichtig.
Vor allem zu den Waldbereichen ist die Absperrung wichtig. © Janis Büse © Janis Büse

Platzwart Martin Ruße hat beobachtet, dass kleinere Tiere wie zum Beispiel Katzen die elektrische Spannung wahrnehmen, ohne den Zaun zu berühren, und sich eine Lücke zum Durchschlüpfen suchen. Rehe könnten die maximal 80 Zentimeter überspringen.

Eingeschränkt werden also vor allem die Wildschweine, aber genau das sei ja Sinn der Sache. „Der Stromstoß ist ausreichend, um dem Tier zu zeigen, dass es hier nicht weitergeht; es merkt sich diese unangenehme Erfahrung.“ Im Umfeld des Golfplatzes fänden die Tiere genügend zugängliche Flächen.

Je nachdem, wie gut die Wildschweinabwehr nun funktioniert, soll der Zaun eventuell noch erweitert und durch Gitterroste an den Zuwegen ergänzt werden.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Seit 2001 in der Redaktion Dortmund, mit Interesse für Menschen und ihre Geschichten und einem Faible für Kultur und Wissenschaft. Hat einen Magister in Kunstgeschichte und Germanistik und lebt in Dortmund.
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Susanne Riese

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