Barbara Holler ist einer der stillen Corona-Helden in unserer Stadt. © privat/Montage Klose
Coronavirus

23 Frauen und ein Corona-Engel: „Das Herz schlägt vor Freude schneller“

Sie macht Mut, sie gibt Hoffnung, sie nimmt Ängste: 23 Dortmunderinnen haben einen gemeinsamen Lieblingsmenschen. In der Coronavirus-Pandemie ist er für sie wichtiger denn je.

Es gibt viele stille Helden in unserer Stadt. Engagierte Menschen, die in der Corona-Krise anderen beistehen. Die kein großes Aufheben darum machen, die dafür keine öffentliche Bühne brauchen.

23 Frauen aus Dortmund-Oespel und Umgebung haben einen solchen Lieblingsmenschen. Er ist für sie ein wichtiger Anker in der Corona-Einsamkeit und mildert die hässlichen Seiten der Pandemie: die Abschottung, das Alleinsein und die Ängste.

Die Seniorinnen haben sich an diese Redaktion gewandt, um ihrem Corona-Engel öffentlich zu danken und seinen Einsatz zu würdigen. Weihnachten ist ein guter Zeitpunkt dafür. Die Redaktion erfüllt gerne diesen Wunsch.

„Sie ist ein Engel“

Die Einleitung für den Artikel liefern die Frauen gleich mit. „Sie liebt Engel, formt Engel, malt Engel und sie ist selbst ein Engel.“ Sie, das ist die Künstlerin Barbara Holler, die seit 2013 ehrenamtlich die Seniorengruppe der katholischen Gemeinde „Christus unser Friede“ in Oespel-Kley leitet.

Der Beginn der Corona-Krise im Frühjahr 2020 bedeutet für alle eine traurige Zäsur: Ab sofort müssen die 14-tägigen Treffen im Gemeindezentrum ausfallen. Die lebhaften Diskussionen im Stuhlkreis, die anschließende Kaffeerunde, die gemeinsamen Ausflüge und Fahrten – auf alles müssen die Seniorinnen wegen des gefährlichen Virus ab sofort verzichten.

Doch Barbara Holler (62) sorgt für Lichtblicke, macht die schon Monate andauernde Isolation für ihre Frauen erträglicher. Jede Woche schreibt sie ihnen einen mehrseitigen Brief. Ihre Zeilen machen Mut, geben Hoffnung und nehmen Ängste. Fast 40 Briefe hat jede Seniorin bislang in ihrem Briefkasten vorgefunden.

„Sie muss gesegnet sein“

„Immer wenn ich sehe, ein Brief von Barbara ist da, schlägt mein Herz vor Freude schneller. Ihre Worte sind aufbauend, liebevoll und tröstlich. Sie muss gesegnet sein und hat einen unerschütterlichen Glauben“, sagt Gisela Hagedorn (83).

Die Briefe, die manchmal auch Rätsel oder Bastelanleitungen zur Beschäftigung, aber vor allem Impulse des christlichen Glaubens enthalten, sind aber längst nicht alles. Mit wöchentlichen Telefon-Konferenzen und zweiwöchentlichen Andachten hält Barbara Holler die Gemeinschaft aufrecht.

„Balsam für die Seele“

„Die Telefonkonferenz gibt uns die Gelegenheit, mit Barbara und den anderen Senioren in Verbindung zu bleiben“, betont Irene Friedrich (85). „Das tut so gut in diesen schwierigen Zeiten“, sagt Marianne Reinermann (88).

Tine Welge (84) ergänzt: „Wir können uns austauschen und immer wieder Mut zusprechen.“ Die Älteste der Gruppe, die 94-jährige Anna-Katharina Lewin, sagt: „Das Thema Corona ist leider immer dabei, und so manche braucht Trost und Zuversicht.“

Ihre Seniorengruppe hält Barbara Holler auch in der Corona-Krise zusammen. Dieses Foto zeigt die Frauen mit Bruder Klaus aus dem Franziskanerkloster, der sie lange vor der Corona-Krise besucht hatte.
Ihre Seniorengruppe hält Barbara Holler auch in der Corona-Krise zusammen. Dieses Foto zeigt die Frauen mit Bruder Klaus aus dem Franziskanerkloster, der sie lange vor der Corona-Krise besucht hatte. © Barbara Holler © Barbara Holler

Für viele der gläubigen Frauen sind die Telefon-Andachten ein wichtiger Ausgleich zum fehlenden Gottesdienst-Besuch. „Ich betrachte sie als Balsam für die Seele“, sagt Gertrud Ehmig (81). Sie hatte die Idee für dieses öffentliche Dankeschön.

Resi Kremer (91) bezeichnet es als „großes Glück“, Teil der Seniorengruppe zu sein. „Barbara ist ein Segen für uns ältere Menschen“, sagt Rita Seidel (92).

„Das ist meine Berufung“

Barbara Holler sorgt auch für echte Begegnungen. Ostern, Geburtstage, Weihnachten – das sind für sie Anlässe, die Frauen zu besuchen. Mit Maske und Abstand natürlich. Mal nur an der Haustür, bei gutem Wetter im Garten. Im Dezember hat sie ihren Seniorinnen die Weihnachts-Wunder-Tüten der Gemeinde gebracht und mit eigenen Geschenken wie einem Christstollen und Gesundheitstrunk aufgefüllt.

Natürlich können wir nicht ohne Zustimmung der Protagonistin berichten. Barbara Holler ist also informiert. Sie sagt über ihren Einsatz: „Ich gehe den für mich bestimmten Weg, und er tut mir gut. Den Menschen zuhören, ihnen wenn möglich Hoffnung geben und versuchen, ihnen Mut zu machen, das ist meine Berufung.“

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald

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