Noch bestimmt Landwirtschaft das Bild auf dem Areal des geplanten Waltroper Industriegebiets. In Dortmunds Nachbarstadt schreitet die Bauleitplanung derweil voran. © Stephan Schuetze (Archiv)
Geplantes Industriegebiet

„Im Dicken Dören“: Schlechtes Zeugnis aus Dortmund für die Nachbarstadt

Die Stadt Waltrop treibt die Bauleitplanung für das Industriegebiet „Im Dicken Dören“ voran – mit einem finanziellen Risiko. Dortmund gibt derweil der Nachbarstadt ein schlechtes Zeugnis.

Der Acker am Kanal ist noch grün. Ein Landwirt bestellt ihn. In Waltrop nimmt inzwischen die Bauleitplanung für den „Dicken Dören“ konkrete Züge an. Die frühe Bürgerbeteiligung ist abgeschlossen – Bauvorbereitungen laufen.

Das geplante Industriegebiet an der Stadtgrenze von Waltrop und Groppenbruch beschäftigt weiterhin Politik und Verwaltung auf beiden Seiten des Dortmund-Ems-Kanals. Ob irgendwann der Waltroper Spezial-LKW-Hersteller Langendorf tatsächlich an die Stadtgrenze ziehen wird, ist nirgendwo verbrieft.

Die finanziell klamme Nachbarstadt im Norden geht ein finanzielles Risiko ein, sollte der Fahrzeugbauer von seinen Plänen Abstand nehmen. Das sei auch der Waltroper Politik bewusst, hieß es im Sommer. Trotzdem halten sie und die Verwaltung an den Plänen fest. Ein zweites Risiko steht im Raum: Klagen der Stadt Dortmund und der Groppenbrucher Anwohner gegen den Bebauungsplan. Womöglich muss Waltrop Fördergelder zurückzahlen.

Dortmund stellt Waltrop schlechtes Zeugnis aus

Die Stadt Dortmund bleibt bei ihrer Position. In seiner Stellungnahme im Rahmen des Bauleitverfahrens stellt Planungsdezernent Ludger Wilde Waltrop ein schlechtes Zeugnis aus. Er schreibt von „erheblichen Bedenken“ und kritisiert „methodische Schwächen der Standortprüfung“.

23 Hektar groß ist die Grünfläche westlich und östlich der Mengeder Straße, 15 Hektar groß das Plateau im Westen. Zwei Drttel des Plateaus soll das Industriegebiet einnehmen.
23 Hektar groß ist die Grünfläche westlich und östlich der Mengeder Straße, 15 Hektar groß das Plateau im Westen. Zwei Drttel des Plateaus soll das Industriegebiet einnehmen. © Hasken © Hasken

Die Untersuchung alternativer Standorte für Langendorf sei „interessengeleitet“, die Gesamtqualität der Standortuntersuchung „unzureichend“. Verkehrs- und Immissionsschutz-Gutachten lägen noch nicht vor, eine abschließende Bewertung daher noch nicht möglich.

Besonders im Fokus: der Groppenbach an der Stadtgrenze. Dessen Aue ist Landschaftsschutzgebiet. Ludger Wilde weist auf die Grundwasserproblematik hin. Unter der heutigen Landwirtschaftsfläche befindet sich Bergematerial aus dem Bergbau mit einer hohen Chlorid-Belastung. Die Mengeder Bezirksvertretung nahm die Stellungnahme von Ludger Wilde ohne größere Diskussion zur Kenntnis.

Aktionsbündnis wartet ab

Gegenüber der Waltroper Zeitung erklärte der Waltroper Stadtplaner Andreas Scheiba indes am Wochenende (19.9.), dass zwei Regenrückhaltebecken für das Industriegebiet geplant seien. Die Verkehrs- und Entwässerungsplanung habe die Stadt Waltrop mittlerweile in Auftrag gegeben.

Ruhig war es zuletzt um das Groppenbrucher Aktionsbündnis gegen den Dicken Dören. „Es gibt für den Bürger aktuell nichts zu tun“, sagt Sprecherin Stefanie Hugot. Die Bürgerinitiative hatte sich im Frühjahr aus Workshops im Vorfeld der offiziellen Bürgerbeteiligung zurückgezogen.

Die Bürgerinitiative will nun warten, bis der Bebauungsplan offengelegt wird und dazu seine Stellungnahme einbringen. „Sollte es dann zum Satzungsbeschluss kommen, wird irgendwer klagen – die Stadt oder wir.“

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Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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