Auf die gemeldete Corona-Geburtstags-Party reagiert das Ordnungsamt anders als vom Hinweisgeber erwartet. Der junge Dortmunder ist enttäuscht. © picture alliance/dpa
Illegale Zusammenkunft

Corona-Party-Anzeige: „Habe Angst, dass die bei mir vor der Tür stehen“

Ein Dortmunder informiert das Ordnungsamt über eine illegale Corona-Geburtstags-Party. Doch die Stadt reagiert anders als erwartet. Der junge Mann ist enttäuscht.

Mehrfach tauchten Bilder und Videos von illegalen Corona-Geburtstags-Partys auf Instagram auf. Ein Dortmunder, der eine junge Frau unter den ausgelassen Feiernden erkannt hat, wollte nicht mehr länger tatenlos zusehen und informierte das Ordnungsamt. Denn Zusammenkünfte dieser Art sind laut aktueller Coronaschutzverordnung verboten.

„Das ist doch scheiße, die Leute sind einfach unbelehrbar. Aufgrund solcher Partys und Veranstaltungen haben wir doch den ganzen Salat hier“, meint der junge Mann aus dem Dortmunder Westen. Er habe null Verständnis für das egoistische Verhalten, unter dem andere dann leiden müssten.

Damit die Stadt Dortmund eingreifen kann, schickte er ihr das Video einer Dortmunder Party und den Namen eines Gastes. Alles ging am vergangenen Wochenende per E-Mail an das Ordnungsamt.

„Ordnungswidrigkeitenverfahren nicht erfolgsversprechend“

Doch die städtischen Ordnungshüter werden nichts gegen das Partyvölkchen unternehmen, erfuhr der enttäuschte Dortmunder. „Sie können wohl nur was machen, wenn ich ihnen meine Adressdaten nenne, haben sie mir geschrieben. Doch das kann ich nicht machen.“ Denn: Er habe Angst, dass die angezeigte Gastgeberin und ihre Leute „dann irgendwann bei mir vor der Tür stehen“, sagt er dieser Redaktion.

Stadtsprecher Maximilian Löchter erklärt auf Anfrage, warum der Stadt in diesem Fall die Hände gebunden sind: „Die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitenverfahren ohne belegbaren Tatvorwurf (hier: Zeugenaussage) ist nicht erfolgversprechend.“ Wenn im Nachgang das ordnungswidrige Verhalten Dritter zur Anzeige gebracht werden soll, sei eine Zeugenaussage, die gegebenenfalls auch in einem gerichtlichen Verfahren wiederholt wird, unabdingbar, ergänzt der Sprecher.

Bei dem Dortmunder stößt die Erklärung auf wenig Verständnis: „Es kann doch nicht sein, dass man direkt alle Daten preisgeben muss, wenn einem etwas auffällt. Das finde ich doof.“

„Gewissen ,Denunziantentum‘ Einhalt gebieten“

Maximilian Löchter hält dagegen: „Man muss auch einem gewissen ,Denunziantentum‘ Einhalt gebieten. Daher sind konkrete Angaben und die Bereitschaft zur Zeugenaussage, wenn notwendig auch vor Gericht, wenn das Ordnungsamt nicht selbst vor Ort war, unabdingbar.“

Die Argumente können den Dortmunder, der wie jüngst Comedian Oliver Pocher eigentlich nur einen Beitrag zur Pandemie-Bekämpfung leisten wollte, nicht überzeugen. „Wenn die anonym nichts machen können, dann ist das halt so“, sagt er resigniert.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald

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