Die Straße endet am Brückenkopf. Sie ist gesperrt. Für immer. Trotz Neubaupläne saniert die Stadt Dortmund die Fahrbahn der Rampen. © Uwe von Schirp
Dortmund-Ems-Kanal

An Dortmunder Brücke wird teuer saniert – wenige Jahre vor ihrem Abriss

Seit einem Jahr ist die Dortmunder Brücke gesperrt. Die Rampen sind marode, die Brücke auch. Jetzt saniert die Stadt sie, dabei wird sie in vier Jahren abgerissen und neu gebaut.

Das ist doch wohl ein Witz“, sagt eine Spaziergängerin. „Oder kommt die neue Brücke doch früher und das sind die ersten Bauarbeiten?“ Asphaltbrocken, dicke Pflastersteine und Schotter liegen auf der Straße im Dortmunder Westen. Holz-Einschalungen schützen die Bäume entlang der Allee.

Die Schwieringhauser Brücke im Jahr 2020 auf einem Schrägluftbild des Regionalverbandes Ruhr. Dass sie 20 Meter weiter neu gebaut werden soll, steht eigentlich fest.
Die Schwieringhauser Brücke im Jahr 2020 auf einem Schrägluftbild des Regionalverbandes Ruhr. Dass sie 20 Meter weiter neu gebaut werden soll, steht eigentlich fest. © RVR 2020 Aerowest © RVR 2020 Aerowest

Manch Radfahrer, Spaziergänger und Hundehalter ist in diesen Tagen überrascht. Nicht mehr allein der Kopf der Schwieringhauser Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal ist für Kraftfahrzeuge gesperrt. Schon am Fuß der westlichen Rampe verhindern rot-weiße Baken die Weiterfahrt.

Dabei stellten kurz vor dem Brückenkopf Fußgänger ihr Auto ab, wenn sie auf dem Leinpfad spazieren gehen oder ihren Hund Gassi führen. Schwieringhauser, die häufiger nach Mengede müssen, nutzen den Straßenrand als „Pendlerparkplatz“. Um ihre Kinder zur Schule zu bringen oder zum Einkaufen zu fahren, sparen sie sich einen weiten Umweg.

Ein Schildbürgerstreich?

Die Kanalbrücke ist seit mehr als einem Jahr für den motorisierten Verkehr gesperrt. Sie ist dermaßen marode, dass das Wasserstraßen- und Schiffahrtsamt Westdeutsche Kanäle sie neu bauen muss. Der Neubau beginnt aber frühestens 2025 – Fertigstellung, wenn alles glatt läuft: 2027.

Klar ist auch: Für den Neubau gibt es seit 15 Jahren einen gültigen Planfeststellungsbeschluss. Und er soll parallel zur derzeitigen Brücke rund 20 Meter nördlich erfolgen. Das bringt zumindest zu Teilen einen Neubau der Rampen mit sich.

Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann nennt die Baumaßnahme „einen Schildbürgerstreich“ und eine „Verschwendung von Steuergeldern“. In wenigen Jahren werden die Rampen zur Schwieringhauser Kanalbrücke durch neue ersetzt. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann (Grüne) ist bei einem Ortstermin mit dieser Redaktion überrascht. Anwohner machten ihn auf die Baumaßnahme aufmerksam. „Ist das jetzt ein Schildbürgerstreich?“, fragt er. „Eine Bauanzeige habe ich auf jeden Fall nicht bekommen.“

Straße so marode wie die Brücke

Zweifelsohne ist der Zustand der Fahrbahn der Altmengeder Straße ebenso marode wie die Kanalbrücke selbst. Radfahrer mussten Slalom um die tiefen Schlaglöcher fahren – eine Verkehrsgefährdung. Jahrelang forderten Anwohner und Mengeder Bezirksvertreter die Sanierung.

Die Forderung blieb zunächst ungehört. Dann gab es Ortstermine zur Brücke und in der Folge auch zur Straße. Im Januar dieses Jahres schließlich tauchte die Erneuerung der Fahrbahn westlich des Kanals unter der Nummer 348 im Jahresarbeitsprogramm des Dortmunder Tiefbauamtes auf. Mittlerweile war die Brücke bereits drei Monate gesperrt.

Die aktuellen Bauarbeiten würden nicht im Rahmen des Jahresarbeitsprogramms des Tiefbauamtes erfolgen, erklärt die Stadt auf Anfrage. „Bei der Baumaßnahme Altmengeder Straße handelt es sich um eine reine Gehweg- und Fahrbahnsanierung zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit von Hausnummer 90 bis zur Treppenanlage Schwieringhauser Brücke“, schreibt Stadtsprecher Christian Schön.

Am Ende der Allee verhindern massive Sperren aus Beton den motoriserten Verkehr. Auf den Rampen parken Spaziergänger. Lediglich sie und Radfahrer können die Verbindung zwischen Mengede und Schwieringhausen nutzen. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

„In diesem Bereich findet nach wie vor Verkehr statt – auch für den Rad- und Fußgängerverkehr sind verkehrssichere Wege und Straßen vorzuhalten.“ Die Bauzeit habe das Tiefbauamt mit acht Wochen veranschlagt – „sofern die Witterung passt“. Auf etwa 255.000 Euro belaufen sich die Kosten. Es sei Aufgabe des Tiefbauamtes, die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, erklärt Schön.

„Verschwendung von Steuergeldern“

Für Axel Kunstmann ist die Baumaßnahme eine „Verschwendung von Steuergeldern, die an anderer Stelle sinnvoller hätten eingesetzt werden können“. Eine Sanierung mache nur Sinn, wenn die neue Brücke an die Stelle der alten gesetzt werde.

Kunstmann fordert darum, umgehend ein neues Planfeststellungsverfahren einzuleiten. „Die Errichtung einer Zufahrts-Rampe durch ein Naturschutzgebiet, Aufschüttungen, Fällungen, Versiegelung in diesem Bereich würden uns erspart bleiben.“

Die östliche Rampe am Kanal ist übrigens ebenso marode. Sie wolle die Stadt 2023 sanieren, erklärt Schön auf Nachfrage. Zwei Jahre vor dem geplanten Beginn des Brücken-Neubaus.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
Zur Autorenseite
Uwe von Schirp

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.