Frank Hoffmann von Autobahn Westfalen an dem Regenrückhaltebecken Dorstfeld. Die Schafe grasen gerade im hinteren Teil des Beckens. © Holger Bergmann
Regenrückhaltebecken

In einem Dortmunder Stadtteil haben die Rasenmäher vier Beine

Rund 70 Regenrückhaltebecken betreibt Autobahn Westfalen. Die müssen mit schwerem Gerät gemäht werden. Das könnte sich der Landesbetrieb in Zukunft sparen. Ein Pilotprojekt läuft in Dorstfeld.

Seit einer Woche trauen viele Kunden des Einkaufszentrums Dorstfeld an der Planetenfeldstraße ihren Ohren nicht mehr. In die Geräuschkulisse aus an- und abfahrenden Autos auf dem Parkplatz mischt sich alle paar Minuten ein lautes „Möööh“.

Denn hinter dem Einkaufszentrum liegt gut versteckt das Regenrückhaltebecken „B1 Meilengraben“. Und dieses rund tausend Quadratmeter große Gelände hat 25 neue Bewohner. Konkret: Schafe.

Die Tiere sind noch keine Dauermieter, sondern wohnen hier nur zur Probe. Der Landesbetrieb Autobahn Westfalen probt hier, ob man sich mit dem Einsatz von Schafen das Rasenmähen sparen kann.

2000 Euro gespart für jedes Regenrückhaltebecken

„Wir haben 70 Regenrückhaltebecken, die zweimal im Jahr gemäht werden müssen“, berichtet Frank Hoffmann, Teamleiter für den Autobahnbetrieb. Er rechnet für jedes Becken mit Mähkosten von rund 2000 Euro.

Die könnte man sich sparen, wenn man stattdessen Schafe dort weiden lassen könnte. Die Idee selbst stammt von einem Schafzüchter, der nach Flächen für seine Tiere suchte – und auf die Regenrückhaltebecken aufmerksam wurde.

Die Schafe sind seit einer Woche im Regenrückhaltebecken an der A40. Bislang steht das Gras noch hoch.
Die Schafe sind seit einer Woche im Regenrückhaltebecken an der A40. Bislang steht das Gras noch hoch. © Holger Bergmann © Holger Bergmann

Autobahn Westfalen ist begeistert von der Idee. Das ganz Paket scheint zu stimmen: Die Becken sind als Betriebsgelände bereits umzäunt. Und die Schafe kann man sich selbst überlassen. Bei dem aktuellen Wetter muss der Besitzer nur hin und wieder Trinkwasser für die Schafe anliefern.

Genug Schattenplätze für die Schafe in der Hitze

Schafe sind, nicht zuletzt wegen ihrer Wolle, hitzeanfällig. Doch die Bepflanzung am Rande der Becken bietet den Tieren auch in der Sommerwärme genügend Schattenplätze, sagt Frank Hoffmann.

Neben dem Becken in Dorstfeld grasen weitere Schafe in einem Becken in Kley und in einem in Wattenscheid. Einen Monat lang sollen die insgesamt 100 Tiere grasen, dann will man bewerten, ob man langfristig Schafe als Rasenmäher einsetzen kann.

Bei den Schafen handelt es sich um Vertreter unterschiedlicher Rassen: Man findet Schwarzkopfschafe neben Merinoschafen, Texel-, Suffolk- und Fuchsschafen. Fußgänger, die an den Becken vorbeikommen, können aktuell Mutterschafe mit ihren Lämmern beobachten.

Zwei Monate pro Becken

Wenn sich das Mähen mit Schafen durchsetzt, werden die Tiere jeweils zwei Monate auf einem Becken verbringen, bis sie es abgemäht haben – dann geht es mit einem Transporter zu einem anderen Becken.

Plötzliche Starkregenereignisse sollen kein Problem sein, so Frank Hoffmann. Wenn das Wasser von der Fahrbahn in Becken fließt, gebe es genug Zeit für die Schafe, um höhergelegene Bereich zu erreichen.

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Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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Holger Bergmann

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