Die Dortmunder Nachbarschaft feiert ihr 500. Corona-Singen mit einem kleinen Fest. © Helmut Kaczmarek
Coronavirus

Corona-Lichtblicke: Dortmunder Nachbarschaft trifft sich 500 Mal zum Singen

500 Abende, 500 Mal Singen, 500 Mal gute Laune: Eine Dortmunder Nachbarschaft feiert ein besonderes Corona-Jubiläum – und ihre neue Lebensqualität. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Die Nachbarschaft kann es selbst kaum glauben, wie viel Schönes sich aus ihrem Corona-Singen entwickelt hat. Im Februar 2020 haben die Männer, Frauen und Kinder erstmals auf der Straße gemeinsam gesungen. Sie folgten damit dem Aufruf der Evangelischen Kirche von Westfalen. Sieben Strophen „Der Mond ist aufgegangen“. Ein Mutmacher, ein Halt, ein Lichtblick in den schweren Corona-Zeiten. Ein Zeichen gegen die Isolation und für die Gemeinschaft.

Seit Februar 2020 treffen sich Anwohner jeden Abend zum Corona-Singen in der Overhoffstraße. Daraus sind Freundschaften und Nachbarschaftshilfen entstanden.
Seit Februar 2020 treffen sich Anwohner jeden Abend zum Corona-Singen in der Overhoffstraße. Daraus sind Freundschaften und Nachbarschaftshilfen entstanden. © Helmut Kaczmarek © Helmut Kaczmarek

Danach blieb es bis heute an keinem Abend still in der Overhoffstraße in Dortmund-Oespel. Am Freitagabend (30.7.) feierten die Nachbarn ihr 500. Corona-Singen. Einzig die Gruppenstärke des „Straßenchores“ schwankt – abhängig von Urlauben, beruflichen und sonstigen Verpflichtungen oder dem eigenen Wohlbefinden kommen mal zwölf, mal 40 Anwohner zusammen.

Längst gehen die Treffen weit über das fünf- bis zehnminütige Singen hinaus. „Anfangs sind wir nach dem Singen alle wieder in den Häusern verschwunden, jetzt stehen wir anschließend noch nett beisammen“, erzählt Markus Streich, einer der Organisatoren. Obwohl mittlerweile alle doppelt geimpft seien, halte man die Abstandsregeln beim Singen immer noch ein. „Anfangs haben wir sogar Boxen mit Kreide auf die Straße gezeichnet.“ Auch die Gläser, die auf einem Tablett bereitstehen, fülle sich jeder selbst. „Die Flaschen liegen in einem Weidenkorb, den die Nachbarn immer wieder aufstocken.“

Viele Freundschaften und Nachbarschaftshilfe

Viele soziale Kontakte, Freundschaften und Nachbarschaftshilfen seien mittlerweile durch das Corona-Singen entstanden. „Manche Nachbarn haben sich nach 40 Jahren erst jetzt durch diese Aktion richtig kennengelernt“, so Streich. Die gewachsene, generationsübergreifende Gemeinschaft unterstütze sich bei Rentenanträgen, beim Einkaufen, bei Reparaturen im Haus und Garten.

Der Wunsch sei groß, dass das „Generationen-Projekt“ trotz der aktuell recht entspannten Corona-Lage fortgesetzt wird. „Für viele sind diese sozialen Kontakte sehr wichtig“, so Streich. Einige sprächen von einer „neuen Lebensqualität“. Auch er persönlich empfinde das so: „Deshalb bin ich, wann immer es geht, dabei. Ich lasse mich einfach mit fließen“, so der 55-Jährige.

555. Corona-Singen wird wieder gefeiert

Einige hätten schon ausgerechnet, wann das 1000. Corona-Singen gefeiert wird. So weit denken Streich und seine Mitstreiter Heike Seidenstöcker und Musiker Roger Trost aber noch gar nicht. „Als Nächstes feiern wir das 555. Singen, also in 55 Tagen.“ Wie genau, das steht noch nicht fest, möglicherweise so wie am Freitagabend: mit Getränken aus dem Cocktail-Mobil und Leckereien vom Grill.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald

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