Handylicht statt Saalbeleuchtung: Die Sitzung der Bezirksvertretung Mengede hatte ein besonderes vorweihnachtliches Ambiente. © Uwe von Schirp
Glosse

Politiker agieren im Dunkeln: Advent, Advent – kein Lichtlein brennt

Lichtspiele zur Weihnachtszeit. Ein ganz besonderes Arrangement erlebten Bezirksvertreter in der zweiten Adventswoche. Und im Rampenlicht stand dabei nicht nur der Bezirksbürgermeister.

Die zweite Zusammenkunft der neugewählten Mengeder Bezirksvertretung am Mittwoch (9.12.) wird einen Spitzenplatz in der Liste legendärer Sitzungen einnehmen.

Es sind nicht die 88 Beratungspunkte auf der Tagesordnung. Auch nicht die fast fünfstündige Dauer – nebenbei, beides stolze, selten erreichte Werte. Nein: Böse Zungen würden behaupten, die Mengeder Politik tappt im Saalbau gut eine halbe Stunde lang im Dunkeln. Dabei sind die Beratungen ernst und konstruktiv.

Es ist 16 Uhr. Draußen senkt sich die Sonne am blaß-blauen Winterhimmel. Die Atmosphäre drinnen ist ein wenig adventlich. Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann hat an jeden Platz im weiten Rund einen Schoko-Weihnachtmann gestellt. Der eine oder andere Ortspolitiker knabbert an einem Plätzchen.

Kein Licht, kein Ton – ich komme schon

Die Sitzung sollte nun beginnen. Tut sie aber nicht. Geschäftsführerin Antje Klein eilt hin und her. Kein Licht, kein Ton: „Ich komme schon“, könnte der servicebewusste Techniker da rufen. Er ist schon da – hinter der Bühne. Der Schaltkasten aber: verschlossen.

Werner Locker vom Kulturverein sitzt unter den Zuhörern. Er engagiert sich ehrenamtlich beim Saalbau-Betreiber und kennt den Hort des Schlüssels. Rettung naht? Irrtum. 16.13 Uhr: Die Sitzung beginnt trotzdem. Acht Minuten später geht die Sonne unter.

Die Augen werden immer größer, die Pupillen weiter. Es ist ein zähes Unterfangen. Der weite Raum und die Masken – Getuschel: „Was hat er gerade gesagt?“ Stehend und in deutlich akzentuierter Sprache geht es etwas besser.

Frohe Botschaft bleibt aus

16.37 Uhr: Nun wird es richtig adventlich. Die erste Handy-Taschenlampe erstrahlt. Erst eine, dann zwei, dann drei, dann vier… Plötzlich steht der Elektriker – nicht vor der Tür. Sondern auf der Bühne. Kaum zu sehen, erhebt er von oben herab die Stimme: „Entschuldigung,…“ Axel Kunstmann dreht sich leicht irritiert um.

Die wenig frohe Botschaft: Vor völliger Dunkelheit könne der Fehler nicht behoben werden. Aber, es ist ein Servicemann mit Rat und Tat. Er könne einen Scheinwerfer auf die Bühne stellen. Aufatmen im politischen Plenum. Der Ton bleibt aus. Das Licht aber reicht kaum in die Hälfte des Saals.

Politik im Gegenlicht. Ein Scheinwerfer sorgte vorübergehend für erhellende Momente bei der Sitzung der Bezirksvertretung Mengede.
Politik im Gegenlicht. Ein Scheinwerfer sorgte vorübergehend für erhellende Momente. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Hinten bleiben die Taschenlampen an. Rot leuchten die vorweihnachtlichen Ambiente-Strahler die Fensterlaibungen aus. Es sind die Minuten der kreativen, aber wirkungslosen Ideen. Grüne und Christdemokraten richten die Fensterleuchten unter die Saaldecke.

Welch bizarres Bild mag sich jetzt auf dem Marktplatz bieten? Das ehrwürdige Kulturzentrum im Rotlicht. Und vorne, vor der Bühne: Der Bezirksbürgermeister als Frontmann – in schwarzer Hose und Jacke ein Scherenschnitt im Gegenlicht.

Geister sind am Werk

Es ist 17.13 Uhr: Unerwartet erstrahlt die indirekte Deckenbeleuchtung. Raunen im weiten Rund. Eine Viertelstunde später gibt der Elektriker auf der Bühne eine Zugabe: „Haben Sie das Licht angemacht?“ Schmunzeln. Irgendwo im altehrwürdigen Gebäude sind offenbar Geister oder Strippenzieher am Werk.

„Können wir jetzt auch noch den Ton bekommen?“, fragt Kunstmann. Der Techniker ist erstaunt. „Natürlich.“ Er drückt den Stecker des Verstärkers in die Steckdose. Und lacht. „Hab ich das gut gemacht?“ Feierabend hat er offenbar noch nicht.

Die Verständigung ist nun deutlich besser. Die Geister sorgen derweil weiter für vorweihnachtliche Lichtspiele. Mal strahlt ein Halogenspot grell von der Decke. Mal zeigt die normale Saalbeleuchtung alle Schaltvarianten. Dann ist es wieder für einen Moment dunkel.

Es ist kurz vor 21 Uhr. Axel Kunstmann schließt den öffentlichen Teil. Die Besucherreihen sind längst leer. Die Medienvertreter packen ein. „Moment“, sagt Antje Klein. „Hinter der Bühne ist noch jemand.“ Nun muss auch der Elektriker Feierabend machen. Was die Bezirksvertreter jetzt noch zu bereden haben, darf auch er nicht hören.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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