Die Anwohner von Langenacker und Am Kreuzloh leben quasi auf dem Dorf: langsames Internet, schwacher Mobilfunk-Empfang. Trotzdem sind ihre Häuser im Rahmen des Breitband-Ausbauprogramms nicht förderfähig. © Uwe von Schirp
Breitband-Ausbau

Anwohner sind sauer: Glasfaser vor der Tür – aber keine Förderung

Die Stadt und Dokom21 haben den geförderten Breitband-Ausbau gestartet – mit dem Spatenstich auf dem ehemaligen Knepper-Gelände. Die Anwohner profitieren davon nicht so wie gedacht – und sind sauer.

Mittwoch (25.8.), Spätnachmittag: Rund 25 Anwohner stehen auf der Straße und machen ihrem Unmut Luft. Einen Steinwurf entfernt bewegen Baufahrzeuge große Mengen Erdreich und Schotter. Dort entsteht der LogPoint Ruhr, das Gewerbe- und Industriegebiet auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks Knepper.

Keine Frage: Logistikunternehmen und Gewerbetreibende werden schnelles Internet bekommen. Öffentlichkeitswirksam starteten die Stadt mit Oberbürgermeister Thomas Westphal und das städtische Telekommunikations-Unternehmen Dokom21 hier den geförderten Breitband-Ausbau für Dortmund.

Die Anwohner von Kreuzloh und Langenacker aber sollen davon nicht profitieren. Jörg Sandmeier sieht es als „einen Schlag vor den Kopf“. Er hat die Anwohner an diesem Nachmittag zusammengetrommelt. Sie tragen ihren Ärger Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann vor.

„Das Kraftwerk war ein hervorragender Nachbar“, sagt einer. „Und wir waren ruhige Nachbarn.“ Viel Verkehr rief das Kraftwerk nicht hervor. Die Kohle kam über die Schiene.

Anwohner erinnern an ein Versprechen

Mit dem LogPoint Ruhr aber kommt der Verkehr: Fast 7000 Lastzüge und Autos werden täglich an der Siedlung vorbeifahren. Die Anwohner befürchten eine eingeschränkte Lebensqualität.

Unmittelbar am Rand der Siedlung verläuft die Zufahrt zum künftigen LogPoint Ruhr.
Unmittelbar am Rand der Siedlung verläuft die Zufahrt zum künftigen LogPoint Ruhr. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Jetzt erinnern sie Stadt und Hagedorn, den Entwickler des Knepper-Geländes, an deren Versprechen bei früheren Informationsveranstaltungen. Sowohl Rick Mädel von Hagedorn als auch der heutige Oberbürgermeister Thomas Westphal hätten ihnen – quasi als Kompensation – schnelles Internet zugesagt. Westphal war seinerzeit noch Chef der Wirtschaftsförderung.

Jetzt läuft die Vorbereitung für den Gewerbe- und Logistik-Standort auf Hochtouren. „Bislang hat sich noch nie jemand um uns gekümmert“, sagt Helmut Graumann, der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft. „Die haben uns zwei Jahre für dumm verkauft.“

Langenacker ist nicht förderfähig

Nach dem symbolischen Spatenstich für den Breitbandausbau zögerten die Anwohner der beiden Straßen nicht lange. „Als wir uns an Dokom wegen der Anschlüsse wandten, erhielten wir die Auskunft, uns bei Herrn Meder zu melden“, berichtet Jörg Sandmeier. Björn Meder ist der Gigabit-Koordinator der Stadt.

Der erste Spatenstich für den Breitbandausbau in Dortmund wurde von OB Thomas Westphal (Mitte) und Projektpartnern vorgenommen. Fast 100 Millionen Euro stehen für die Glasfaser-Offensive zur Verfügung.
Der erste Spatenstich für den Breitbandausbau in Dortmund wurde von OB Thomas Westphal (Mitte) und Projektpartnern vorgenommen. Fast 100 Millionen Euro stehen für die Glasfaser-Offensive zur Verfügung. © Stadt Dortmund/Schaper © Stadt Dortmund/Schaper

Auf Sandmeiers Anfrage antwortet Meder: Weil ein anderer Netzbetreiber bereits sein Interesse an einem Ausbau bekundet habe, dürfe die Stadt die Anwohner des Langenackers in der Förderung nicht berücksichtigen. Nichtsdestotrotz werde Dokom21 in der Nähe Glasfasertrassen verlegen.

