Zum Lachen ist Ulrike Wernicke gerade nicht zumute: Mit dem erneuten Lockdown für ihre Branche hat die Friseurmeisterin nicht gerechnet. © Beate Dönnewald (Archiv)
Coronavirus

Friseurin hängt halben Sonntag am Telefon und legt Corona-Extra-Schicht ein

Im November begeisterte Ulrike Wernicke mit ihrer Corona-Solidaritätsaktion für die Gastronomie. Nun muss aber auch die Friseurmeisterin selbst schließen. Vorher stehen viele Überstunden an.

Bei Friseurmeisterin Ulrike Wernicke steht das Telefon am Montag (14.12.) nicht still. Am anderen Ende der Leitung melden sich verzweifelte Kundinnen, die vor dem Lockdown ab Mittwoch (16.12.) unbedingt noch einen Termin für Farbe oder Strähnchen brauchen. Manche kommen sogar persönlich vorbei – in der Hoffnung auf eine spontane Behandlung.

Mit dieser Reaktion hat die Oespeler Saloninhaberin gerechnet, nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten am Sonntag die erneute Zwangspause für die Friseure verkündet hatten. „Ich war gerade beim Weihnachtbaumeinkauf, als ich davon erfuhr“, erzählt sie.

Um die Schocknachricht zu verdauen, habe sie erstmal einen Glühwein getrunken, erzählt Ulrike Wernicke am Montagnachmittag im kurzen Telefonat mit dieser Redaktion. Dann habe sie sich ihr Handy und ihren Terminplaner geschnappt und den ganzen Sonntag über telefoniert. Denn für sie sei sofort klar gewesen: „Ich muss meinen Salon morgen öffnen.“ Der Montag ist üblicherweise der Ruhetag der Friseure.

Das komplette Team ist am Montag im Einsatz

Ulrike Wernicke hat Glück: Ihr komplettes Team ist am Montag im Einsatz und auch viele Kunden, die sie am Sonntag erreicht hat, können kurzfristig in ihren Salon „Abschnitt 34“ kommen.

Alle Kunden werden sie und ihre drei Mitarbeiterinnen vor Weihnachten und Silvester nicht mehr glücklich machen können. Dafür reichen zwei Tage einfach nicht. „Wir geben wirklich alles. Wir öffnen früher, arbeiten länger und müssen uns sogar gegenseitig ans Trinken erinnern“, so Ulrike Wernicke.

Wirklich gerechnet habe sie mit dem Blitz-Shutdown für ihre Branche nicht, auch wenn die politische Entscheidung für sie nachvollziehbar sei. „Das Weihnachtsgeschäft geht uns leider verloren“, bedauert Ulrike Wernicke.

„Niemand weiß, ob der Spuk am 10. Januar wirklich vorbei ist“

Was die Situation zusätzlich erschwere: „Gerade jetzt werden die Rückzahlungen vom ersten Lockdown fällig und niemand weiß, ob der Spuk am 10. Januar wirklich vorbei ist“, so die Oespeler Friseurmeisterin. Sie selber rechne mit einer Verlängerung des Lockdowns. „Trotzdem machen wir jetzt schon Termine für die zweite Januar-Hälfte.“

Ob sie sich nun auch eine Solidaritätsaktion für sich und ihr Team wünsche, so wie sie sie Mitte November für die heimische Gastronomie auf die Beine gestellt hat? Rund 2000 Euro konnten Ulrike Wernicke und ihre drei Mitarbeiterinnen Annika Wernicke, Anke Arwanitopoulos und Annette Schnell damals dank einer unbezahlten Extraschicht an die gebeutelten Gastronomen in ihrem Stadtteil verteilen. „Nein“, sagt Ulrike Wernicke, „das erwarte ich von niemandem. Von wem auch? Die meisten Geschäfte müssen am Mittwoch doch auch schließen.“

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald

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