Seniorengerechtes und barrierefreies Wohnen bieten die Stadtvillen am Grünen Bogen im Mengeder Erdbeerfeld. Zehn Monate nach dem Bezug fiel der Aufzug aus. © Uwe von Schirp
Neubaugebiet Erdbeerfeld

Gefangen in der Wohnung: Defektes Relais raubt Senioren Bewegungsfreiheit

Neun schmucke Stadtvillen säumen den Grünen Bogen im Neubaugebiet. Sie bieten seniorengerechten Wohnraum. In einem Neubau war es nach zehn Monaten mit der Barrierefreiheit vorbei.

Es ist ein schmuckes Wohnen am Rande des Neubaugebiets. Die Adresse spricht für sich: Grüner Bogen. 117 Wohnungen hat das niederländische Unternehmen Ten Brinke zusammen mit Bollmann Immobilien gebaut. Die LEG Immobilien AG hat sie nach der Fertigstellung im Herbst 2019 gekauft.

99 der Wohnungen in Dortmund-Mengede sind öffentlich gefördert, 18 Penthouse-Wohnungen frei finanziert. Alle Wohnungen seien mit Aufzügen erreichbar, erklärt LEG Immobilien in einer Presseinformation im Oktober 2019. In einem Haus ist es nach zehn Monaten damit vorbei.

Walter Schewe ist 84 Jahre alt. Er zieht mit seiner Frau am 1. Februar 2020 in den Neubau mit der Hausnummer 4. Ein Altersruhesitz. 15 Jahre haben sie ihres Enkels wegen in Bayern gelebt. Dort finden sie keine passende barrierefreie Bleibe. Ihre Mobilität ist eingeschränkt. Walter Schewe benötigt einen Rollator, seine Frau sitzt im Rollstuhl.

Nach 15 Jahren in Bayern zurück nach Mengede

Walter Schewe wurde über der ehemaligen „Meka“ am Mengeder Markt geboren und wuchs in Oestrich auf. Später zog er mit den Eltern nach Nette. Im Alter geht es nun zurück in die Heimat. Schewes Schwester hält die Augen auf. Als ihr selbst eine Wohnung am Grünen Bogen 4 angeboten wird, ist das Penthouse noch frei.

Altersgerechtes Wohnen: breite Türen, ein großes Bad, Fußbodenheizung, im Keller eine Waschküche. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Walter Schewe. Der Altersruhesitz hat seinen Preis: Rund 1000 Euro zahlt das Paar für die 68 Quadratmeter große Wohnung unter dem Dach.

Die neun Stadtvillen an der Hauptachse des Neubaugebiets haben 99 öffentlich geförderte Wohnungen. Hinzu kommen 18 frei finanzierte Penthouse-Wohnungen. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Die generelle Zufriedenheit bekommt einen Dämpfer. Am 27. November fällt der Aufzug aus. Tagsdrauf informieren die Hausbewohner LEG Immobilien über den Schaden. Nicht nur das Ehepaar Schewe ist von dem Ausfall betroffen. Von den 13 Mietparteien im Haus sind vier quasi nun in ihrer Wohnung eingesperrt.

55 Stufen sind es von der Haustür bis zu Schewes Wohnung. Unüberwindbar. Der Weg in die Waschküche, an den Briefkasten oder die Mülltonne ist versperrt. „Die Kinder müssen kommen, um für die Alten einkaufen zu gehen“, sagt Walter Schewe. Aus Bochum.

Monteur zeigt Bilder von verrostetem Relais

Sechs lange Wochen passiert nicht viel. Zweimal kommen nach Aussage Schewes Aufzugmonteure und untersuchen den Schaden. Abwechselnd erkundigen sich die Mieter bei der LEG nach dem Sachstand. Anfang der Woche reicht es Walter Schewe.

„Ein Monteur hat mir Bilder mit einem verrosteten Relais gezeigt“, erzählt der Senior. „Es soll sich wohl Wasser im Aufzugschacht gesammelt haben.“ Mit einem Aufzug-Schaden rechne er bei 30 bis 40 Jahre alten Häusern. „Aber doch nicht bei einem Neubau.“

LEG Immobilien bedauert den Ausfall und entschuldigt sich bei den Mietern. „Auch wir selbst ärgern uns darüber und zudem über den Aspekt, dass es ausgerechnet in einem Neubau nun so schnell zu einem solchen Schaden gekommen ist“, schreibt LEG-Sprecher Mischa Lenz auf Anfrage am Mittwoch (6.1.).

Die gute Nachricht kommt zum Schluss

Im Oktober 2019 hat die LEG vor dem Hintergrund weiterer Wohnungsbestände in der Umgebung noch auf „Bewirtschaftssynergien, von denen alle unsere Kunden profitieren“ hingewiesen. Die stoßen hier an ihre Grenzen.

„Im Falle des Grünen Bogens mussten wir zunächst das erforderliche Ersatzteil bestellen“, schreibt Lenz. „Bei den Herstellungs- und Lieferzeiten sind wir auf den jeweiligen Hersteller angewiesen.“ Über den Jahreswechsel komme es zudem branchenübergreifend bei Dienstleistern zu Engpässen.

Die Stellungnahme endet mit einer guten Nachricht: „Der Hersteller hat heute das Ersatzteil geliefert und eingebaut. Der Fahrstuhl läuft wieder.“ LEG will dem ursächlichen Baumangel nachgehen und nimmt den Bauträger in die Gewährleistungspflicht.

Walter Schewe ist erst einmal glücklich: „Wir waren gestern direkt in der Waschküche.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
Zur Autorenseite
Uwe von Schirp

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt