Die Häuser der Papageiensiedlung in Huckarde leuchten in der Sonne in frischen Farben. Mit der Renovierung sind aber nicht alle Mieter zufrieden. © Holger Bergmann
Dogewo

Papageien-Siedlung: Nach zwei Jahren Umbau sind viele Mieter sauer

Fast 5 Millionen Euro hat die Dogewo in die Renovierung und Modernisierung der Häuser in der sogenannten Papageien-Siedlung gesteckt. Dafür gibt es aber nicht nur Lob. Mehrere Mieter äußern Unmut.

Heute ist das ganz normal: Wenn Hausverwaltungen ihre Mietshäuser renovieren lassen, dann gibt es meist auch einen Neuanstrich. Als die Häuser rund um die Straße Burgheisterkamp und Huckarder Bruch in Dortmund-Huckarde Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurden, waren Farbkonzepte eine Revolution.

Und deshalb hat die Siedlung den inoffiziellen Namen „Papageien-Siedlung“ bekommen. Weil alles so schön bunt war. Jetzt erstrahlen viele der Gebäude in aufgefrischten Farben.

Auf den ersten Blick wirken die Häuserblocks schon jetzt wie eine Vorzeige-Siedlung. Doch hinter den neuen, wärmedämmenden Fenstern ist die Freude bei vielen Mietern getrübt. Am Ergebnis der zwei Jahre dauernden Arbeiten wird nun offene Kritik laut.

Die Fassade ist immer noch schäbig

Matthias Strack, Wirt in der Gaststätte Burgheisterkamp, ist vom Ende der Bauarbeiten überrascht. „Unser Gebäude scheint gar nicht auf der Liste zu stehen“, wundert er sich im Gespräch mit unserer Redaktion. Er hatte fest auf eine aufgefrischte Fassade gesetzt: „Wir wollen einen neuen Biergarten einrichten. Mit dieser schäbigen Fassade geht das aber im Prinzip nicht.“

Strack kritisiert die uneinheitliche Behandlung der Siedlung. „Hier wurde ein ganzer Block renoviert, dort eine Straßenzeile nicht. Ich hatte mit einer Renovierung der ganzen Siedlung gerechnet.“

Noch nicht klar, wie es weitergeht

Ob auch Stracks Gaststätte von außen noch einen neuen Anstrich bekommt, kann die Dogewo derzeit nicht klar sagen: „Für Häuser, die bisher nicht Bestandteil der Großmaßnahme waren, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine verbindlichen Aussagen treffen“, so eine Sprecherin des Unternehmens.

Es war Stracks Gaststätte, in der im März vor zwei Jahren die Dogewo ihre Modernisierungs-Pläne vorgestellt hat. Bei einer Bürgerinformationsveranstaltung. Der SPD-Ortsverein Mailoh-Deusen hatte erkannt, dass es beim Umbau von 245 Wohnungen für viele Menschen Klärungsbedarf gibt – und die Versammlung organisiert.

Mieter: schlampig ausgeführte Arbeiten

Auf der Liste standen unter anderem Austausch und Erneuerung aller Fenster, die Ausstattung der Wohnungen mit Balkonen, eine Fassadensanierung und ein neuer Anstrich sowie neue Badezimmer.

Die damalige Vorfreude der Mieter auf schönere Wohnungen ist aber großer Ernüchterung gewichen. Ein Mieter am Huckarder Bruch, der nicht genannt werden möchte, ist sauer über seiner Meinung nach unzulängliche Arbeiten.

„Das hier sind richtig alte Häuser, die hätten auch richtig modernisiert werden müssen“, so der Mann. Die Abflussrohre seien immer noch die alten, sie würden stinken. Die Holzböden seien ebenfalls nicht mehr zeitgemäß. „Wenn mein Nachbar morgens aufsteht, höre ich das am Knarren im Gebälk.“

Es zieht jetzt in der Wohnung

Außerdem sei bei den Arbeiten, die gemacht wurden, geschlampt worden. So seien die Fenster nicht dicht, es ziehe in seiner Wohnung. Auf diese Kritik antwortet die Dogewo: „Uns liegt aktuell keine Mängelanzeige vor. Wenn uns ein Mangel oder eine Reparatur angezeigt wird, gehen wir dem nach.“

In der Regel fahre der zuständige Bauleiter raus und kontrolliere den angezeigten Mangel. Anschließend erhalte das Unternehmen, das die Arbeiten ausgeführt hat, die Möglichkeit nachzuarbeiten und den Mangel zu beheben.

Undicht seien die neuen Fenster nicht, versichert die Dogewo-Sprecherin: „Die neu eingebauten Fenster haben eine höhere Wärmedämmung. Diese sind zudem mit einem Fensterfalzlüfter versehen. Diese Form der Fensterbelüftung ist gesetzlich vorgeschrieben.“

Eine Neuheit in den Wohnungen findet aber Zuspruch. „Der Balkon, der ist klasse“, findet der Dogewo-Mieter. Die 90 Euro mehr an Miete wegen des neuen Badezimmers und der größeren Wohnfläche durch den Balkon findet er aber nicht so klasse.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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Holger Bergmann

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