Heike Schöttler (l.) und ihr Hospiz-Team verbrauchen in der Corona-Zeit besonders viel Hygiene-Material. © Holger Bergmann
Hospiz in Corona-Zeiten

Hospiz braucht dringend Hygiene-Material: Hilferuf zeigt erste Wirkung

Im Hospiz Westrich gab es noch keinen Corona-Fall. Das hängt vermutlich mit den ziemlich strengen Hygiene-Maßnahmen zusammen.

Die Tür zum Hospiz St. Elisabeth Westrich war immer offen. Jetzt wird man begrüßt und erhält einen neuen Mund-Nase-Schutz direkt an der Tür. Besucher dürfen ihre eigene Maske aus hygienischen Aspekten nicht tragen.

Dann muss der Besucher seine Hände desinfizieren. Abschließend folgt eine Datenerhebung über die Gesundheit des Besuchers. Und die Temperatur des Besuchers wird gemessen. Zudem wird demnächst zusätzlich ein Corona-Schnell-Test für jeden Besucher, Gäste und Mitarbeiter durchgeführt, um weitere Sicherheit bieten zu können.

Diese Maßnahmen sind nötig, denn wenn jemand empfindlich auf Infektionen reagiert, dann sind es die Gäste in einem Hospiz. Diese Maßnahmen sind aber auch teuer, denn sie verschlingen viel Material, das das spendenfinanzierte Hospiz selbst bezahlen muss.

Bitte um Spenden auf Facebook

In der vergangenen Woche verbreitete deshalb Hospiz- und Pflegedienstleiterin Heike Schöttler über Facebook einen Hilferuf mit der Bitte um Spenden. „Die Pandemie dauert einfach länger, als wir erwartet haben“, so Heike Schöttler. Hygiene-Schutz-Material wird also in größeren Mengen verbraucht.

Und der Aufruf hat gewirkt: „Ob Sachspende oder Geldspende, wir erhalten viele Anfragen von Menschen, die gerne helfen möchten“, berichtet Heike Schöttler.

Die Corona-Pandemie ist aus mehreren Gründen eine besondere Zeit für das Hospiz. Denn die Besucher sind nicht einfach Kunden, sie sind Angehörige von Menschen, die ihren letzten Lebensabschnitt begehen.

Weniger strenge Kontaktbeschränkungen

Weil dabei das Bedürfnis nach Kontakt besonders hoch ist, gelten für Hospize weniger absolute Kontaktbeschränkungen als in Seniorenheimen oder in Krankenhäusern.

Die Gäste im Hospiz dürfen jeweils einen Besucher empfangen, zwei pro Tag. Bekommt der Gast mehrere Besucher gleichzeitig, dürfen diese von außen auf die Gast-Terrassen und dort ihr Familienmitglied durch die geschlossen Fensterscheibe sehen.

Das hat sich herumgesprochen. Deshalb hat das Hospiz auch Anfragen für die Aufnahme von Gästen, die eigentlich nur einen ambulanten Pflegeplatz benötigen.

Mehr Wertschätzung als früher

Doch Heike Schöttler ist aufmerksam. Sie fragt bei Anmelde-Gesprächen extra nach und sagt: „Ob jemand aufgenommen wird, hängt vom Schweregrad bestimmter Diagnosestellungen und Allgemeinzustände der Gäste ab.“ Momentan ist das Hospiz mit zwölf Gästen ausgebucht.

Auch der Kontakt der Mitarbeiter des Hospizes zu den Gästen ist während der Pandemie noch intensiver geworden, hat Heike Schöttler beobachtet. „Da wird jeglicher Kontakt deutlich mehr wertgeschätzt und empfunden als früher“, sagt sie.

Auch Kleinigkeiten bekommen eine größere Bedeutung. „Ein intensiver Blick, ein persönliches Gespräch, ein besonderer Nachtisch, ein frisch gepresster Orangensaft zwischendurch, oder mal ein Plätzchen“, alles werde viel intensiver wahrgenommen, so Heike Schöttler.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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Holger Bergmann

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