Viele Paare hatten 2020 ihre Hochzeit auf das nächste Jahr verschoben. Werden jetzt im Sommer die kirchlichen Trauungen nachgeholt? (Agenturbild) © dpa
Heiraten in Corona-Zeiten

Kirchliche Trauung trotz Pandemie: Holen die Paare jetzt ihre Hochzeiten nach?

Die Inzidenzen sind niedrig, die meisten Menschen geimpft. Holen Dortmunder jetzt ihre Hochzeiten nach? Wir haben bei den Kirchen nachgefragt und die haben überraschend unterschiedliche Eindrücke.

Viele heiratswillige Paare haben ihren großen Tag wegen der Pandemie verschoben. Allmählich könnten die großen Feiern aber doch stattfinden, oder? Wir haben uns bei den evangelischen Gemeinden umgehört und gefragt, ob es demnächst kirchliche Trauungen am Fließband gibt.

Pfarrerin Dr. Kerstin Schiffner sagt ganz klar: „Nein.“ In der evangelischen Kirchengemeinde Elias gibt es große Zeitfenster für die einzelnen Trauungen, damit es nicht dazu kommt, dass die nächste Traugesellschaft schon vor der Kirche steht, sobald die frisch Vermählten das Gotteshaus verlassen.

Teilweise keine Termine mehr frei

Trotzdem sagt Kerstin Schiffner: „Wir sind gut ausgebucht.“ Vor allem für September seien Hochzeiten terminiert. Jetzt in den Sommerferien hingegen seien es selten Trauungen, die die Wochenenden der drei Pastoren der Gemeinde füllen, sondern meist Gottesdienste und Taufen.

Pfarrerin Dr. Kerstin Schiffner wird vor allem im September viele Paare im Dortmunder Westen trauen, beispielsweise in der Immanuel-Kirche in Marten. (Archiv)
Pfarrerin Dr. Kerstin Schiffner wird vor allem im September viele Paare trauen, beispielsweise in der Immanuel-Kirche in Marten. (Archiv) © Stephan Schuetze © Stephan Schuetze

Teilweise sei es sogar schwer, überhaupt noch einen Termin zu finden. Entweder sind die Kirchen schon ausgebucht oder die drei Pfarrer der Elias-Gemeinde haben bereits den Terminkalender voll.

„Wenn ein Paar nicht völlig fixiert auf ein bestimmtes Datum ist, finden wir schon eine Lösung“, sagt die Theologin. „Viel Vorplanung“ sei aber auch dann noch nötig.

Pfarrerin Bettina Wirsching von der Christusgemeinde Dortmund, zu der die Bartholomäus-Kirche, die Katharinen-Kirche und das Martin-Luther-King-Haus zählen, hat indes ganz andere Erfahrungen gemacht: Im September sind hier keine Trauungen geplant.

Große Unsicherheiten bei den Paaren

Paare, deren Hochzeitspläne für 2020 der Pandemie zum Opfer fielen, hatten teilweise für Mitte 2021 geplant – das erzählen beide Pfarrerinnen. „Erst eine Hochzeit haben wir nachgeholt“, sagt Bettina Wirsching. Andere Paare hätten sich Anfang des Jahres gemeldet und erneut verschoben – auf 2022.

„Die Unsicherheit ist groß“, sagt Kerstin Schiffner. Wie wird es im September sein? Welche Regeln gelten dann? Wie hoch ist die Inzidenz im Spätsommer beziehungsweise im Herbst?

Diese Unwägbarkeiten schrecken offenbar viele Paare ab.

Dass einige deshalb schon auf 2022 verschoben haben, wundert Bettina Wirsching nicht. „Wie hätten sie denn im Februar ein Lokal für August mieten sollen?“ Zu dem Zeitpunkt sei das kaum möglich gewesen, vielleicht hätte man zum zweiten Mal eine Anzahlung leisten müssen.

Das Problem liegt aus Sicht der Pfarrerin nicht bei der Kirche, sondern beim Drumherum: Wo kann man feiern? Sind die Gäste bis dahin geimpft? Wie viele Gäste sind überhaupt erlaubt?

Kerstin Schiffner macht auf einen weiteren Aspekt aufmerksam, der manche Paare zum Umplanen bewegt. „Große Feiern sind nicht möglich“, sagt die Theologin. Wer mit 200 Leuten gerechnet habe, der könne nicht mit allen Gästen heiraten. „Selbst unsere größten Kirchen reichen dafür nicht.“ Denn Schutzkonzepte greifen weiterhin. Seit NRW-weit wieder die Inzidenzstufe eins gilt, besteht auch in Gottesdiensten wieder Maskenpflicht. Schon vorher hatte die evangelische Landeskirche empfohlen die Mindestabstände beizubehalten.

Bettina Wirsching kann sich vorstellen, dass einige Paare im kommenden Jahr ihren Nachwuchs taufen lassen und sich direkt als Paar segnen lassen. „Das kann man im Rahmen eines Sonntagsgottesdienstes machen“, so die Pastorin.

Vor allem junge Familien, die schon standesamtlich getraut sind und die ihre kirchliche Trauung „irgendwann später“ nachfeiern wollten, könnten womöglich diese Variante nutzen.

Die Pfarrerin der Elias-Kirchengemeinde rät Paaren, die unschlüssig sind, ob sie Taufe und Trauung in einem Rutsch erledigen sollen, davon ab. „Das sind zwei ganz unterschiedliche Dinge. Bei der Trauung sollte es nur um das Paar gehen“, findet Schiffner.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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