Hans-Peter Naumann sucht singefreudige Kirchlinder, mit denen er das Corona-Singen wieder aufnehmen kann. © Holger Bergmann
Corona-Singen

Neue Pläne: Singen gegen den Corona-Frust

Das Kirchlinder Corona-Singen begann vor rund einem Jahr und wurde im August rüde von aggressiven Störern beendet. Jetzt hat Initiator Hans-Peter Naumann neue Pläne.

Vor genau einem Jahr war die Welt noch eine andere. Die Corona-Pandemie war noch ganz neu. Der erste Corona-Lockdown war eher ein Abenteuer als eine Belastung. Die Geschäfte hatten geschlossen, ebenso alle Freizeiteinrichtungen.

Um gemeinschaftlich etwas zu unternehmen, wurden die Menschen kreativ. Irgendwann stellten sich abends Menschen vieler Städte auf ihre Balkone und klatschten, um ihren Respekt vor der Leistung des Pflegepersonals auszudrücken.

Singen, um Mut zu machen

Irgendwann gab es dann Bilder von Menschen, die auf ihren Balkonen sogar sangen. Diese Bilder fand Hans-Peter Naumann aus Kirchlinde klasse. „Singen macht Mut, singen in der Gemeinschaft macht Mut und hilft gegen Einsamkeit.“

Und weil er es als Pfarrer und Religionslehrer gewohnt ist, vor den Augen vieler Zuschauer „aufzutreten“, griff er im April vor einem Jahr zu seiner Gitarre und stellte sich in den kleinen Park am Kirchlinder Ehrenmal, nah bei seiner Wohnung.

Bereits bei seinem ersten Corona-Gesang gingen viele Fenster an der Westerwick-Straße auf und die Häuserfront entwickelte sich zu einer Art Zuschauer-Tribüne für Hans-Peter Naumann.

Immer mehr Corona-Sänger

Dadurch ermutigt, kam er eine Woche später wieder und war nicht mehr allein: Erste sangesfreudige Kirchlinder gesellten sich zu ihm und sangen mit. Noch weiter ermutigt, begann Naumann, Liedtexte auf Zettel zu drucken und vor jedem Corona-Singen in die Briefkästen der Nachbarn zu stecken.

Auf dem Höhepunkt kamen verlässlich bis zu 15 Sänger an das Ehrenmal. Bis eines Tages nach den Sommerferien aggressive Jugendliche die Sänger mit lauter Musik Lautsprechern vertrieben. Das war das Ende der Corona-Singen.

Doch losgelassen hat die Idee Hans-Peter Naumann nie. Gerade in letzter Zeit sei er wiederholt auf das Corona-Singen angesprochen worden. „Die aktuelle Stimmung bedrückt sehr viele Menschen“, sagt Naumann. „Nach all den Corona-Verordnungen, den Lockdowns, der zweiten, dritten und vierten Welle sind die Menschen einfach müde“, so Naumann.

Die Rückkehrs des Corona-Singens

Deshalb denkt er seit einigen Tagen konkret darüber nach, das Corona-Singen wieder aufleben zu lassen. Diesmal nicht als Pandemie-Gemeinschafts-Spaß, sondern als Mutmacher-Aufbau-Hilfe für alle Menschen, denen Corona nur noch auf die Nerven geht.

Er ist auch bereits tätig geworden. Er geht von Tür zu Tür, fragt eine eventuelle Singebereitschaft ab und sammelt E-Mail-Adressen. Allein will er sich nicht mehr an das Mahnmal stellen, sondern nur, wenn er sich seiner Mitsänger sicher sein kann.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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Holger Bergmann

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