Schrottsammeln lohnt sich momentan wegen der hohen Metallpreise. Deshalb fahren so viele Klüngelskerle durch die Straßen. © picture alliance / dpa
Schrottsammler

Nervige Melodie: Wenn der Küngelskerl viermal pro Tag flötet

Früher einmal kam er einmal pro Woche. Seine Schrotthändler-Melodie konnte man von Weitem hören: der Klüngelskerl. Doch aus dem Ohrwurm ist eine nervige Dauerbeschallung geworden.

In der Zeit vor den Recyclinghöfen war der Klüngelskerl die beste Möglichkeit, alte Sachen einigermaßen umweltgerecht loszuwerden. Wenn die Sachen denn Metall enthielten. Denn der Klüngelskerl, oft auch Klüngelkerl genannt, ist ein Schrottsammler.

Seine Flötentöne, von einem heute unbekannten Komponisten extra für das Schrottsammeln geschrieben, waren ein Ohrwurm und unverkennbare Ankündigung.

Die städtische Abfallentsorgung ist mittlerweile viel besser entwickelt, doch den Klüngelskerl gibt es immer noch. Denn Schrott zu sammeln und das Metall dann einem Schrottplatz für 130 Euro pro Tonne zu verkaufen, das lohnt sich.

Schrottpreise sind explodiert

„Eine Tonne Schrott hat man schnell zusammen“, sagt ein Dorstfelder Schrotthändler. Aber das war mal. Bis zum Sommer 2020. Seitdem sind die Schrottpreise geradezu explodiert.

Für normalen Schrott gibt es momentan 300 Euro pro Tonne. Für wertvollere Metall wie Kupfer gibt es 800 Euro pro Tonne. Wenn man einem Klüngelskerl Elektrokabel oder Elektromotoren übergibt, macht der einen ordentlichen Gewinn.

Die Preise sind hoch, sinken aber bereits. „Den Höhepunkt gab es im Juni, Juli“, berichtet Petra Hartmann, Sprecherin der EDG. Diese Entwicklung hat Folgen. Schrott ist zu einem begehrten Gut geworden. Im Schrottsammeln haben viele Menschen die Möglichkeit entdeckt, schnell etwas Geld zu machen.

Mehrere Schrottsammler pro Tag

Das hat dazu geführt, dass seit Wochen nicht mehr einmal pro Woche die Schrotthändler-Melodie ertönt, sondern weitgehend täglich. In einigen Straßen im Dortmunder Westen sogar bis zu viermal pro Tag. Da fängt es an, zu nerven.

Auffällig ist, dass diese Häufung von Klüngelskerlen vor allem im Dortmunder Westen zu spüren ist. Der Dorstfelder Schrotthändler meint: „Da kann man vor allem Kennzeichen aus Bochum und Recklinghausen erkennen“.

Sammler aus Dortmund, Bochum und Castrop-Rauxel

In den Außenbereichen ihrer eigentlichen Sammelgebiete fahren diese Schrottsammler demnach auch nach Dortmund und sorgen hier, zusammen mit den Dortmunder Schrottsammlern, für ein besonders hohes Aufkommen, so seine Erfahrung.

Doch es nervt nicht nur. Die Schrottsammler hangeln sich am Rande der Legalität entlang. „Einen Gewerbeschein und einen Laster, mehr braucht man nicht“, sagt der Dorstfelder Schrotthändler.

Schrottsammler hat ein Reisegewerbe

In der Praxis ist es aber komplizierter. „Ein Schrottsammler, der im Umherfahren Altmetall sammelt, übt ein Reisegewerbe aus“, berichtet Stadtsprecher Maximilian Löchter. Dafür benötigt er eine Reisegewerbekarte.

Daneben braucht er für das Sammeln und Transportieren von Altmetall eine Zustimmung von der zuständigen Abfallwirtschaftsbehörde. Dafür wird ein Nachweis der Sach- und Fachkunde verlangt.

Herkunft dokumentieren

Doch die Neu-Klüngelskerle nehmen den Schrott in der Regel mit, ohne sich die Herkunft zu notieren, oder sich auszuweisen. „Wer möchte, dass sein Abfall umweltgerecht entsorgt wird, sollte zur EDG kommen“, wirbt deshalb Petra Hartmann.

Denn während die EDG alles an Müll entgegennehmen kann, ist der Klüngelskerl eingeschränkt. Er darf zum Beispiel keine gefährlichen Abfälle auflesen. Dazu gehört Elektroschrott und Schrott mit ölhaltigen Rückständen.

Keine selbstständigen Unternehmer

Man sollte sich aber hüten, zu glauben, jeder dieser Schrottsammler sei ein selbstständiger Unternehmer, meint Michael Brunn, Chefredakteur des Recycling-Magazins. „Wahrscheinlicher ist, dass ein Schrott-Unternehmen mehrere Fahrer zu Billiglöhnen in die Laster setzt“.

Wer einem dieser Sammler etwas Schrott überlässt, schickt das Metall auf eine lange Reise. Die Klüngelskerle verkaufen den Schrott an Schrotthändler. „Wir transportieren den Schrott nach Holland“, sagt der Schrotthändler. Dort gebe es sogar noch mehr Geld für die Tonne als in Deutschland.

Von Holland aus reist das Metall mit Schiffen in die Türkei. In den Stahlwerken am Bosporus gelangen die Metalle dann wieder zurück in die industrielle Produktion.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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Holger Bergmann

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