Der Anbau der Bismarck-Schule steht leer, weil die Stadt Dortmund den Mietvertrag gekündigt hat. © Holger Bergmann
Bismarck-Schule

Mietvertrag gekündigt: Vereine verlassen ihre alte Heimat

Wenn der Lockdown vorbei ist und die Martener Vereine ihr Vereinsleben wieder aufnehmen, werden sie ihre bisherigen Räume nicht wiedersehen. Der Grund ist unerwartet, aber folgerichtig.

Der Ostflügel der ehemaligen Bismarck-Schule an der Martener Straße, oft nur „Kapelle“ genannt, steht leer. Bis auf ein paar Möbel ist in den Räumen nichts mehr geblieben, was daran erinnert, dass das Haus viele Jahr lang Heimat mehrerer Martener Vereine war.

Die Seniorenbegegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt (Awo); die Gruppe des Kreuzbundes; die Technik-Gruppe, die Senioren den Umgang mit dem Internet beibringt; die Gruppe „Mäuse für Ältere“, die Jobs an Senioren vermittelt; die Gruppe „Sprint“ für russische Kultur und eine Englisch-Gruppe, sie alle sind umgezogen in das alte Martener Amtshaus.

Vereine freuen sich über große Räume

Was sich zunächst vielleicht wie eine Vertreibung anhört, wird von den Vereinen freudig begrüßt: „Wir haben jetzt viel mehr Platz“, sagt Horst Krohn von der Awo; „Wir haben jetzt einen eigenen Raum“, berichtet Wolfgang Dormeyer vom Kreuzbund.

Das alte Amtshaus ist überraschend groß: 1906 befanden sich dort zwei Räume für die Polizei, ein Meldebüro, das Standesamt, ein gr0ßer Sitzungssaal und sogar eine Wohnung.

Zwar musste schrumpfen

Der Grund für den Umzug liegt im Jahr 2019. Damals strich die Landesregierung ihre Förderung des Vereins Zwar (Zwischen Arbeit und Ruhestand). Im alten Amtshaus, der Zwar-Zentrale, fielen acht von zehn Stellen weg.

Im Amtshaus geblieben ist das Rudi-Eilhoff-Bildungswerk mit zweieinhalb Stellen. Finanziert durch neue Partner gibt es immer noch Bildungsangebote, zum Beispiel der Umgang mit Video-Konferenzen.

Im Amtshaus blieben Räume ungenutzt

Trotzdem verringerte sich das Angebot für Menschen, die den Eintritt in den Ruhestand planen, dramatisch. In dem großen Gebäude an der Steinhammerstraße wurde es zum ersten Mal seit der Gründung von Zwar im Jahr 1979 ziemlich ruhig.

Bis jemand bemerkte, dass es jetzt im Zwar-Gebäude, das der Stadt gehört, genug Platz für all die Gruppen gibt, die in der Bismarck-Schule zu Hause sind, und für die die Stadt Miete zahlen musste.

Mietvertrag bis Jahresende gekündigt

Deshalb kündigte die Stadt diesen Mietvertrag zum 31. Dezember 2020. Überraschend für Vermieterin Gabi Krüler hat sie nun ein leer stehendes Gebäude. Und es wird vermutlich noch lange leer bleiben, denn Gabi Krüler hat noch keine Ahnung, wie sie die Räume vermarkten soll.

Der betroffene Teil ist nur ein Anbau der eigentlichen Bismarck-Schule. Die denkmalgeschützte Bismarck-Schule hat Gabi Krüler bereits 2012 aufwendig renovieren lassen. Es entstanden 16 Wohneinheiten, teilweise in großzügiger Loft-Form.

Tagungen in Marten?

Der Anbau, der aussieht wie eine Kapelle, und der laut Gabi Krüler tatsächlich mal geweiht war, kommt für so einen Umbau nicht infrage, sagt die Unnaer Besitzerin. Die vier großen Räume auf zwei Etagen seien nur für Versammlungen oder Veranstaltungen geeignet. Aber an einen Mieter, der in Marten Tagungen veranstaltet, glaubt Gabi Krüler noch nicht.

Sowohl die Zwischendecke als auch das Dach müssten erneuert werden. „Im Fußboden liegen noch die Gasleitungen aus der Zeit, als es hier eine Schwesternschule gab und die Frauen an Lern-Kochstellen arbeiteten“, berichtet Gabi Krüler.

In die Renovierung müsste viel Arbeit gesteckt werden

In dieses Gebäude müsste eine Menge Arbeit gesteckt werden, zu der sich Gabi Krüler selbst nicht in der Lage sieht. Deshalb werden diese Räume vermutlich noch lange leer stehen.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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Holger Bergmann

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