Diese Grabeland-Anlage ist einigen Anwohnern ein Dorn im Auge. Sie klagen über Randale und Ruhestörung. © Beate Dönnewald
Grabeland

Lärm, Bedrohung, Gewalt: Neuer Angstraum im Dortmunder Westen

Die frühere Idylle in einer Wohnstraße im Dortmunder Westen scheint gestört. Seit einiger Zeit sollen Krach und Gewalt die Anwohner einer Grabeland-Anlage aufschrecken.

Anwohner einer bislang ruhigen Wohnstraße klagen über Lärm und Randale. Verantwortlich sollen dafür Grabeländer in der unmittelbaren Nachbarschaft sein.

Das berichtete Barbara Murawski, CDU-Fraktionssprecherin in der Bezirksvertretung Lütgendortmund, in der Juni-Sitzung. Die betroffenen Anwohner hätten sie über die aktuellen Zustände informiert und sogar vor einem Besuch vor Ort gewarnt.

Polizist wurde in der Anlage zusammengeschlagen

„Es ist ein Angstraum für alle Bürger des Ortsteils entstanden. Sie müssen unter starkem Lärm leben und werden auch körperlich bedroht“, schreibt sie in ihrem Antrag über die Grabeland-Anlage an der Bövinghauser Dorfstraße, südlich des Friedhofs.

Die Grabeland-Anlage liegt nur ein Steinwurf von Wohnhäusern entfernt.
Die Grabeland-Anlage liegt nur ein Steinwurf von Wohnhäusern entfernt. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald

Erst vor wenigen Wochen sei dort ein Polizist schwer verletzt und in ein Krankenhaus eingeliefert worden, so Murawski. Auch diese Redaktion berichtete über den Vorfall. Zwei wahrscheinlich angetrunkene Männer schlugen den Anwohner zusammen, nachdem der Beamte, der in der Nachbarschaft wohnt, um Ruhe gebeten hatte.

Barbara Murawski und ihre Fraktionskollegen haben eine Vermutung, woher die geschilderten Missstände rühren könnten: „Die bisherigen Besitzer sollen die Grundstücke wohl wahllos an andere Leute weitergeben.“ Früher sei das Gebiet von ordentlichen Besitzern gepflegt und bearbeitet worden. „Seit geraumer Zeit hat sich das geändert.“

Die CDU sieht dringenden Handlungsbedarf. In ihrem Antrag fordert sie die zuständige „Organisation“ auf, die „dargestellten Zustände zu beseitigen und eine wahllose Weitergabe zu verhindern, damit wieder Ruhe einkehrt.“ Und weiter: „Sollte das nicht möglich sein, möge die Stadt als Eigentümer über eine andere Nutzung nachdenken.“

Ungepflegte, aber ruhige Anlage am Vormittag

Einen Tag nach der BV-Sitzung, am Mittwochvormittag (23.6.), war diese Redaktion vor Ort. Zwei Grabeländer, die wir dort antrafen, konnten sich aufgrund von Verständigungsproblemen nicht mit uns unterhalten. Eine Anwohnerin, die wir ansprachen, schüttelte vehement mit dem Kopf: Sie fühle sich genauso wie ihre Nachbarn nicht belästigt. Eine Einzelmeinung.

Tatsächlich herrschte während unseres Besuchs in der Grabeland-Anlage Ruhe. Wir sahen Hühner in einem Auslauf und hörten Tauben in Verschlägen. Sicherlich spielte die Uhrzeit eine Rolle. Etliche Parzellen wirkten recht ungepflegt.

Direkt neben den Grabeländern liegt auch der Bövinghauser Friedhof.
Direkt neben den Grabeländern liegt auch der Bövinghauser Friedhof. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald

Auch Bezirksvertreter Uwe Müller von den Grünen wagte sich im Vorfeld der BV-Sitzung in die Anlage. Er war spät abends dort und konnte keine Verstöße feststellen, sagt er. „Wir haben nachgesehen, ohne verletzt zu werden“, sagte Fraktionssprecher Stefan Meissner während der Sitzung. „Ein Ortstermin wäre also durchaus möglich.“

Grüne distanzieren sich von Begründung

Vor allem von der im CDU-Antrag formulierten Begründung distanziert sich die Grünen-Fraktion. „Was nun ordentliche Besitzer sind und ob die nun vermeintlich unordentlichen Besitzern das Grabeland wirklich wahllos weitergeben, ist zum aktuellen Zeitpunkt auch nicht überprüfbar“; so Meissner. Diese Begründung wolle man sich nicht zu eigen machen.

Mit dieser Einschränkung stimmten die Grünen dem Antrag zu. Denn: „Der Antrag geht auf einen Missstand ein, der anscheinend besteht und der auch beseitigt werden soll.“

Alle Fraktionen waren sich schließlich einig, dass in einem ersten Schritt die Zuständigkeit und die rechtliche Situation geklärt werden sollen. Die BV geht davon aus, dass der Stadtverband Dortmunder Gartenvereine der erste Ansprechpartner ist. Das Votum fiel einstimmig aus.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald

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