Die Töchter von Schlagersänger Marcus Kuno tun nur so, als würden sie ihre Frisierkünste an ihrer Mutter ausprobieren. © privat
Coronavirus

Friseure im Endlos-Corona-Lockdown: Wie bändigen Dortmunder ihre Haare?

Nicht alle Dortmunder stecken während des Corona-Lockdowns im Friseur-Dilemma. Sie lassen ihre Haare einfach wachsen. Andere haben hingegen selber geschnippelt und gefärbt – mit mäßigem Erfolg.

Seit Mitte Dezember sind alle Friseursalons dicht. Schneiden, färben, föhnen – nichts ist erlaubt im bundesweiten Corona-Lockdown. Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich. Sie reichen von „eine Katastrophe“ bis „alles halb so schlimm“.

Wir haben uns im Dortmunder Westen umgehört und gefragt: „Wie bändigen Sie eigentlich Ihre Haare im Lockdown?“

Julia Kowal nimmt das haarige Thema mit Humor: „Wir lassen lieber wachsen, als selbst mit Schere und Schneidemaschine zu hantieren. Dann sähen wir sicher schlimmer aus“, sagt die Grünen-Politikerin und 2. stellvertretende Bezirksbürgermeisterin im Stadtbezirk Lütgendortmund.

Julia Kowal lässt ihre Haare wachsen und bändigt sie oft mit einem Pferdeschwanz.
Julia Kowal lässt ihre Haare wachsen und bändigt sie oft mit einem Pferdeschwanz. © Julia Kowal © Julia Kowal

„Brauche etwas mehr Spitzenfluid“

Weil sie nicht färbe und keinen Pony trage, falle der fehlende Friseurbesuch bei ihr noch gar nicht auf, sagt die dreifache Mutter: „Ich habe oft einen Pferdeschwanz und brauche lediglich etwas mehr Spitzenfluid.“

Genau wie sie lasse auch ihre Tochter (6) die Haare einfach wachsen. „Meine Söhne (3 und 4) machen das gezwungenermaßen auch, bei Kindern ist es aber auch nicht weiter schlimm“, findet Julia Kowal. Ihr Mann wuchere auf dem Kopf und im Gesicht langsam zu. „Steht ihm aber auch ganz gut.“

Die Kirchlinder Buchautorin und Entspannungstrainerin Kerstin Brentrop hat einen Kurzhaarschnitt und vermisst ihren Friseur deshalb schmerzlich: „Ja klar habe ich schon selbst Hand angelegt, aber das war nur semi-gut. Ist eben nicht so einfach, seitenverkehrt an den Haaren herum zu schnippeln“, sagt sie. Ihre Freundin habe dann das Schlimmste begradigt.

„Jeden Tag Kampf mit den Haaren“

So langsam brauche sie auch dringend neue Strähnen. „Wahrscheinlich muss ich mir diese aber noch vor Öffnung der Friseurbetriebe mithilfe eines Päckchens aus dem Drogeriemarkt selbst machen, wie auch immer das dann aussehen wird.“

Sie müsse jeden Tag einen Kampf mit ihren Haaren ausfechten, gesteht die 51-Jährige. „Mein Gott, wie oft habe ich herumgeflucht, dass alles nicht klappt und noch einmal die Haare gewaschen und von Neuem begonnen“, gesteht die Entspannungstrainerin. Normalerweise ist sie die Ruhe in Person, die in ihren Büchern Fantasiereisen zur inneren Mitte aufschreibt und in ihren Kursen praktiziert.

Kerstin Brentrop wartet sehnsüchtig auf die Wiedereröffnung der Friseure. Sie hat schon selbst geschnippelt, ist aber alles andere als zufrieden mit dem Ergebnis.
Kerstin Brentrop wartet sehnsüchtig auf die Wiedereröffnung der Friseure. Sie hat schon selbst geschnippelt, ist aber alles andere als zufrieden mit dem Ergebnis. © Kerstin Bentrop © Kerstin Bentrop

Nach so vielen Wochen merke man einfach, wie wichtig die Branche sei, so Kerstin Brentrop: „Bitte, bitte lasst die Friseurbetriebe wieder öffnen.“

Thorsten Eustrup war zuletzt Ende November beim Friseur. „In der Regel komme ich damit sechs Wochen aus“, sagt der Inhaber des Lütgendortmunder Reisebüros Köhler. „Nun werden wir die Zeit wohl um mindestens vier Wochen verlängern müssen. Aber ich glaube, das gut zu schaffen.“

„Haare dürfen gerne noch länger werden“

Ein privater Schereneinsatz sei bei ihm definitiv nicht angedacht. „Meiner Frau habe ich tatsächlich schon geholfen, und mit ihr den notwendigen Ansatz gefärbt.“ Bei seiner zwölfjährigen Tochter Mila gebe es überhaupt keine Probleme. „Die langen Haare dürfen gerne noch länger werden.“

