Ein neuer Verkaufsweg für ihre Brautmoden lässt Kerstin Kesper trotz Lockdowns optimistisch in die Zukunft blicken. © Manfred Kesper
Coronavirus

Brautmoden: Geschäftsinhaberin findet Weg aus der Corona-Sackgasse

Wer im Sommer heiraten möchte, sucht sich sein Kleid in der Regel im Winter aus. Doch die Brautmoden-Geschäfte sind wegen des Lockdowns geschlossen. Ein neuer Verkaufsweg hilft Heiratswilligen.

Unser Anruf erreicht Kerstin Kesper, Inhaberin eines Dortmunder Brautmoden-Geschäfts, wohl nicht im günstigsten Moment: Denn gerade erst hat die 55-Jährige erfahren, dass sie in der vergangenen Nacht zwei Enkelkinder bekommen hat.

„Meine Sohn und meine Tochter sind gleichzeitig Eltern geworden, beide Babys sind drei Wochen zu früh gekommen. Das ist total verrückt“, erzählt sie aufgeregt. Aber alle seien wohlauf, sie müsse nur gerade auf ihr erstes Enkelkind aufpassen. „Das sind zur Abwechslung mal wunderschöne Nachrichten in diesen trüben Zeiten.“

Obwohl gerade „alles etwas chaotisch“ sei, nimmt sich die gelernte Schneiderin einen Moment Zeit für ein Telefonat mit unserer Redaktion. Denn sie hat noch eine weitere gute Nachricht parat: Nachdem ihr die Pandemie in den vergangenen Monaten übel mitgespielt hatte, konnte die 55-Jährige nun einen Weg aus der Corona-Sackgasse finden.

Seit Mitte Dezember hat Kerstin Kesper kein Brautkleid mehr verkauft. Solange schon ist ihr Geschäft in Dortmund-Marten wegen des zweiten harten Lockdowns geschlossen. „Dabei ist gerade jetzt die Hauptsaison für Brautkleider. Denn wer im Sommer heiraten will, sucht sich sein Kleid aufgrund der Lieferzeiten im Winter aus.“

Ab sofort werden Braut-Träume wahr

Und nun die gute Nachricht: Ab sofort können sich zukünftige Bräute doch wieder ihre Träume bei „Marie Beau Brautmoden“ erfüllen. Denn ein befreundeter Anwalt hat für Kerstin Kesper einen Verkaufsweg im Sinne der geltenden Corona-Schutzverordnung ausgetüftelt. Und darüber ist sie heilfroh: „Irgendwie muss ich doch wieder an Geld kommen.“

Das neue Verkaufskonzept ist ganz einfach und funktioniert so: „Ich vereinbare mit der Kundin einen Individualtermin, sie kommt alleine ins Geschäft und kann sich auf Vertrauensbasis Kleider für zwei bis drei Tage mit nach Hause nehmen und dort anprobieren.“ Sie als Inhaberin dürfe sich auf Abstand mit im Geschäft aufhalten und könne bei der Auswahl „aus der Ferne“ helfen.

Im Martener Brautmoden-Geschäft
Im Martener Brautmoden-Geschäft “Marie Beau” werden ab sofort wieder Braut-Träume war. © Manfred Kesper © Manfred Kesper

Der Vertrag werde online abgeschlossen, auch die Bezahlung erfolge über diesen Weg. „Es kommt also zu keinerlei Kontakten und es erfolgt auch kein Verkauf im Geschäft“, betont Kerstin Kesper.

Sogar für Änderungswünsche, die im Grunde jede zukünftige Braut habe, gebe es eine Lösung: „Das regeln wir dann über die Video-Plattform Zoom. Ich leite die Kundin einfach an, wie sie die Nadeln stecken muss.“ Anschließend könne sie die Änderungen vornehmen – auch wieder kontaktlos.

Kerstin Kesper ist zuversichtlich, dass trotz der ungewissen Zeiten 2021

wieder geheiratet wird. „Ich musste in den vergangenen Wochen einige Bräute vertrösten, sie werde ich nun alle kontaktieren.“ Neben Braut- verkauft sie über diesen Weg übrigens auch Abendmoden.

Eine einzige Kundin auf 200 Quadratmetern

Nachvollziehbar ist für die gelernte Schneiderin nicht, warum am 1. März die Friseure wieder öffnen dürfen, ihr Geschäft aber geschlossen bleiben muss. „Eine einzige Kundin auf 200 Quadratmetern, da können wir doch ganz problemlos einen Abstand von 2,50 Meter einhalten.“ Deshalb habe sie nun bei der Staatskanzlei Düsseldorf schriftlich eine Ausnahmegenehmigung zur Öffnung ihres Fachgeschäfts beantragt. „Eine Antwort habe ich leider noch nicht.“

Am Anfang der Corona-Krise hatte sich Kerstin Kesper ein neues Standbein mit dem Anfertigen und Vertrieb von Stoffmasken aufgebaut. Zwischenzeitlich waren es 60 Masken pro Tag, die sie verkaufen konnte. Doch die Nachfrage habe deutlich nachgelassen. „Die wenigsten wollen noch Stoffmasken tragen.“

Das Geschäft „Marie Beau Brautmoden“ befindet sich an der Straße „In der Meile 16. Erreichbar ist Kerstin Kesper unter Tel. (0173) 86 53 377 oder unter Tel. (0231) 61 05 2 960. Eine Kontaktaufnahme ist aber auch über die Homepage marie-beau.de möglich.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald

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