Eva Reinhardt hat den kleinen Igel noch am Abend bei sich aufgenommen. An seinem gefährlichen Schlafplatz hätte er den Winter wohl nicht überlebt. © Michael Erdmann
Igel-Hilfe

Bekannter Feuerwehrmann und seine Nachbarin sind spontane Igel-Retter

Ein bekannter Oberbrandmeister (33) aus Dortmund entdeckt einen kleinen Igel an einem gefährlichen Schlafplatz. Gemeinsam mit seiner Nachbarin (39) rettet er ihn vor dem sicheren Tod.

Den Dortmunder Feuerwehrmann und Notfall-Sanitäter Michael Erdmann ziehen immer wieder spektakuläre Geschichten an: Unter anderem war er mitten auf einer Kreuzung als spontaner Geburtshelfer im Einsatz, erst im November rettete er mit seinen Kollegen unter dramatischen Umständen eine Katze aus einem Motorraum. Alles hat er souverän gemeistert.

Als er am Mittwoch allerdings einen Igel bei sich zu Hause in Dortmund-Mengede entdeckt, ist er im ersten Moment ratlos. Denn: Das kleine Tier hatte sich einen verrückten und gleichzeitig gefährlichen Platz für seinen Winterschlaf gesucht: mitten unter einer Mülltonne.

„Ich wollte die Tonne nach der Leerung auf ihren Platz zurückschieben, da habe ich den Igel gesehen“, erzählt Michael Erdmann. Ihm sei sofort klar gewesen, dass das Tier wegen der Verletzungsgefahr dort nicht bleiben kann. Doch was tun? „Für die Rettung von Igeln in Notfällen sind wir ausgebildet, mehr aber auch nicht.“

Ausgerechnet unter einer Mülltonne hatte sich der Igel sein unzureichendes Winternest gebaut.
Ausgerechnet unter einer Mülltonne hatte sich der Igel sein unzureichendes Winternest gebaut. © Michael Erdmann © Michael Erdmann

Nachbarin ist Igel-Expertin

Michael Erdmann und der Igel haben Glück. Denn Nachbarin Eva Reinhardt ist Igel-Expertin, die in den vergangenen Jahren schon einige dieser Säugetiere aufgepäppelt und vor dem sicheren Tod gerettet hat. Sie erkennt sofort: Nicht nur der Platz ist zum Überwintern ungeeignet, der Igel hat sich auch nicht tief genug eingegraben. „Er wäre erfroren“, so die 39-Jährige.

Weil der Igel zudem nur 595 Gramm wiegt, hat Eva Eva Reinhardt den noch namenlosen Igel spontan bei sich aufgenommen. „Erwachsene Igel brauchen für den Winterschlaf ein Gewicht zwischen 700 und 1200 Gramm, Jungtiere sollten mindestens 600 bis 650 Gramm wiegen“, weiß die medizinische Fachangestellte, die früher in einer Tierarztpraxis gearbeitet hat.

Der kleine Igel bringt aktuell nur 595 Gramm auf die Waage.
Der kleine Igel bringt aktuell nur 595 Gramm auf die Waage. © Eva Reinhardt © Eva Reinhardt

Das neue Zuhause auf Zeit ist für den „Igel im Glück“ ein umfunktionierter Kaninchenstall in einem kühlen, ungenutzten Badezimmer im Haus. Die Tierliebhaberin hat den Igel mit Heu und Wasser versorgt sowie zuvor auf Parasiten (Flöhe, Zecken) untersucht. Bis zum Frühjahr wird der Untermieter nun bei ihr bleiben.

Rat bei einem Tierarzt suchen

Wer einen Igel findet und unsicher ist, ob er Hilfe braucht, dem rät Eva Reinhardt, sich Rat bei einem Tierarzt zu suchen. „Manche nehmen auch Igel auf.“ Eine weitere Anlaufstelle ist die Arbeitsgruppe Igelschutz mit Sitz im Tierschutzzentrum Dorstfeld an der Hallerey 39. Erreichbar sind die ehrenamtlichen Igelschützer unter Tel. (0151) 700 62 861.

Eva Reinhardt ist glücklich, dass sie den Igel retten konnte. „Wenn ich könnte, würde ich jedes Tier, das in Not ist, retten.“ Sogar eine verwaiste Jung-Dole hat die 39-jährige Mengederin vor einiger Zeit aufgezogen und später ausgewildert.

Das ist bis zum Frühjahr das neue Zuhause des Findel-Igels.
Das ist bis zum Frühjahr das neue Zuhause des Findel-Igels. © Eva Reinhardt © Eva Reinhardt
Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald

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