Thorsten Eustrup geht alle sechs Wochen zum Friseur, zuletzt war er Ende November. Einen privaten Schereneinsatz lehnt er aber kategorisch ab.
Thorsten Eustrup geht alle sechs Wochen zum Friseur, zuletzt war er Ende November. Einen privaten Schereneinsatz lehnt er aber kategorisch ab. © Thorsten Eustrup © Thorsten Eustrup

Der Dortmunder Schlagersänger Marcus Kuno vermisst seinen Friseur bislang nicht. „Nach dem letzten Salonbesuch waren die Haare sehr kurz. Jetzt bin ich froh, dass sie wieder nachgewachsen sind.“ Den „einen oder anderen Zipfel“ im oberen Haar habe er in der vergangenen Woche selbst abgeschnitten. „Weil ich gegelte Frisuren nicht leiden kann.“

Seine Frau Anja habe kürzlich versucht, den kleinen Grauanteil im Ansatz mit einer Tönung aus dem Drogeriemarkt zu färben. „Innerhalb von wenigen Tagen war die Farbe wieder raus, wenn man überhaupt was gesehen hat“, so der „Prinz von Mallorca“, der jüngst zwei neue Songs herausgebracht hat.

Bei Marcus Kuno und seiner Familie kommen private Scheren kaum zum Einsatz. Nur der Kirchlinder Schlagsänger hat sich schon ein
Bei Marcus Kuno und seiner Familie kommen private Scheren kaum zum Einsatz. Nur der Kirchlinder Schlagsänger hat sich schon ein “paar Zipfel” abgeschnitten. © Kuno © Kuno

Für ihre Töchter brauchen die Kunos keinen Friseur, bei ihnen sollen die „Haare ohne Ende wachsen“: „Wir lieben die Tatsache, dass sie immer noch die ersten Haare auf dem Kopf haben, die jetzt quasi die Spitzen bilden“, sagt der stolze Vater.

Auch bei Sarah Lütz und ihrer Familie gilt das „Nichtstun-Motto“ in Sachen Haare: „Wir haben leider die letzte Möglichkeit vor dem aktuellen Lockdown verpasst und lassen tatsächlich alles auf dem Kopf wachsen.“, berichtet die Mengeder Fitnessfachwirtin und Zumba-Trainerin.

Sie und ihr Mann warteten „mit ihren sehr lockigen Haaren“ sehnsüchtig auf den nächsten Friseur-Besuch. „Da unsere beiden Kinder noch keinen extremen Haarwuchs haben, fällt es mir leicht, hier und da auch mal ein paar Strähnchen abzuschneiden.“

Zumba-Trainerin Sarah Lütz bändigt ihre Mähne gerne unter einer Mütze.
Zumba-Trainerin Sarah Lütz bändigt ihre Mähne gerne unter einer Mütze. © Sarah Lütz © Sarah Lütz

Sie überbrücke die Zeit mit einfachen Frisuren wie Pferdeschwanz und Dutt. „Und die dicke Wollmütze für draußen ist auch immer beliebt“, so Sarah Lütz.

Verwandte hilft beim Färben

Die rothaarige Monika Hohmann aus Westerfilde hat Glück im Unglück. Die 69-jährige Sprecherin des Mieterbeirats Westerfilde ist seit Monaten gesundheitlich sehr eingeschränkt und bekommt beim Hair-Styling deshalb schon lange Unterstützung von einer Verwandten. Gerade erst habe sie sie mit frischer Herbstgold-Farbe aus dem Drogeriemarkt versorgt, erzählt sie.

Die gesundheitlich angeschlagene Monika Hohmann bekommt schon lange beim Haarefärben Hilfe von einer Verwandten.
Die gesundheitlich angeschlagene Monika Hohmann bekommt schon lange beim Haarefärben Hilfe von einer Verwandten. © Monika Hohmann © Monika Hohmann

Während Monika Hohmann also wie „frisch vom Friseur“ aussieht, habe ihr Sohn (41) in den vergangenen Wochen einen kompletten Typwechsel vollzogen. „Seine Haare waren immer sehr kurz, er hatte fast eine Glatze. Jetzt hat er wieder richtig viele Haare.“ Beim letzten Besuch habe sie zweimal hingucken müssen, bevor sie ihn erkannt habe. „Das sieht richtig gut aus, mir gefällt er so viel besser.“

Und was ist mit ihrem Mann? Da reiche es, seinen Nacken mit der Maschine zu rasieren, so Monika Hohmann. „Das mache ich einfach nach Gefühl.“

Extra-Haar-Tipp von Schlagersänger Marcus Kuno

  • Marcus Kuno, der an einer Knochenmarks-Erkrankung leidet, möchte so viel Chemie wie möglich vermeiden.
  • Deshalb nutzt er statt Gel oder Haarspray selbst gemischtes Zuckerwasser aus der Sprühflasche.
  • „Einfach ins Haar sprühen oder direkt mit den Händen verteilen, und die Haare liegen wieder“, versichert Kuno.
  • Der neue Familienhund Kikki nage beim Kuscheln deshalb besonders gerne an seinem Haar. Nach der Kuscheleinheit werde die Frisur dann einfach wieder mit dem Zuckerwasser hergerichtet.
Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald

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