Im Awo Seniorenzentrum in Kirchlinde leben nun Fremde in dem Heimzimmer von einer coronakranken 94-Jährigen. © Helmut Kaczmarek
Corona im Altenheim

Awo-Seniorenzentrum rechtfertigt Umzüge als „alternativlose Strategie“

In einem Dortmunder Awo-Seniorenheim leben vorübergehend fremde Bewohner in Zimmern von Coronaerkrankten. Das sorgt für Aufregung. Die Awo erklärt, wie sie gegen das Virus kämpft.

In dem Awo-Seniorenheim in Dortmund-Kirchlinde gibt es 50 Bewohner und 12 Mitarbeiter, die am Coronavirus erkrankt sind. Das Gesundheitsamt hatte sie am vergangenen Donnerstag (14. Januar) getestet.

Die erkrankten Bewohner liegen nun auf einer internen Corona-Station im Seniorenzentrum. Dazu rät das Robert-Koch-Institut. In der Zwischenzeit sind nun gesunde Bewohner in die persönlich eingerichteten Zimmer der Coronaerkrankten eingezogen.

Das berichtet die Verwandte einer betroffenen 94-Jährigen. Pflegekräfte sagten der Enkelin am Telefon, dass vorübergehend ein gesunder Bewohner in dem Zimmer ihrer Oma wohnt.

Dass Gesunde in den Zimmern von coronaerkrankten Bewohnern leben, bestätigt die Pressesprecherin auf Nachfrage dieser Redaktion: „Alle Zimmer wurden am vergangenen Freitag von einer Reinigungsfirma, die kurzfristig organisiert werden konnte, gründlichst gereinigt und desinfiziert.“

50 Bewohner des Awo-Altenheims in Kirchlinde haben sich mit dem Coronavirus infiziert.
50 Bewohner des Awo-Altenheims in Kirchlinde haben sich mit dem Coronavirus infiziert. © Stephan Schuetze (Archivbild) © Stephan Schuetze (Archivbild)

Wenn der Quarantäne-Wohnbereich aufgelöst wird und die Bewohner zurück in ihre Zimmer ziehen können, wird die Reinigungsfirma ebenfalls wieder die Räume desinfizieren. „Die Maßnahmen dienen dem Schutze der Menschen vor dem Coronavirus“, schreibt die Sprecherin.

Das wird in frühestens 14 Tagen der Fall sein. Die Isolierung endet, wenn dies das Gesundheitsamt anordnet und kann auf 10 Tage verkürzt werden, wenn ein negativer PCR-Test bei der betroffenen Person vorliegt.

Awo bedauert den Umzug

Die Arbeiterwohlfahrt zeigt sich selbst nicht zufrieden mit den Umzügen und gibt bekannt: „Sie [Anmerkung der Redaktion: die räumliche Trennung] stellt keine Enteignung dar, sondern gehört zu den notwendigen und oftmals leider alternativlosen Strategien gegen das Virus.“ Weiter heißt es: „Wir bedauern sehr, dass viele Bewohner im Zuge des Infektionsschutzes kurzfristig ihre Zimmer wechseln mussten.“

Die Awo-Sprecherin weist darauf hin, dass das Kirchlinder Seniorenzentrum die Umzüge in Absprache mit dem Gesundheitsamt und der „WTG-Behörde“ organisiert habe. WTG steht für Wohn- und Teilhabegesetz. Die WTG-Behörde, auch Heimaufsicht genannt, setzt sich für die Rechte von älteren und pflegebedürftigen Menschen sowie von Menschen mit Behinderung ein, die in einem Pflege- oder Seniorenheim leben.

Zudem sei „der kurzfristige Umzug in andere Zimmer“ vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW geregelt. In der Allgemeinverfügung steht, dass auch „andere Versorgungskonzepte möglich sind, sofern die Hygiene- und Schutzanforderungen nach den jeweils geltenden Empfehlungen des RKI Anwendung finden“.

Da dies bei dem Kirchlinder Heim nicht der Fall war, entschied sich die Leitung zu den Umzügen der Bewohner.

Positiv getestete Bewohner werden in dem isolierten Bereich von fest zugewiesenen Pflegekräften betreut, sagt die Sprecherin. Das entspricht ebenfalls einer Vorgabe des Ministeriums.

Kommunikation mit den Betroffenen

Eine Awo-Sprecherin sagt zum Thema Kommunikation, dass „die Angehörigen durch den sozialen Dienst bzw. die Wohnbereichsleitungen über den Umzug informiert wurden“. Das bestätigt auch die betroffene Verwandte, die mit unserer Redaktion in Kontakt steht. Sie kritisiert aber, dass sie telefonisch nicht durchkomme, wenn sie Nachfragen hat.

Am Mittwoch (20. Januar) steht die nächste Testung in dem Kirchlinder Seniorenzentrum an.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Freddy Schneider, Jahrgang 1993, Dortmunderin. Gelernte Medienkauffrau Digital/Print und Redakteurin. Seit 2012 arbeitet sie bei den Ruhr Nachrichten.
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Frederike Schneider

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