Dieter Czerwonka und seine Frau Gitta Müller verlassen das Rabeneck in Mengede. © Ronny von Wangenheim
Gastronomie

Alt eingesessenes Lokal im Dortmunder Westen macht bald dicht

Nach 13 Jahren schließt ein Gastronom im Dortmunder Westen sein Lokal. Damit verlieren Vereine ihren Anlaufpunkt. Nicht nur die Corona-Pandemie ist der Grund.

Mit der Corona-Pandemie hat sich für Dieter Czerwonka viel geändert. Lange Zeit musste er sein Lokal schließen. Feiern und Vereinstreffen im Saal waren nicht mehr möglich. Die Kegelbahn blieb zu. Auch nach den Lockerungen spürt er die Angst seiner Gäste. Es kommen längst nicht mehr so viele wie früher.

Die Konsequenz: Er wird in seinem Lokal mitten in Mengede bald den Bierhahn hochdrehen. Als Corona-Opfer sieht sich Dieter Czerwonka allerdings nicht. Auch andere Gründe spielen eine Rolle. Da ist die Gesundheit. Er sollte lieber die Beine hochlegen, sagen seine Ärzte. Inzwischen ist der Vollblut-Gastronom 75 Jahre alt. Seit 17 Jahren habe er keinen Urlaub mehr gemacht, erzählt er. „Irgendwann muss auch mal Schluss sein.“.

Seit 1977 ist der Dortmunder Gastronom, vor 15 Jahren kam er aus Lünen nach Mengede. Zwei Jahre betrieb er den Burghof – „der war zu groß für uns“ – vor 13 Jahren übernahm er als Pächter das Rabeneck an der Siegburgstraße. Hierher kommen vor allem Menschen ab 40, so erzählt er. Zum Biertrinken, Fußballgucken oder Knobeln. Aber auch Küche wird angeboten.

Kneipe, Restaurant, Saal und Kegelbahn – das ist das Rabeneck

Draußen bietet ein Biergarten viel Platz. Drinnen kommt der Gast in eine Mischung aus Kneipe und Restaurant. Neben mehreren Gasträumen gibt es einen Saal. Und im Keller ist eine Kegelbahn. Abschließbare kleine Schränke in der Holzwand, in denen Kegler ihre Wertsachen einschließen konnten, verweisen auf die Tradition.

Für die Küche sorgt Ehefrau Gitta Müller. Schnitzel und Salat mit eigenem Dressing seien am beliebtesten – „alles frisch“ wie Czerwonka mit hörbarem Stolz sagt.

Dieter Czerwonka verlässt das Rabeneck in Mengede.
Dieter Czerwonka verlässt das Rabeneck in Mengede. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

Der Knappenverein Glück auf Mengede trifft sich hier, der örtliche Angelsportverein, die SPD, Eigentümerversammlungen. „Für sie tut es mir leid“, sagt Dieter Czerwonka. Denn viele andere Möglichkeiten, sich zu treffen, gebe es in Mengede nicht. Aber alle hätten Verständnis. „Die gönnen mir den Ruhestand.“

Dortmunder aus Überzeugung zieht jetzt in die Oberpfalz

Gemeinsam mit seiner Frau will er in deren Heimat in der Oberpfalz ziehen. Je schneller dort das Haus renoviert ist, desto schneller wird er Dortmund verlassen. Schwer fallen wird das schon. Czerwonka ist Dortmunder aus Überzeugung, BVB-Fan sowieso. „Das ist meine Heimat hier.“ Seit 1966 hat er eine Dauerkarte auf der Süd – „direkt vor Dietmar Bär“. Davon zeugen viele Kleinigkeiten im Rabeneck, aber auch große Banner an der Wand.

Das Mobiliar hat der Gastronom seinerzeit übernommen, vieles atmet noch den Geist vergangener Jahre. In den 1950er-Jahren, so sagt er, sei das Rabeneck entstanden. Er klopft an eine Wand. „Hier ist Holz dahinter, da war früher die Tür zu einer Milchbar.“

Wie es weitergehen wird mit dem Rabeneck weiß er nicht. Interessenten soll es geben, aber bis jetzt stehe noch nicht fest, ob es überhaupt einen Nachfolger für die 200-Quadratmeter große Gastronomie geben solle.

Musikbox spielt Hits aus 40 Jahren

In den kommenden Wochen will Dieter Czerwonka schon das Lokal langsam leeren. Geschirr für 100 Personen, Besteck, Wärmehaltebehälter, Fernseher, Tiefkühlschränke, ein elektronisches Mensch-ärger-dich-nicht-Spiel – alles will er verkaufen.

Die Musikbox mit CDs aus den vergangenen 40 Jahren will Dieter Czerwonka verkaufen.
Die Musikbox mit CDs aus den vergangenen 40 Jahren will Dieter Czerwonka verkaufen. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

Auch von der Musikbox, die am Eingang steht, will er sich trennen. 100 CDs aus 40 Jahren stecken da drin. Czerwonka schmeißt einen Euro in den Schlitz und Peter Maffay klingt mit „Sonne in der Nacht“ durch das Lokal. Das geht ganz schön laut, wie er gleich beweist. Acht Lautsprecher kann man immerhin anschließen. „Jeder, der was haben will, kann vorbeikommen“, sagt Dieter Czerwonka, „ich bin immer hier, außer montags.“

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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