Der Streit um die Frerich-Wiese war eigentlich schon zu aller Zufriedenheit beendet. Jetzt beginnt der Widerstand gegen den Bau eine Discounters erneut. © Nils Kowalewski
Netto in Dorstfeld

Bürger wollen Netto im Dorstfelder Park verhindern – „Das ist Wortbruch“

Seit 20 Jahren soll der kleine Park in Dorstfeld bebaut werden. Nach Rewe und Edeka gibt es nun Pläne für einen Netto-Markt. Eine Bürger-Initiative hat den Kampf dagegen aufgenommen.

Die Bebauung der sogenannten Frerich-Wiese an der Arminius-Straße in Dorstfeld wird scheinbar zu einer unendlichen Geschichte. Die Ansiedlung eines Rewe-Marktes verhinderte eine Bürgerinitiative, die 2006 gegründet wurde.

Im März dieses Jahres wurden Pläne bekannt, dass an gleicher Stelle nun ein Netto-Markt gebaut werden soll. Die Bürgerinitiative, die das verhindern will, hat sich im April gegründet. Sie hat viel zu tun, denn die Einspruchsfrist endet bereits am 28. Mai.

Der ersten Bürgerinitiative, die 2006 gegen den Bau eines Supermarktes kämpfte, ging es um den Erhalt des kleinen Parks direkt im Dorstfelder Ortszentrum. Ein Formfehler im Bebauungsplan (InW 216) beendete schließlich die Pläne.

Bebauungsplan gekippt

Die Höhenangaben des Gebäudes konnten aufgrund des Gefälles der Frerich-Wiese nicht genau angegeben werden. Für das Oberverwaltungsgericht ein Grund, den Bebauungsplan zu kippen.

„Später hieß es, das Grundstück sei sowieso nicht geeignet für einen Supermarkt“, erinnert sich Wilhelm Schulte-Coerne von der Bürgerhaus-Genossenschaft, damals wie heute in den Bürger-Initiativen aktiv.

Im Jahr 2019 beschloss der Dortmund Rat einen neuen Bebauungsplan, mit dem Namen „InW 221“. Darin wurde festgelegt, dass eine Lebensmittel-Vollversorgung auf der Wiese angesiedelt werden solle. Der Name Edeka stand im Raum.

Meinung hat sich geändert

Mittlerweile hatte sich das Meinungsklima in Dorstfeld gewandelt. Ein Supermarkt im Ortskern, mit Fleisch- und Käsetheke, das klang gar nicht mehr so schlecht. „In direkter Nähe haben wir ja nur Discounter ohne Frischetheken“, erklärt Nils Kowalewski, Sprecher der neuen Bürger-Initiative, die plötzliche Bereitschaft der Dorstfelder, ihre Frerich-Wiese herzugeben.

Die Baugenehmigung wurde im Dezember 2020 erteilt. Alle erwarteten den baldigen Baubeginn. Doch dann kam die Sitzung der Bezirksvertretung Innenstadt-West im März. Dort erreichte die Ortspolitiker die Nachricht, dass nun doch kein Edeka auf die Frerich-Wiese kommt, sondern ein Netto.

„Das ist Wortbruch“, sagt Nils Kowalewski erbost. Das ändere auch nicht die Tatsache, dass ein es sich um einen „Netto Plus“ handele. Der habe zwar ein Sortiment von 4500 Artikeln statt der normalen 2300 Artikel. Es gebe aber keine Frische-Theken.

Rechtsanwalt ist eingeschaltet

Deshalb hat sich der Widerstand neu formiert. Die Bürgerinitiative wird unter dem Namen „Kein Netto im kleinen Park“ gegen den Discounter-Bau vorgehen. Ein Rechtanwalt prüft bereits, wo man juristisch ansetzen könnte.

Bislang sehen die Netto-Gegner zwei Ansätze für eine Klage: Zum einen stehe im Bebauungsplan explizit, dass ein Vollsortimenter angesiedelt werden soll. Das jetzt ein Discounter geplant wird, sehen die Gegner als erneuten Formfehler.

Den zweiten Ansatz der Bürgerinitiative nennt Wilhelm Schult-Coerne: „Die Baugenehmigung sieht Kampfmittel-Untersuchung vor, eine Maßnahme mit aufschiebender Wirkung.“

Mögliche Verfahrensfehler

Auf der Wiese hätte also nichts unternommen werden dürfen, bevor sie nach Kampfmitteln untersucht worden wäre. Doch am 15. Februar, so Schulte-Coerne, seien vier ursprünglich als erhaltenswert eingestufte Bäume gefällt worden. In seinen Augen ein Verstoß gegen die Baugenehmigung.

Die Ziele der Bürgerinitiative sind die folgenden: Entweder es bleibt beim Bau eines Edeka, oder man versucht, den Bau ganz zu verhindern. „Viele Mitglieder der Bürgerinitiative wollen den Bau ganz verhindern aus Sorge um die 2000 zusätzlichen Autobewegungen pro Tag, die im Masterplan Einzelhandel erwartet werden“, sagt Nils Kowalewski.

Doch noch steht die Bürger-Initiative ganz am Anfang. Nach der Eintragung als Verein rechnete Nils Kowalewski am Donnerstag mit der Eröffnung eines Spendenkontos, damit man Geld für die Klage sammeln kann.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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Holger Bergmann
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