Am Donnerstagmorgen startete ein Heißluftballon am Rande einer Siedlung. Wenig später beobachteten Anwohner, wie Mitfahrer Pilsdeckchen aus dem Korb warfen. © picture alliance/dpa (Symbolbild)
Umweltverschmutzung

Kurz nach dem Start: Ballon-Besatzung wirft Ladung über Wohngebiet ab

Kinder bekamen am Mittwochmorgen vor Staunen große Augen – ein Heißluftballon. Die Augen von Anwohnern einer Siedlung wurden noch größer: Kurz nach dem Start flogen Pilsdeckchen aus dem Korb.

Die Sonne ist grad eine Stunde am östlichen Horizont aufgegangen. Der Himmel ist klar: sonniges Herbstwetter und damit beste Bedingungen für eine Ballonfahrt. Kinder auf dem Weg in den Kindergarten machen große Augen, als ein Ballon hinter den Häusern aufsteigt.

Ein Anwohner der Straße Feldgarten in Lütgendortmund steht auf dem Balkon und guckt in nördliche Richtung zum Volksgarten. „Es war so gegen 8.20 bis 8.30 Uhr“, erzählt er im Gespräch mit dieser Redaktion. „Der Ballon war noch extrem niedrig. Ich nehme an, der Ballon ist im Bereich des Naturfreundehauses gestartet.“

Mehrere Personen befinden im Korb. Hell leuchtet die gelbe Hülle mit Werbung der Warsteiner Brauerei im Morgenlicht. „Ich habe gesehen, dass da was abgeworfen wurde“, erzählt der Anwohner. „Da ist ordentlich was abgekippt worden.“

Pilsdeckchen regnen vom Himmel

Was die Ballonfahrer da in einem Anflug frühmorgentlichen Überschwangs und Abenteuerlust aus dem Korb werfen, zeigt sich wenig später in den Gärten und an den Bäumen. Unzählige Pilstropfenfänger liegen und hängen im Grün. In der gepflegten Gastronomie liegen die Deckchen aus Papier um den Stiel herum auf dem Fuß eines Glases.

Aus einem Heißluftballon, der am Mittwoch morgens über Lütgendortmund schwebte, sind Pilstropffänger gefallen und zum Beispiel in den Gärten der Straße
Aus einem Heißluftballon, der am Mittwoch morgens über Lütgendortmund schwebte, sind Pilstropffänger gefallen und zum Beispiel in den Gärten der Straße „Feldgarten“ gelandet. © Natascha Jaschinski © Natascha Jaschinski

Es ist unklar, was die Ballonfahrer zur dieser Zweckentfremdung veranlasst hat. Der „Niederschlag“ hunderter Pilskragen ist allenfalls noch aus Fußballstadien bekannt – wenn die Mannschaften vor Spielbeginn auf den Rasen auflaufen. Dort entsorgen nach Spielende Reinigungskräfte die Pilskragen mit dem restlichen Müll der Fans.

Die Aktion der Ballonfahrer ist anders gelagert. Ein Missgeschick scheint ausgeschlossen. Wer hantiert bei einem Ballonstart mit derlei Gastronomie-Artikeln? Zudem zählt beim Ballonfahren jedes überflüssige Gewicht. Wenig wahrscheinlich ist ebenso ein unterschätzter Wind. Kaum denkbar ist wohl eine Runde frisch gezapftes Pils mit Deckchen an den Gläsern auf einen gelungenen Start.

Ein Abwurf ist genehmigungspflichtig

Wie aber ist der mutmaßliche Abwurf am Rande des Volksgartens rechtlich zu bewerten? „Laut Luftverkehrsordnung ist das Abwerfen von Gegenständen genehmigungspflichtig“, erklärt ein langjähriger Ballonfahrer im Gespräch mit dieser Redaktion. Für eine Genehmigung wäre die Luftaufsicht beim Regierungspräsidium Münster zuständig.

Die Ballonfahrer pflegen offenbar ein Markenbewusstsein. Das Pilsdeckchen wirbt für die gleiche Brauerei wie der Ballon.
Die Ballonfahrer pflegen offenbar ein Markenbewusstsein. Das Pilsdeckchen wirbt für die gleiche Brauerei wie der Ballon. © Natascha Jaschinski © Natascha Jaschinski

„Wenn für den Abwurf keine Genehmigung vorliegt, ist das eine Ordnungswidrigkeit“, so sagt er weiter. Das Abwerfen von Papier über einem Landschaftsschutzgebiet gehe indes gar nicht, erklärt er, unabhängig von jeder Vorschrift. Der Volksgarten ist solch eine geschützte Grünzone. Der Abwurf erfolgte in einem Randbereich.

Der Experte sagt auch: „Wenn der Ballonfahrer das Abwerfen von seinen Mitfahrern mitbekommen hat, hätte er es verhindern müssen. Er ist der verantwortliche Luftfahrzeugführer.“

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Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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