Sandmeier und seinen Nachbarn empfiehlt Björn Meder, trotzdem das Interessensformular auf der Internetseite von Dokom21 auszufüllen – „je mehr desto besser!“. Silke Greinke wohnt Am Kreuzloh 13. Sie bekundete ihr Interesse und erhielt das Angebot über 500 Euro für einen Hausanschluss.

Siedlergemeinschafts-Vorsitzender Helmut Graumann wohnt gegenüber in der Hausnummer 22. Die Anwohner mit den geraden Hausnummern auf der anderen Seite der Straße indes könnten einen Anschluss für die üblichen 2000 Euro Gebühren bekommen, erfuhr Graumann. Niemand der Anwohner kann das noch nachvollziehen.

Ausbau erfolgt adressgenau

Auf Anfrage dieser Redaktion erklären Stadtpressestelle und Dokom21 generell: „Es gibt weder einen Anspruch auf ‚schnelles Internet‘ noch einen Anspruch, dass diese Leistungen kostenlos erbracht werden. Der geförderte Ausbau erfolge „immer adressgenau – nicht pro Straße“. Im Fokus stehen „weiße Flecken“, die sonst wirtschaftlich nicht erschlossen werden können.

Auf Nachfrage erklärt Markus Isenburg von Dokom 21. „Durch den Kreuzloh gehen wir durch, um zu einem anderen Gebiet zu kommen.“ Die Leitungstrasse laufe auf der Straßenseite mit den ungeraden Hausnummern.

Wenn das Kabel schon da sei, könne Dokom21 Anwohnern das günstigere Angebot für einen Anschluss machen. „Das sind andere Kosten, als wenn wir die Straße aufbuddeln und überqueren müssen.“ Generell gelte aber: „Wenn wir eine Trasse bauen, wollen wir so gut wie alle Interessenten mitnehmen.“ Nur eben nicht kostenlos.

Jörg Sandmeier (2.v.l.) hatte seine Nachbarn am Mittwoch zusammengetrommelt, um den Ärger Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann (3.v.l.) vorzutragen.
Jörg Sandmeier (2.v.l.) hatte seine Nachbarn am Mittwoch zusammengetrommelt, um den Ärger Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann (3.v.l.) vorzutragen. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Mit dem Antrag der Stadt zum Förderprogramm für den Breitbandausbau im Jahr 2017 ging ein Markterkundungsverfahren einher. Das ergab, dass ein anderer Anbieter bereits eine Ausbaumeldung für die folgenden drei Jahre vorgelegt habe. Damit ist die Siedlung vom Förderprogramm ausgeschlossen.

Deutsche Telekom plant keinen Ausbau

Die Vermutung liegt nahe, dass die Deutsche Telekom die Ausbaumeldung getätigt hat. Schließlich betreibt sie den weitaus größten Teil des Telekommunikations-Netzes. Und gut 200 Meter entfernt, für die Oestricher Straße in Castrop-Rauxel, bietet sie bereits schnelles Internet mit 100 GBit-Anschlüssen an.

Telekom-Pressesprecher George-Stephen McKinney bestätigt die unterschiedliche Versorgung. Es gebe allerdings „aktuell keine Ausbauplanungen für dieses Gebiet.“ Welches Unternehmen die Ausbaumeldung für Langenacker und Kreuzloh vorgelegt habe, könne er nicht sagen – „die Telekom jedenfalls nicht“.

Den Anwohnern der Siedlung hilft das in ihrem Wunsch nach schnellem Internet wenig. Sie haben Anschlüsse mit nominell 6 MBit. „Bei mir kommen aber nur 3,6 MBit an“, berichtet Jörg Sandmeier. „Das hat ein Mitarbeiter der Telekom hier am Haus gemessen.“

Auch eine Hybrid-Lösung, eine punktuelle Verstärkung der Übertragungsgeschwindigkeit über das Mobilfunk-Netz, greift in der Siedlung nicht. Die Masten und Kabel der großen Stromtrasse schränken den Mobilfunk ein. „Wir leben in einem ungewollten Dorf“, sagt Jörg Sandmeier.

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Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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