Seit März gab es keine Kurse für Schwimmanfänger im Dortmunder Westen. Das Versäumte aufzuholen wird schwer für die Kinder. © dpa (Symbolbild)
Coronavirus

Keine Anfängerkurse: Kommt jetzt die Generation Nichtschwimmer?

Seit März hat es in den Schwimmbädern im Dortmunder Westen keine Schwimmkurse mehr gegeben. Viele Kinder sind ungewollt Nichtschwimmer geblieben. Das hat weitreichende Konsequenzen.

Kinder in einem Alter, in dem sie schon mal alleine gelassen werden können, sollten Urlaub in der Nähe von Gewässern nur machen, wenn sie sicher schwimmen können. Das ist eine grobe Formel, die Eltern als Rat zu hören bekommen.

Diesem Rat konnten Eltern seit Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr nachkommen. Mal waren die Schwimmbäder geschlossen und in den Öffnungszeiten galten Quarantäne-Regeln, die Schwimmkurse unmöglich machten.

Eines der Probleme waren die Abstandsregeln. „Unter Einhaltung der Abstände konnten nur neun Kinder ins Nichtschwimmerbecken“, berichtet Karl-Friedrich Bode vom TV Grüne Linde aus Lütgendortmund. Da wurden die Kurse erst gar nicht wieder aufgenommen.

Umziehen nur in jeder zweiten Kabine

Auch für den Wassersportverein (Waspo) Nette waren Kurse für Schwimmanfänger nicht durchführbar. „Jedes Kind hätte sich in einer Einzelkabine umziehen müssen und das auch nur in jeder zweiten Kabine“, berichtet die Vorsitzende Katrin Emmel.

„Und wie soll ich einem Kind das Schwimmen beibringen, wenn im Becken 1,50 Meter Abstand gehalten werden muss?“, fragt Thomas Fahl von der DLRG Mengede. Deshalb gab es auch im Schwimmbad Mengede keine Kurse in der Öffnungsphase zwischen den Lockdowns.

Unglücklich für die Schwimmausbildung war auch der Zeitpunkt der ersten Lockdowns. Der begann nämlich kurz vor den Seepferdchen-Prüfungen, dem Ende der Schwimm-Kurse.

Ein Jahr lang nicht die Muskeln trainiert

Die davon betroffenen Kinder können die Seepferchen nicht einfach nachholen, sagt Thomas Fahl. „Wenn die Kinder seit März nicht geschwommen sind, sollten sie erstmal wieder die Muskeln trainieren.“

Damit sind gleich zwei Jahrgänge Corona-bedingt Nichtschwimmer geworden. Neben der Unsicherheit im Wasser bringt das weitere Probleme im Laufe des Lebens. „Viele weiterführende Schulen nehmen nur Schüler mit zu Freizeiten, die schwimmen können“, berichtet Katrin Emmel.

Und nachholen kann man die Kurse nicht so einfach. „Die Kurskarten der abgebrochenen Kurse sind noch gültig“, so Bode. Wenn der Lockdown endet und die Hallenbäder wieder öffnen, dürfen also zuerst die „alten“ Kinder ins Wasser.

Für Kurse gibt es lange Wartelisten

„Wir haben schon lange Wartelisten für unsere Kurse“, berichtet Katrin Emmel. Kinder müssen sich also auf Wartezeiten für Anfänger-Kurse einrichten.

Und einfach mehr Kurse anbieten, das schaffen die Vereine nicht. Dazu gibt es einfach zu wenig Zeit in den Bädern und zu wenig ehrenamtliche Betreuer und Trainer.

Und dem Schulschwimmen trauen die Vereine nicht zu, die Nichtschwimmer auszubilden. „Da kommt ein Lehrer auf 30 Kinder von denen vielleicht fünf konzentriert mitmachen. Das ist doch nur Rumplanschen“, sagt Karl-Friedrich Bode.

Die Vereine werden deshalb eine Bugwelle an Problemen vor sich herschieben. Wenn es eine Lücke bei den Anfängern gibt, die Schwimmen lernen, gibt es auch weniger, die die Anschlusskurse besuchen, die nach ein paar Jahren in der Ausbildung von Rettungsschwimmern münden.

Ein Bugwelle an Problemen

Und aus diesen Kursen rekrutiert zum Beispiel die DLRG seine Jugendbetreuer oder Trainer, sowie seine Rettungsschwimmer, die im Sommer am Möhnesee, am Dortmund-Ems-Kanal und an Nord- und Ostsee eingesetzt werden.

„Wir haben eine große Personal-Fluktuation“, erklärt Katrin Emmel. „In jedem Jahr verlassen uns junge Mitglieder, weil sie ihre Lehre beginnen oder sich aufs Abitur vorbereiten müssen.“ Deshalb erwarten die Vereine ein Nachwuchsproblem, das sich in zehn oder mehr Jahren vollständig auswirkt.

Doch auch kurzfristig gibt es bereits Probleme: Mitgliederschwund. Der Waspo meldet, dass 40 von 350 Mitgliedern sich in der Corona-Zeit abgemeldet haben, beim TV Grüne Linde sind es 70 von 430. Die Einnahmeverluste durch weniger Mitgliedsbeiträge treffen die Vereine hart.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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Holger Bergmann

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