Die Deutsche Bahn hat eine Hecke beschnitten. Eine Dortmunderin meint, dass das zu kurz sei. © Cornelia Hinderfeld
Natur in Dortmund

Deutsche Bahn beschneidet Hecken: Naturschützer beklagen Radikalität

Für die einen ist es ein „Eingriff in die Natur“, für die anderen notwendige „Rückschnittsarbeiten“. Doch: Wie schätzt der Naturschutzbund das Zurückschneiden von Hecken ein?

Cornelia Hinderfeld aus Kley ist ziemlich erschüttert. Unweit ihres Hofes liegt an Bahngleisen eine landwirtschaftliche Fläche. Dort stand noch bis vor Kurzem eine „alte Schlehenhecke“. Stand, weil die Deutsche Bahn eine ihrer Meinung nach „vollkommen unsinnige Aktion durchgeführt“ und diese Hecke an der südlichen Bahntrasse in Somborn abgeholzt hat.

„Diese alte Schlehenhecke wurde bodeneben abgesägt und die Zweige an Ort und Stelle gehäckselt“, beschreibt Cornelia Hinderfeld. Diese Aktion habe sie stark erschüttert, weil es Jahre brauchen wird, bis sich dieses „Biotop wieder erholt hat“. Ihrer Meinung nach hätte es auch gereicht, einzelne Bäume gezielt zu fällen.

Deutsche Bahn: „Kein Kahlschlag“

Die Deutsche Bahn erklärt auf Anfrage der Redaktion, dass derzeit in ganz Deutschland „Vegetationsrückschnittsarbeiten entlang der Bahngleise erfolgen“. Von einem Kahlschlag könne keine Rede sein. „Die Schlehenhecke in Dortmund reichte zum damaligen Zeitpunkt zu nah an die dort vorhandene Speiseleitung ran“, sagt eine Sprecherin der Deutschen Bahn.

Zwischen Oktober und Februar schneide die Bahn jährlich Hecken und Büsche zurück, die an Gleisen liegen. Das ist der Zeitraum, in der das Beschneiden von Hecken laut Bundesnaturschutzgesetz erlaubt ist.

Sicherheit steht für die Deutsche Bahn an erster Stelle

Die Begründung für den Beschnitt ist, dass „in einem Bereich circa 6 Meter beidseitig des Gleises zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit die Vegetation entfernt werden muss“.

Forstexperten der DB haben sich für einen „Verjüngungsschnitt entschieden, der jedoch nicht einer vollständigen Abholzung gleichkommt“. Vor jedem Rückschnitt werde „die Vegetation vom Boden sowie von allen Seiten aus in Augenschein genommen“.

Was sagt der Naturschutzbund?

Volker Heimel vom Naturschutzbund Dortmund kennt die Problematik. Und hat eine klare Meinung dazu: „Die Bahn schneidet immer zu kurz“, sagt der 58-Jährige. „Ausnahmslos und radikal – jedes Jahr.“

Volker Heimel vom Naturschutzbund Deutschland setzt sich besonders für Fledermäuse ein.
Volker Heimel vom Naturschutzbund Deutschland sieht in der Aktion der Vahn ein Problem. © Michael Schnitzler (Archivbild) © Michael Schnitzler (Archivbild)

Es handelt sich dem Schulbiologen zufolge um ein bundesweites Problem. Überall in Deutschland würden Hecken oder Büsche, die an Gleisen liegen, zu kurz geschnitten. Dabei werde vergessen, dass Amseln, Drosseln und Finken im Winter genau diese Hecken brauchen, um Unterschlupf und Futter zu finden.

Wie Sie helfen können

Doch wie können die Menschen aus Dortmund nun helfen? „Indem sie solche Dinge der Presse melden, damit Aufmerksamkeit entsteht“, sagt Heimel. „Genau wie die Dame aus Kley, der ich ein großes Lob aussprechen möchte.“

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Freddy Schneider, Jahrgang 1993, Dortmunderin. Gelernte Medienkauffrau Digital/Print und Redakteurin. Seit 2012 arbeitet sie bei den Ruhr Nachrichten.
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Frederike Schneider

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